- 08.08.2026, 14:37:32
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Historische Trockenheit setzt Landwirtschaft massiv unter Druck
Schadensbilanz als Grundlage für weitere Maßnahmen
Die anhaltende extreme Trockenheit stellt die österreichische Landwirtschaft vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Historische Niederschlagsdefizite, massive Ertragsausfälle, fehlendes Futter und gleichzeitig hohe Produktionskosten setzen unsere bäuerlichen Familienbetriebe unter Druck. Besonders stark betroffen ist auch der Osten Österreichs. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Abgeordneter zum Nationalrat Georg Strasser machten sich am Samstag im Bezirk Lilienfeld auf dem Grünlandbetrieb der Familie Buchner ein Bild von der aktuellen Lage.
„Außergewöhnliche Situationen erfordern gezielte Maßnahmen. Deshalb braucht es jetzt ein Entlastungspaket für unsere bäuerlichen Familien“, so Totschnig und Pernkopf.
Die erste Säule der Unterstützung bildet in Österreich das bewährte System der Risikoversicherung. Für schwer betroffene Betriebe wird es jedoch noch weitere Maßnahmen benötigen. Erste Entlastungen sind bereits in Kraft getreten, etwa Erleichterungen beim Agrarumweltprogramm ÖPUL und der Ausgleichszulage für Betriebe in Berggebieten und anderen benachteiligten Gebieten.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: „Die Auswirkungen des Klimawandels treffen unsere bäuerlichen Familienbetriebe mit voller Wucht. Für mich ist klar, dass wir unsere Bäuerinnen und Bauern in dieser Situation nicht im Stich lassen. Gerade jetzt müssen wir unsere Bäuerinnen und Bauern unterstützen und dafür sorgen, dass die betroffenen Betriebe diese schwierige Phase bewältigen können. Deshalb arbeiten wir mit den Bundesländern an weiteren Maßnahmen, wie begünstigte Betriebsmittelkredite für die betroffenen Betriebe.“
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf: „Außergewöhnliche Situationen benötigen außergewöhnliche Maßnahmen. In einem ersten Schritt muss es eine Unterstützung bei Betriebsmittelkrediten geben, in weiterer Folge braucht es die Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge um unsere Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen. Damit entlasten wir die Betriebe und sichern die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln. Diese Dürrekatastrophe ist mit den Ereignissen der vergangenen Jahre nicht zu vergleichen und betrifft neben allen Bereichen der Landwirtschaft auch die nachgelagerten Wirtschaftszweige. Wasser ist Lebensgrundlage Nummer Eins, deshalb bin ich mit Bundeskanzler und dem Landwirtschaftsminister im engen Austausch.“
Georg Strasser Abg. z. Nationalrat: „Trotz der jahrelangen Anstrengungen der österreichischen Landwirtschaft in den Bereichen Klimawandelanpassung und Klimaschutz bringt uns das Jahr 2026 an die Grenzen. Das betrifft alle Bäuerinnen und Bauern in ganz Österreich und deshalb braucht es jetzt rasche und unbürokratische Entlastungsmaßnahmen.“
„So ein Ausmaß an Dürre haben wir noch nicht erlebt“
Wie dramatisch die Situation ist, zeigt sich am Hof von Rudolf Buchner in Traisen im Bezirk Lilienfeld. Der Milchviehbetrieb hält rund 70 Milchkühe. Bereits beim ersten Grünschnitt im Frühjahr musste Buchner Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent verkraften. Seit Juni konnte kein weiterer Schnitt eingebracht werden. Die Winterfutterreserven werden bereits jetzt verfüttert.
„Ich bewirtschafte unseren Betrieb seit 35 Jahren. Aber so ein Ausmaß an Dürre und Trockenheit haben wir noch nicht erlebt. Normalerweise wächst das Futter bei uns direkt vor der Haustür. Heuer müssen wir Futter zukaufen und sogar Maisflächen aus der Umgebung erwerben. Dafür kommen zusätzliche Kosten von 40.000 bis 50.000 Euro auf unseren Betrieb zu. Gleichzeitig wissen wir nicht, wie wir mit unseren Futterreserven über den Winter kommen sollen“, schildert Rudolf Buchner, Milchbauer und Obmann der Bezirksbauernkammer Lilienfeld.
Die Situation wird durch die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich verschärft. Ertragsausfälle und niedrige Erzeugerpreise führen zu deutlichen Einnahmenrückgängen, während die Kosten für Betriebsmittel wie Düngemittel und Energie massiv gestiegen sind. Damit treffen auf vielen Betrieben sinkende Einnahmen und steigende Kosten unmittelbar aufeinander.
Ertragseinbußen im Grünland führen zu Notverkäufen
Besonders im Grünland sind die Folgen der klimawandelbedingten Trockenheit deutlich spürbar. Regional fehlen auf den Futterwiesen bis zu 50 Prozent des üblichen Ertrags.
Für zahlreiche viehhaltende Betriebe wird damit die Futterversorgung zunehmend zur Herausforderung. Besonders betroffen sind neben Niederösterreich auch Teile der Steiermark, des Burgenlandes und Oberösterreichs. Auf einzelnen Betrieben reichen die eigenen Futterreserven nicht mehr aus. In besonders schwierigen Fällen müssen Tierbestände reduziert werden und es kommt zu vorgezogenen Schlachtungen.
Auch der Ackerbau leidet massiv unter der Trockenheit. Beim Getreide wird heuer österreichweit mit einer Ernte gerechnet, die im Durchschnitt rund 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt. Gleichzeitig zeichnen sich auch bei Kulturen wie Mais, Kürbis, Soja und Erdäpfeln, die im Herbst zu ernten sind, deutliche Ertragseinbußen ab.
„Ich bin Bundeskanzler Christian Stocker dankbar, dass er sich klar für die Unterstützung unserer Landwirtschaft ausgesprochen hat. Die Bundesregierung hilft. Jetzt geht es darum, auf den betroffenen Betrieben rasch Liquidität zu sichern und sie bei den entstandenen Schäden zu unterstützen“, so Totschnig.
Schadensbilanz als Grundlage für weitere Maßnahmen
Am Montag wird die Österreichische Hagelversicherung eine erste bezifferte Schadensbilanz zu den Auswirkungen von Trockenheit vorlegen. Diese soll eine zentrale Grundlage für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder bilden.
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