- 01.09.2026, 10:00:34
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PV&B Austria: Noch 30 Tage, um Österreichs Stromnetzpläne fit für PV und Speicher zu machen
Analyse der Entwicklungspläne der 16 größten Verteilnetzbetreiber zeigt vier Hebel für tatsächliche Wirkung
Den 16 größten Netzbetreibern Österreichs bleibt noch rund ein Monat, um ihre Verteilernetzentwicklungspläne (V-NEPs) zu einem brauchbaren Instrument für die Energiewende zu machen. Der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria (PV&B Austria) hat die kürzlich zur Begutachtung vorgelegten Entwürfe analysiert. Das Ergebnis: Noch fehlen wesentliche Informationen, damit die V-NEPs eine tatsächliche Planungsgrundlage für den weiteren Ausbau von Photovoltaik (PV) und Batteriespeichern darstellen. PV&B Austria sieht vier konkrete Hebel, mit denen die Pläne bis zu ihrer Veröffentlichung Ende September deutlich an Wirkung gewinnen können. Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) sind die Verteilnetzbetreiber erstmals verpflichtet, entsprechende Ausbaupläne zu erstellen und zu veröffentlichen.
Die V-NEPs sollen aufzeigen, wie sich die Verteilernetze angesichts des wachsenden Strombedarfs und des Ausbaus erneuerbarer Energien entwickeln werden, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Netzkapazitäten geplant sind und wo und wann zusätzliche Anschlusskapazitäten für neue Stromerzeugungsanlagen und Batteriespeicher zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sollen sie bestehende Netzengpässe sichtbar machen und damit aufzeigen, wo mittel- bis langfristig Möglichkeiten bestehen, diese durch einen flexibleren Netzbetrieb zu bewältigen – etwa durch den gezielten Einsatz von Batteriespeichern. Gut ausgearbeitete V-NEPs bieten so einen konkreten Mehrwert für beide Seiten: Sie schaffen eine verlässliche Planungsgrundlage für Projektentwickler*innen und eröffnen Netzbetreibern zusätzliche Möglichkeiten für mehr Effizienz und Flexibilität im Betrieb.
„Die V-NEPs sind eine große Chance für Österreichs Energiewirtschaft. Diese Chance müssen wir auch tatsächlich nutzen und einen echten Mehrwert schaffen. Dafür müssen die Pläne klar zeigen, wo, wann und in welchem Umfang zusätzliche Netzkapazitäten entstehen. Nur so erhalten Projektentwickler*innen eine verlässliche Orientierung für ihre Planungen und können neue PV- und Speicherprojekte gezielter dort entwickeln, wo sie sowohl energiewirtschaftlich als auch netztechnisch sinnvoll sind“
, sagt Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender von PV&B Austria. Wie wichtig diese Transparenz ist, zeigt auch eine aktuelle Mitgliederbefragung von PV&B Austria: Knapp 53 Prozent bewerten die fehlende Transparenz über verfügbare bzw. geplante Netzkapazitäten als das größte Hindernis bei der Umsetzung neuer PV- und Batteriespeicherprojekte in Abstimmung mit den Netzbetreibern. Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Branchenverbands, ergänzt: “Projektentwicklung ist gerade in einem so komplexen Umfeld wie der Energiebranche keine Einbahnstraße. Transparenz zwischen den unterschiedlichen Playern ist dabei das A und O. Daher ist es essenziell, dass die V-NEPs von Beginn an eine verlässliche Informationsquelle über die Entwicklung der Netzkapazitäten darstellen.“
Vier Hebel für mehr Aussagekraft und Wirkung
Aus der Analyse der 16 Entwürfe ergeben sich für PV&B Austria vier zentrale Hebel, bei denen die V-NEPs bis zu ihrer Veröffentlichung Ende September noch nachgebessert werden müssen:
- Angenommene Ausbau- und Erzeugungsszenarien transparent machen
Die V-NEPs sollten klar darstellen, von welchen Entwicklungen beim Strombedarf sowie bei Photovoltaik, Batteriespeichern und anderen Erzeugungstechnologien ausgegangen wird. Dabei hat sich die Netzplanung am künftigen Strombedarfs- und Erzeugungsszenario des „Österreichischen Netzinfrastrukturplans“ (ÖNIP) zu orientieren, der als übergeordnetes Planungsdokument österreichweit die Marschroute vorgibt. Nur so lässt sich beurteilen, ob der geplante Netzausbau den künftig erwarteten Bedarf tatsächlich abbildet. - Verfügbare und neue Netzanschlusskapazitäten aufzeigen
Für die Entwicklung neuer PV-Anlagen und Batteriespeicher ist entscheidend, wo wie viel Leistung angeschlossen werden kann und ab wann zusätzliche Netzkapazitäten zur Verfügung stehen. Die V-NEPs sollten diese Informationen daher möglichst frühzeitig und einfach nachvollziehbar darstellen – technologiescharf sowie mit konkreten Zeitpunkten und Leistungsangaben versehen. Geplante Netzausbaumaßnahmen sind mit bestehenden und geplanten PV-Beschleunigungsgebieten bzw. -Vorrangzonen abzugleichen, damit Netzausbau und politisch priorisierter PV-Ausbau besser zusammenspielen. - Begriff „Flexibilität“ mit konkreten Umsetzungsschritten versehen
Flexibilität wird in den Entwürfen vielfach als wichtiger Baustein genannt. Mit dem im Dezember 2025 beschlossenen ElWG steht den Netzbetreibern dafür ein erweitertes Instrumentarium zur Verfügung – etwa der flexible Netzzugang, die PV-Spitzenkappung, die Ansteuerbarkeit oder die Beschaffung von Flexibilitätsleistungen. In den V-NEPs sollte daher konkret dargestellt werden, ob und welche Instrumente wann und wie zum Einsatz kommen sollen. Klare Angaben zu Zeitplan und Ausgestaltung geben der Branche die notwendige Planungssicherheit, um sich rechtzeitig auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen. - Digitalisierung und Smart-Grid-Entwicklung
Die geplante Digitalisierung darf keine allgemeine Absichtserklärungen bleiben. Die V-NEPs sollten daher konkrete Zielbilder, Maßnahmen und Entwicklungspfade für Digitalisierung und Netzmonitoring enthalten – insbesondere im Niederspannungsnetz. Derzeit reichen die Angaben in einem Großteil der V-NEPs nicht aus, um die Auslastung von Transformatoren und den Stand der Digitalisierung belastbar zu beurteilen. Für die Zukunft ist genau diese Art von verlässlichen Daten und Einschätzungen jedoch ausschlaggebend.
Aktuelle Pressefotos von PV&B Austria finden Sie unter: www.pvbaustria.at/presse
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