- 03.09.2026, 09:26:02
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Jeder 7. Cyberangriff auf Wiener Unternehmen erfolgreich
KI erhöht Tempo und Professionalität – WKW unterstützt Betriebe mit Cybersecurity-Versicherung und Cybersecurity-Hotline
Cybersicherheit ist und bleibt ein existenzielles Thema für Wiener Unternehmen. In diesem Jahr war jeder siebente Cyberangriff auf ein Wiener Unternehmen erfolgreich. Im Vorjahr war es noch jeder sechste. „Wiens Unternehmen sind besser vorbereitet. Von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein, denn Cyberkriminelle werden immer professioneller und setzen auf Künstliche Intelligenz“, sagt Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) führte KPMG heuer bereits zum elften Mal die Studie „Cybersecurity in Österreich“ durch. Zum vierten Mal wurden dabei auch die Wiener Ergebnisse gesondert ausgewiesen.
Künstliche Intelligenz verändert Spielregeln
Das Ausnutzen von Hard- und Softwareschwachstellen (56 Prozent) schaffte es erstmals in die Top 7 der Angriffsarten der Cyberkriminellen. Dahinter steht eine zentrale Erkenntnis der Studie: Cyberkriminelle nutzen zunehmend KI-gestützte Werkzeuge, um Schwachstellen schneller aufzuspüren und automatisiert auszunutzen. Die Kosten für diese Art von Angriff sind vergleichsweise gering. Robert Lamprecht, Partner und Geschäftsführer KPMG, vergleicht dies mit einer Schrotflinte im digitalen Raum: „Da die Kugeln sehr groß sind, haben die Angreifer eine hohe Trefferquote.“
Mit 78 Prozent bleibt Malware beziehungsweise Schadsoftware die häufigste Angriffsform auf Wiener Unternehmen. Und mit 72 Prozent an zweiter Stelle reiht sich der Business-E-Mail-Compromise. Auch hier erleichtert KI die Angriffe auf Wiens Unternehmen. „Hier treffen Deep Fakes – in Form von Text, Foto, Audio oder Video – auf die größte Schwachstelle in der Cybersicherheitsarchitektur, den Menschen“, sagt Lamprecht.
Wiener Unternehmen sind vor allem EPU und KMU
Die Wiener Unternehmenslandschaft ist stark von Ein-Personen-Unternehmen und kleinen Betrieben geprägt. Rund 60 Prozent der Wiener Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. Und rund 78 Prozent der Wiener KMU beschäftigen ein bis neun Mitarbeiter. Das bedeutet, dass sie meist über keinen firmeninternen IT-Experten oder gar eine IT-Abteilung verfügen. „Darum brauchen die Wiener Unternehmer einen IT-Dienstleister des Vertrauens an ihrer Seite, den sie im Notfall kontaktieren können bzw. der das IT-System des jeweiligen Betriebs ohnehin laufend remote überwacht“, sagt Heimhilcher. In Wien gibt es aktuell rund 13.800 IT-Dienstleister (10,7 Prozent der Wiener Unternehmen). Von ihnen sind 437 auf IT-Security spezialisiert.
Tourismus als beliebtes Ziel der Cyberkriminellen
Die am häufigsten von Cyberattacken betroffene Branche ist die Automobilindustrie inkl. der Autozulieferindustrie. Besonders auffällig ist der Tourismus: Die Branche rückte innerhalb eines Jahres von Platz fünf auf Platz zwei der am häufigsten betroffenen Wirtschaftszweige vor. Hier gibt es für die Cyberkriminellen vor allem personenbezogene Daten zu holen, die sich für einen ID-Diebstahl eignen. Die heterogene Struktur und die vielen dezentralen Einrichtungen der Wiener Tourismusbetriebe spielen den Hackern in die Hände.
Mitarbeiter und Lieferkette im Visier
Der Mensch bleibt das größte Einfallstor für Cyberkriminelle. Bei 65 Prozent der erfolgreichen Angriffe war ein Fehlverhalten von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern ausschlaggebend. Jeweils 35 Prozent waren auf schwache Passwörter bzw. Phishing zurückzuführen und 29 Prozent auf ein unzureichendes Patchmanagement. Letzteres wird auch gerne von der KI genutzt.
Gleichzeitig erfolgte jeder fünfte Angriff über die Lieferkette. Hier nutzen die Hacker ein schlechter geschütztes Unternehmen als Einfallstor, um weitere Betriebe innerhalb der Lieferkette anzugreifen. Ein Fünftel der von Cybercrime betroffenen Unternehmen waren von einem länger andauernden Unternehmensstillstand betroffen. „Cybersecurity ist kein Thema, das an die IT-Abteilung delegiert werden kann, denn im Ernstfall geht es um Betriebsfähigkeit und wirtschaftliche Existenz“, betont Heimhilcher.
Digitale Brandschutzmaßnahmen
Wenn ein Unternehmen trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen Opfer einer Cyberattacke wird, hilft ein ausgedrucktes Krisenhandbuch mit allen wichtigen Telefonnummern und weiteren relevanten Informationen. „Ganz oben auf der Liste sollte die Mobilnummer des externen IT-Dienstleisters stehen, damit er rasch die notwendigen Maßnahmen setzen kann“, appelliert Heimhilcher.
„Die Frage ist nicht mehr, ob ein Angriff erfolgt, sondern wie gut ein Unternehmen darauf vorbereitet ist“, sagt Lamprecht und betont die Wichtigkeit des Krisenmanagements in den Unternehmen. Digitale Brandschutzmaßnahmen, die unternehmensintern auch geübt werden, können im Ernstfall zum Vorteil werden und das Unternehmens handlungsfähig halten.
Cyberangriffe konsequent anzeigen
Nach wie vor werden viele Cyberangriffe nicht zur Anzeige gebracht. Heimhilcher appelliert daher an betroffene Unternehmen, den Behörden in Wien die Vorfälle zu melden. „Nur wenn Cyberangriffe angezeigt werden, wird ihr tatsächliches Ausmaß sichtbar. Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Sicherheitsbehörden ausreichend Ressourcen erhalten und wirksamer gegen die Täter vorgehen können.“
Cybersecurity-Versicherung und Cybersecurity-Hotline
Um im Fall eines Cyberangriffs zumindest den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten, gibt es Cybersecurity-Versicherungen. Hier sind Unternehmen gut beraten, den Versicherungsmakler ihres Vertrauens zu kontaktieren, um das für den Betrieb passende Produkt zu finden. Darüber hinaus gibt es ein Cyberversicherungsprodukt mit besonderen Bedingungen, in das die Erfahrungswerte der WK Wien aufgrund der Mitgliederkontakte und der bekanntgegebenen Problematiken eingeflossen sind. Mitgliedsbetriebe der WK Wien zahlen für diese – im Fall einer Cyberattacke – nur den halben Selbstbehalt. „So machen wir Wiener Unternehmen cybersicherer“, sagt Heimhilcher.
Seit 2017 können von einem Cyberangriff betroffene Unternehmen, die keinen IT-Dienstleister an ihrer Seite haben, die Cybersecurity-Hotline der WKO unter der Nummer 0800 888 133 wählen. Sie ist 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche erreichbar. Nach einer kostenlosen Erstauskunft wird auf Wunsch der Kontakt zu einem auf Cybersecurity spezialisierten IT-Unternehmen in der Nähe des Unternehmens hergestellt.
Weitere Informationen: Cybersecurity-Hotline / Cybersecurity-Versicherung / it-safe.at
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