• 13.08.2026, 10:26:32
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Wien würdigt herausragende Leistungen in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Volksbildung

Bekanntgabe der Preise der Stadt Wien und der Förderungspreise 2026. Bürgermeister Ludwig: „Wien ist ein Ort, an dem Kunst und Wissenschaft frei arbeiten können.“

Wien (OTS) - 

Die Stadt Wien freut sich, die Preisträger*innen der Preise der Stadt Wien und der Förderungspreise des Jahres 2026 bekanntzugeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, deren Arbeit neue Perspektiven eröffnen und das kulturelle, wissenschaftliche und bildungspolitische Leben Wiens prägen.

„Wien lebt von Menschen, die hinschauen, weiterdenken und Neues möglich machen. Mit den Preisen der Stadt Wien würdigen wir herausragende Leistungen in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Volksbildung – und damit auch jene Kräfte, die unsere Stadt offen, neugierig und zukunftsfähig halten. Gerade jetzt zeigt sich international, wie wichtig Orte sind, an denen Kunst und Wissenschaft frei arbeiten können. Wien ist ein solcher Ort – und wir werden alles daransetzen, dass das so bleibt", so Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Gerade in einer Zeit, in der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit international zunehmend unter Druck geraten, zeigt sich die Bedeutung offener Städte besonders. Wien steht für stabile Rahmenbedingungen, in denen kritisches Denken und künstlerische Freiheit ermöglicht wird, und den Anspruch, Bildung und Wissen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Die Preise der Stadt Wien machen sichtbar, wie sehr Wien von Menschen lebt, die forschen, gestalten, vermitteln, widersprechen und neue Sichtweisen eröffnen.

„Diese Auszeichnungen zeigen die enorme Breite und Qualität, die Wien als Kultur- und Wissenschaftsstadt ausmacht. Die Preisträger*innen stehen für künstlerische Eigenständigkeit, wissenschaftliche Exzellenz, gesellschaftliche Verantwortung und für den Mut, neue Wege zu gehen. Wenn Wissenschafter*innen heute weltweit nach Orten suchen, an denen sie frei und verlässlich arbeiten können, ist das auch ein Auftrag an uns: Wien muss ein Raum bleiben, in dem Erkenntnis und Kreativität geschützt und gefördert werden", betont Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Preise der Stadt Wien 2026

  • Architektur:

GABU Heindl Architektur
Die Architektin Gabu Heindl arbeitet an der Schnittstelle von Stadt und Architektur, Lehre und politischer Praxis. Ihre Arbeit beschreibt die Jury als „Eingriffe in bestehende Verhältnisse“. Fragen des öffentlichen Raums, leistbaren Wohnens und kollektiver Planungsprozesse bilden dabei das verbindende Geflecht einer aktiven Positionierung. Gewürdigt wird zudem ihre Auseinandersetzung mit radikaler Demokratie und intersektionaler Gerechtigkeit sowie eine Praxis von realer gesellschaftlicher Wirksamkeit. Die multiplen Formate dieses Tuns – im Entwurf, im Schreiben und in der Lehre – verschränken sich zu einer inhaltlich dicht verwobenen Praxis.

  • Bildende Kunst:

Toni Schmale (Antonia Schmale)
Im skulpturalen Werk von Toni Schmale verschmelzen maschinelle und humanoide Versatzstücke und verhandeln Themen wie Geschlechterstereotype und Körperpolitiken. Schmale studierte in Leipzig und Wien und hat ihr Werk laut Jury konsequent über die Jahrzehnte weiterentwickelt. Hervorgehoben werden ihr experimenteller wie virtuoser Umgang mit jenen Materialien, die üblicherweise in der Industrie verwendet werden, sowie Arbeiten mit assoziationsreichen Titeln wie „good enough mother“, „vagina dentata“ und „170 grad 400 grad“, die sich durch eine Formsprache auszeichnen, die am Material entlang gearbeitet ist und darin ihre Dringlichkeit äußert.

