- 02.09.2026, 09:02:04
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ÖAMTC fordert wirksame Roaming-Regulierung für das Laden von E-Autos
Konsument:innen erleben enorme Preisunterschiede und Intransparenz an E-Ladesäulen
Der ÖAMTC kritisiert am Rande des Europäischen Forums Alpbach den aktuellen Tarifdschungel beim Laden von E-Autos. So kann an ein und derselben Ladesäule, je nachdem welche Ladekarte verwendet wird, im Extremfall fast das Zweieinhalbfache des günstigsten Preises verrechnet werden. Das wiegt insofern schwer, weil im Unterschied zum Mobilfunk beim Laden eines E-Autos Roaming – also das Nutzen eines Ladepunktes, der nicht zum Netz des angestammten Ladeanbieters zählt – nicht nur bei Fahrten ins Ausland vorkommt, sondern auch im Inland Alltag ist. "Seit April 2024 gilt in der EU die Alternative Fuels Infrastructure Regulation, kurz AFIR. Darin ist festgelegt, dass Preise an öffentlichen Ladepunkten einfach, transparent, vergleichbar und diskriminierungsfrei sein müssen. Die Praxis sieht allerdings anders aus", stellt ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik fest.
Tarifdschungel am heimischen und internationalen Lademarkt
Der Mobilitätsclub ortet zwei wesentliche Problemfelder. Erstens: Anders als an der Tankstelle für Benzin und Diesel gibt es beim Laden mit Ladekarte zumeist keine oder keine klare Preisauszeichnung an der Station. Es ist für die Konsument:innen nicht ersichtlich, welche Kosten tatsächlich anfallen. Zweitens: Je nach verwendeter Ladekarte werden am selben Ladepunkt oftmals sehr unterschiedliche Tarife verrechnet, was mitunter an hohen Fremdkarten-Tarifen liegt. Auch die Wahl der Zahlungsmethode spielt eine Rolle: Wer direkt mit Kredit- oder Debitkarte zahlt, bekommt häufig einen anderen Preis als Nutzer:innen einer Ladekarte. “All dies führt dazu, dass selbst erfahrene E-Autofahrer:innen vor dem Start des Ladevorgangs oft nicht einschätzen können, was sie unterm Strich bezahlen werden. Und das nicht nur beim Laden im Ausland, sondern auch am heimischen Markt. "Es fehlt Preistransparenz – und das behindert insbesondere im Privatkundenmarkt den Hochlauf der E-Mobilität", erklärt Kloboucnik.
ADL-Studie zeigt erhebliche Preisunterschiede und Hinweise auf diskriminierende Praktiken zwischen Anbietern
Der ÖAMTC-Direktor beruft sich bei seiner Kritik auf eine Studie von Arthur D. Little, bei der im Auftrag des ÖAMTC die Ladepreise von 18 der größten österreichischen Ladeanbieter untersucht wurden. Analysiert wurden jeweils die Preise pro Kilowattstunde ohne Grundgebühr beim Laden mit der Ladekarte des Ladestellenbetreibers, mit einer Kreditkarte und das Standardangebot für konkurrierende Ladeanbieter. Das Ganze für Standard-, Schnell- und Ultraschnell-Ladesäulen. Auffällig ist, dass in zwei Dritteln aller untersuchten Fälle Endkund:innen, die per Kreditkarte bezahlen, einen besseren Preis bekommen als konkurrierende Ladekarten-Betreiber per Standardangebot ("Offer-to-All"). Gegenüber den Ladepreisen, die Betreiber ihren eigenen Kund:innen verrechnen, zahlen Fremdnetze sogar in 90 Prozent aller Fälle mehr. Maximal beträgt dieser Aufschlag 118 Prozent.
Die Folge dieser unfairen Großhandels-Praktiken für die Konsumentinnen: Sie bekommen von ihrem Ladekarten-Anbieter für das Laden in Fremdnetzen oft keine guten Konditionen. De facto werden sie gezwungen, sich viele unterschiedliche Ladekarten anzuschaffen und permanent, zumeist per App, Tarife zu vergleichen. Denn laut ÖAMTC Ladekompass differieren die Preise für Konsument:innen maximal um beinahe 70 Cent pro kWh – was Mehrkosten von 142 Prozent gegenüber dem günstigsten Ladetarif entspricht.
ÖAMTC fordert wirksame Regeln, die national auch durchsetzbar sind
Der ÖAMTC setzt sich seit Jahren für transparente und vergleichbare Ladetarife ein und war auch maßgeblich für die Etablierung von kWh-basierten Preisen verantwortlich. Jetzt fordert der Club ein Eingreifen der Politik: Die EU-Kommission ist in einem ersten Schritt dazu aufgerufen, im Rahmen der Überarbeitung der AFIR europaweit zu untersuchen, ob die Wettbewerbs- und Transparenzprobleme, die am österreichischen Lademarkt festzustellen sind, auch anderswo bestehen. In einem zweiten Schritt braucht es aus Sicht des ÖAMTC strengere Regeln, die eine Ungleichbehandlung von Wettbewerbern verhindern und für mehr Preistransparenz bei den Verbraucher:innen sorgen.
Zudem braucht es laut Club in Österreich und anderen Mitgliedstaaten Einrichtungen, die die Einhaltung der AFIR überwachen und auch eingreifen können. Kloboucnik: "Technisch funktioniert das Laden über verschiedene Anbieter längst. Jetzt braucht es klare Spielregeln für transparente Preise und faire Bedingungen. Gelingt das mit der Überarbeitung der AFIR nicht, könnte es notwendig werden – angelehnt an die Roaming-Regulierung im Mobilfunk – massiv in den Markt einzugreifen und etwa konkrete Grenzen für Aufschläge oder Höchstpreise für Endkund:innen vorzuschreiben. Denn Konsument:innen müssen darauf vertrauen können, beim Laden ihres E-Autos in keine Kostenfalle zu tappen."
Studiendetails
Die Studie "Öffentliches Laden in Österreich: Wie transparent und fair sind Charging- und Roaming-Preise in Österreich – Analyse der Endkundenpreise und Offer-to-All-Konditionen führender österreichischer Ladeinfrastrukturbetreiber" wurde von der Arthur D. Little Austria GmbH im Auftrag des ÖAMTC erstellt. Sie untersucht Charging-Tarife und Roaming-Konditionen im österreichischen Markt für öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur von 18 der größten Ladestellenbetreiber. AFIR erlaubt Preisdifferenzierungen grundsätzlich, sofern sie verhältnismäßig und objektiv gerechtfertigt sind. Die in der Studie beobachteten Unterschiede sind noch kein Nachweis für Diskriminierung. Sie bieten aber konkrete Ansatzpunkte für eine vertiefte Prüfung durch europäische und nationale Wettbewerbsbehörden.
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