• 11.08.2026, 08:58:32
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Privatkonkurs: Zwei Ursachen dominieren

Mehr als die Hälfte aller Privatkonkurse in Österreich ist im Jahr 2025 auf eine „ehemalige Selbständigkeit“ oder „persönliches Verschulden“ zurückzuführen.

KSV1870 Analyse der Privatkonkurs-Ursachen im Jahresvergleich
seit 2019
Wien (OTS) - 

Mit 28,3 Prozent (+1,6 Prozentpunkte gegenüber 2024) war die „ehemalige Selbständigkeit“ 2025 erstmals seit 2019 wieder die häufigste Insolvenzursache bei Privatkonkursen. Knapp dahinter folgt „persönliches Verschulden“ (27,8 %), wobei insbesondere die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit häufig in eine prekäre Lage führt. Das zeigt eine aktuelle KSV1870 Analyse von rund 8.000 Privatkonkursen aus dem Jahr 2025. Trotz leichter Verschiebungen im Vorjahr bleibt im Mehrjahresvergleich seit 2019 „persönliches Verschulden“ (28,5 %) die häufigste Insolvenzursache bei Privatpersonen.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich für viele Privathaushalte in Österreich 2025 kaum verbessert. Das hohe Kostenniveau, die Folgen der Inflation und die hohe Zinsbelastung setzten viele Menschen finanziell unter Druck. Dennoch stieg die Zahl der Privatkonkurse nicht: Österreichweit wurden 8.766 Schuldenregulierungsverfahren (-0,6 % gegenüber 2024) eröffnet. Häufigste Insolvenzursache (Anm.: siehe Tabelle Seite 3) war die „ehemalige Selbständigkeit“ (28,3 %, +1,6 Prozentpunkte) – in Tirol und Salzburg (jeweils 35 %) war dies besonders häufig der Fall. Knapp dahinter folgt „persönliches Verschulden“ (27,8 %, -3,2 Prozentpunkte) – dazu zählen vor allem die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg und ein problematisches Konsumverhalten. „Die finanziellen Folgen einer früheren Selbständigkeit und persönliches Verschulden prägen seit Jahren die Ursachenstatistik. Positiv ist, dass zuletzt einige Betroffene sorgsamer mit ihren Finanzen umgegangen sind, weshalb „persönliches Verschulden“ als Hauptgrund im Vorjahr etwas seltener aufgetreten ist“, erklärt MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz. Darüber hinaus ist die Einkommensreduktion (16 %) unverändert die dritthäufigste Insolvenzursache. Werden nur jene Fälle analysiert, die „echte“ Privatkonsumenten betreffen, also all jene, die nicht auf eine ehemalige Selbständigkeit zurückzuführen sind, war „persönliches Verschulden“ 2025 die häufigste Ursache.

Lebensphase prägt die Insolvenzursache
Wie die aktuelle KSV1870 Analyse zeigt, unterscheiden sich die Hauptgründe für einen Privatkonkurs je nach Altersgruppe. Während im Vorjahr bei den über 60-Jährigen (36,9 %) und den 41- bis 60-Jährigen (30,0 %) die „ehemalige Selbständigkeit“ die häufigste Insolvenzursache war und persönliches Verschulden deutlich dahinter platziert ist, zeigt sich bei den Jüngeren ein entgegengesetztes Bild: Sowohl bei den 25- bis 40-Jährigen (31,8 %) als auch bei den unter 25-Jährigen (35,2 %) war persönliches Verschulden mit Abstand der häufigste Grund für einen Privatkonkurs. „Es ist ein alarmierendes Signal, dass sich viele junge Menschen bereits früh im Leben verschulden und sich damit eine finanzielle Hypothek für ihre Zukunft auferlegen. Das unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, finanzielle Bildung bereits in jungen Jahren zu stärken“, so Götze. Auch deshalb verstärkt der KSV1870 seine Aktivitäten im Bereich der Finanzbildung und begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, das Thema in den Lehrplänen fix zu verankern. Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass eine Einkommensreduktion – insbesondere infolge von Arbeitslosigkeit – bei jüngeren Betroffenen tendenziell etwas häufiger als Hauptursache auftritt als bei älteren Generationen.

Seit 2019: „Persönliches Verschulden“ an erster Stelle
Während es im Jahr 2025 zu leichten Verschiebungen im Ranking gekommen ist, bleibt im Mehrjahresvergleich „persönliches Verschulden“ mit 28,5 Prozent an erster Stelle und ist damit die häufigste Insolvenzursache von Privatpersonen in Österreich seit dem Jahr 2019. „Wie sich gezeigt hat, wird in zahlreichen dieser Fälle über einen längeren Zeitraum hinweg schlecht gewirtschaftet. Doch insbesondere in Zeiten hoher Kosten ist ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen entscheidend. Jede Ausgabe sollte gut überlegt und die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit realistisch eingeschätzt werden, um einer Überschuldung vorzubeugen“, so Götze. Auf den weiteren Plätzen im Mehrjahresvergleich folgen die „ehemalige Selbständigkeit“ (27,6 %) und mit deutlichem Abstand die Einkommensreduktion (17 %). Tendenziell eher wenig Bewegung zeigt sich bei den weiteren Ursachen: Lebenskrisen (12,2 %), persönliche Probleme (8,8 %) und Lasten aus der Familie (6 %) führen auch über die Jahre hinweg bedeutend seltener in einen Privatkonkurs.

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