  • Medienkunst:

Enar de Dios Rodríguez
Die Medienkünstlerin Enar de Dios Rodríguez erhält die Anerkennung für die künstlerische Komplexität, ästhetische Kohärenz und politische Relevanz, die ihre Arbeit auszeichnet. Die Jury würdigt ihre forschungsbasierte, multidisziplinäre und multimediale Praxis, die unermüdlich die extraktivistische Logik des kapitalistischen Systems untersucht – von Infrastrukturen bis zu Subjektivitäten, von Umwelt bis zu Körpern. Hervorgehoben werden die intellektuelle Strenge und formale Präzision ihrer Arbeit sowie ihre Fähigkeit, komplexe Forschung in eindrucksvolle ästhetische Erfahrungen zu übersetzen.

  • Literatur:

Robert Menasse
„Robert Menasses literarisches Schaffen – ob als Romancier oder als Essayist – durchzieht die Vorstellung des Individuums als Essenz politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse.“ Die Jury verortet seine Literatur zwischen jüdischer Familiengeschichte, der Neubestimmung einer europäischen Identität und den Grenzen des europäischen Verwaltungsapparats. Stets handelt sie vom „Scheitern der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zum allumfassenden Geist“ und davon, „dass in jedem Fortschritt die Gefahr der Rückabwicklung steckt“.

  • Publizistik:

Ingrid Brodnig
In ihren Büchern, Kolumnen und digitalen Publikationsformaten untersucht Ingrid Brodnig die Auswirkungen der Digitalisierung auf Gesellschaft und Demokratie. Die Jury würdigt ihre „Analysen zur Debattenkultur im Netz und auf der Straße, zu Desinformation, Hass im Netz und digitaler Gewalt sowie ihre Aufklärung über die Verrohung des digitalen Diskurses“. Hervorgehoben wird zudem ihre Rolle als empathische und unermüdliche Übersetzerin digitaler und analoger Formate und ihr Einsatz für eine faire digitale Gesellschaft.

  • Musik:

Die Strottern
Seit ihrer Gründung 1996 prägen die Strottern das Wienerlied nachhaltig. Die Jury streicht heraus, dass Klemens Lendl (Geige und Gesang) und David Müller (Gitarre und Gesang) Tradition und Gegenwart auf einzigartige Weise verbinden und dem Genre mit gelassener Selbstverständlichkeit neue Dimensionen an musikalischer Offenheit, Tiefsinn und Zärtlichkeit eröffnen, ohne dessen Humor und Eigenwilligkeit zu verlieren. Mit Einflüssen aus Jazz, Neuer Musik und Improvisation führen sie das Wienerlied in einen zeitgenössischen internationalen Kontext.

  • Geistes-, Sozial-, Kultur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (GSK):

Univ.-Prof.in Dr.in Barbara Prainsack
Barbara Prainsack ist Universitätsprofessorin für Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Wien. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit ihren Arbeiten zu Biomedizin, personalisierter Medizin und Solidarität im Gesundheitswesen. Als besonders bemerkenswert und wichtig erachtet die Jury „die thematische Breite und gesellschaftspolitische Relevanz ihrer aktuellen Forschungen, die sie weit über ihr ursprüngliches Fachgebiet hinausgeführt haben.“ Heute stehen Solidarität im Wohlfahrtsstaat, Ökologie und Klimapolitik sowie die politischen Folgen der Digitalisierung im Zentrum ihrer Arbeit.

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT):

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. mult. Günter Blöschl
Günter Blöschl erhält den Wissenschaftspreis der Stadt Wien für seine international herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Hydrologie. Als Professor an der Technischen Universität Wien hat er „maßgeblich zum Verständnis von Hochwasserprozessen, Niederschlags-Abfluss-Dynamiken und hydrologischen Extremereignissen beigetragen“ – betont die Jury. Seine Forschung liefert zentrale Grundlagen für das Hochwasserrisikomanagement und den nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen im Klimawandel. Internationale Vernetzung, einflussreiche Publikationen und sein Engagement in der Nachwuchsförderung zeichnen sein Wirken aus.

  • Medizinische Wissenschaften:

Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Irene Lang
Irene Lang, Professorin für Gefäßbiologie an der Medizinischen Universität Wien, ist Kardiologin und zählt zu den führenden Expert*innen für Lungengefäßerkrankungen. Nach Studium und Promotion in Wien sowie Forschungsaufenthalten in den USA etablierte sie gemeinsam mit dem Okayama Medical Center in Japan die pulmonale Ballon-Angioplastie. Mit dieser Methode können verschlossene Lungenarterien behandelt und Lebensqualität sowie Lebenserwartung Betroffener verbessert werden. Die Jury würdigt zudem ihr Wirken als Forscherin, Mentorin und internationale Vortragende, mit dem sie die Entwicklung ihres Fachgebiets entscheidend vorantreibt.

  • Volksbildung:

Mag. Hannes Sulzenbacher
Hannes Sulzenbacher bewegt sich seit den 1990er Jahren mit seinen Ausstellungsgestaltungen an der Schnittstelle von Wissensvermittlung und gesellschaftspolitischem Engagement. Als Mitbegründer von QWIEN, Kurator zahlreicher Ausstellungen zur jüdischen Geschichte und seit 2022 Chefkurator des Jüdischen Museums Wien, zeichnet ihn laut Jury aus, „Heiße“ Themen der Zeitgeschichte aufzugreifen, wohl durchdacht und gut nachvollziehbar aufzubereiten (...).“ Mit Ausstellungen wie „Schwarze Juden, Weiße Juden“ setzt er wichtige Impulse für differenzierte gesellschaftliche Debatten.

Förderungspreise der Stadt Wien 2026

  • Architektur:

Studio Bonfim
Studio Bonfim (Katharina Hohenwarter und Michael Hafner) entwickelt eine unverwechselbare Architektursprache mit einem materialorientierten Ansatz, der Nachhaltigkeit, Wiederverwendung und die Geschichte von Materialien in den Mittelpunkt stellt. Die Verbindung von ressourcenschonendem Entwerfen, hoher gestalterischer und poetischer Qualität sowie einer forschungsbasierten Praxis prägt die besondere Haltung.

  • Bildende Kunst:

Mag. Lukas Kaufmann
Ausgehend von der Formensprache der Wiener Moderne untersucht Lukas Kaufmann die Beziehungen zwischen Raum, Objekt und Körper. Seine Arbeiten zeichnen sich durch subtile Variationen architektonischer und gestalterischer Elemente aus, die neue Perspektiven auf Raum, Objekt und soziale Beziehungen eröffnen.

Mag.a Lisa Sifkovits
Lisa Sifkovits setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit gesellschaftlichen Normen, Identität und visuellen Wahrnehmungen auseinander. Durch die Transformation alltäglicher Zeichen kollektiver Identität und den vielseitigen Einsatz von Materialien wie Textil, Holz und Papier schafft sie vielschichtige Objekte und Installationen, die vertraute Bedeutungen und Sehgewohnheiten hinterfragen.

  • Literatur:

Yevgeniy Breyger
Yevgeniy Breyger schreibt eine zeitgenössische, politische Lyrik, die Kriegserfahrung, Identität und gesellschaftliche Realität mit großer formaler Freiheit und persönlicher Dringlichkeit verknüpft.

Sarah Kuratle
In ihren Romanen erschafft Sarah Kuratle ein eigenständiges literarisches Universum zwischen Realität, Traum, Mythos und Märchen. Ihre poetische, rhythmisch präzise Sprache sowie die Kunst der Andeutung erzeugen eine schwebende bis surreale Atmosphäre von besonderer Vorstellungskraft.

  • Musik:

Ralph Mothwurf
Als Komponist, Arrangeur und Gitarrist zählt Ralph Mothwurf zu den prägenden Stimmen der Wiener Musikszene. Seine Musik bewegt sich konsequent an den Schnittstellen unterschiedlicher Genres, aus denen eine unverwechselbare, persönliche Klangsprache entsteht.

Anja Obermayer
Anja Obermayer verbindet kammermusikalische Avantgarde mit Vokalimprovisation und Pop zu einer eigenständigen Klangsprache. Mit ihren Kompositionen und Vokalprojekten überzeugt sie durch künstlerische Tiefe, Ausdrucksstärke und stilistische Vielseitigkeit.

  • Geistes-, Sozial-, Kultur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (GSK):

Mag.a Nora Lehner
Die Historikerin Nora Lehner erforscht bislang wenig beachtete Kapitel der österreichischen Sozialgeschichte und verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit innovativer Geschichtsvermittlung. Mit ihrer Arbeit macht sie komplexe historische Themen einem breiten, insbesondere jungen Publikum zugänglich.

Dr.in Klaudia Wegschaider
Die Politikwissenschaftlerin Klaudia Wegschaider erforscht Wahlrechtsreformen und demokratische Teilhabe im internationalen Vergleich. Ihre mehrfach ausgezeichnete Forschung verbindet theoretische Tiefe mit empirischer Analyse und trägt wesentlich zum Verständnis moderner Demokratien bei.

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT):

Assistant Prof.in Mag.a Dr.in sc. Bernadette Rosati
Bernadette Rosati zählt zu den vielversprechendsten Nachwuchswissenschaftler*innen ihres Fachgebiets. Mit ihrer Forschung zur Aerosol- und Wolkenphysik hat sie das Verständnis von Wolkenbildungsprozessen und der Rolle biogener und anthropogener Aerosole wesentlich erweitert und sich damit als international anerkannte Forscherin etabliert.

Jan Korbel, PhD
Der Physiker Jan Korbel erforscht gesellschaftliche Dynamiken mit Methoden der modernen Physik. Seine Arbeiten zu Polarisierung, kollektivem Verhalten und Informationsverarbeitung verbinden Sozialwissenschaften mit Komplexitätsforschung und leisten wichtige Beiträge zum Verständnis komplexer gesellschaftlicher Systeme.

  • Medizinische Wissenschaften:

Elma Dervic, PhD
Elma Hot Dervic verbindet in ihrer Arbeit Medizin, Datenwissenschaft und Innovation. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und deckt mit ihrer Forschung zu Gesundheitsdaten Krankheitsrisiken und Ungleichheiten im Gesundheitssystem auf. Sie zeichnet sich durch die erfolgreiche Verknüpfung von Wissenschaft, Unternehmer*innentum und Nachwuchsförderung aus.

  • Volksbildung:

Carina Sacher, MSc und Lukas Vejnik, MSc (als Team)
Carina Sacher und Lukas Vejnik befassen sich mit dem städtebaulichen und gesellschaftlichen Potenzial von Architektur. In ihrer Publikation „Zentren geistiger Stadterweiterung“ zeigen sie am Beispiel Wiens, wie kommunaler Wohnbau, Volksbildung und öffentliche Räume zur Förderung von Kultur, Begegnung und sozialem Zusammenhalt beitragen können.

Jurymitglieder

Architektur: Jerome Becker, Susan Kraupp, Elke Rauth, Anna Wickenhauser / Bildende Kunst: Manisha Jothady, Claudia Märzendorfer, Hans Schabus, Nina Schedlmayer, Eva Maria Stadler / Medienkunst: Anne Faucheret, Günther Oberhollenzer, Jeanette Pacher / Literatur und Publizistik: Andrea Fredriksson-Zederbauer, Angelika Reitzer, Peter Zimmermann / Musik: Harald Baumgartner, Astrid Schwarz, Beate Wiesinger, Philip Yaeger / Wissenschaft und Volksbildung: Rainer Bauböck, Ulrike Felt, Gabriella Hauch, Elisabeth Brugger / Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) und Medizinische Wissenschaften (MW): Sabine Seidler, Stefan Thurner, Sophie Zechmeister-Boltenstern, Josef Smolen

Die Preise der Stadt Wien

Die Preise werden von der Bürgermeisterin bzw. dem Bürgermeister der Stadt Wien verliehen. Die Auswahl der Preisträger*innen erfolgt auf Vorschlag unabhängiger Fachbeiräte. Die Preise der Stadt Wien, die seit 1947 in den Fachbereichen Architektur, Bildende Kunst, Medienkunst, Literatur, Musik, Publizistik, Wissenschaften und Volksbildung vergeben werden (der Medienkunstpreis seit 2014), sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Die Förderungspreise werden seit 1951 zusätzlich jedes Jahr verliehen und sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Bisherige Preisträger*innen

Die bisherigen Preisträger*innen der Preise der Stadt sind hier zu finden sowie die bisherigen Preisträger*innen der Förderungspreise der Stadt Wien hier.

Rückfragen & Kontakt

Isabella Cseri
Mediensprecherin Amtsführende Stadträtin Mag.a Veronica Kaup-Hasler
+43 1 4000 81169
[email protected]

Anna Schuster
Stadt Wien Kultur (MA 7)
+43 1 4000-8007
[email protected]

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