• 30.07.2026, 10:00:37
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Städtebund zu Equal Pension Day am 9. August: Fairer Lohn für Frauen, mehr Teilzeitarbeit für Männer und Sicherung der Kinderbetreuung

Pensionsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei 39,4 Prozent

Wien (OTS) - 

Der Equal Pension Day ist jener Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis zum Ende des Jahres bekommen. Dieser Tag fällt heuer österreichweit auf den 9. August. Der Unterschied in den Pensionen beträgt 39,4 Prozent (2025: 39,7 Prozent) und liegt damit zum zweiten Mal unter 40 Prozent. Der Gap bedeutet allerdings 144 Tage weniger Pension für Frauen. Wäre die Pension für Männer und Frauen gleich und kein Gap vorhanden, würde der Tag auf den 31. Dezember fallen. Derzeit liegt die Frauen-Durchschnittspension bei 1.614 Euro brutto, die durchschnittliche Pension der Männer bei 2.664 Euro brutto (Daten: Pensionsversicherungs-Jahresstatistik Dezember 2025, Berechnung: MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien). Der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes hat den Equal Pension Day im Jahr 2015 ins Leben gerufen, damals lag der Gap bei 43,3 Prozent. Das heißt, die Situation verbessert sich nur sehr langsam.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Voraussetzung für faire Pension

Städtebund-Präsident Bürgermeister Michael Ludwig betont, im Jahr 2026 muss es möglich sein, dass sich Frauen und Männer unbezahlte Care-Arbeit gerecht aufteilen. Auch Männer sind aufgefordert, in Karenz zu gehen und später Teilzeit zu arbeiten, damit Frauen nicht automatisch in die Teilzeitfalle geraten und später weniger Pension bekommen. Ludwig sagt dazu: „Ein faires Einkommen ist die beste Basis für eine faire Pension. Zusätzlich verringert ein faires Einkommen die Gefahr von Altersarmut.“

Die Wiener Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch, Mitglied im Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes, sagt: „Das oberste Ziel muss es immer sein, Frauen ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu ermöglichen. Dafür ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit durch faire Löhne und entsprechend faire Pensionen eine Grundvoraussetzung. Lohntransparenz ist dabei ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit. Aber es braucht auch die Männer dazu, die ihre Verantwortung in der unbezahlten Care-Arbeit wahrnehmen. Wir brauchen aktive Väter, die sich in der Kindererziehung maßgeblich positiv einbringen und Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten. Als Stadt müssen wir Frauen Chancen bieten, ihren persönlichen Lebensweg zu gehen und Möglichkeiten ergreifen zu können. Diese persönliche Unabhängigkeit stärkt die Position der Frau nachhaltig und bietet zusätzliche Sicherheit. Deswegen müssen wir mit aller Kraft weiter daran arbeiten, den Gender Pay Gap zu schließen.“

Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger, ehemaliger Karenzvater, betont, dass es Männern und Frauen einfacher gemacht werden muss, Beruf und Familie zu vereinbaren. Laut Weninger müssen sich Männer aktiv darum kümmern, dass sie zu Hause 50 Prozent der unbezahlten Arbeit leisten. Und Weninger weiter: „Wenn sich Männer zu 50 Prozent an Haushalt und Kindererziehung beteiligen, nutzt das nicht nur Frauen, sondern vor allem den Kindern, die ein anderes Rollenverständnis und Familienbild vorgelebt bekommen.“ Und so schaffen wir gute Rahmenbedingen für Frauen, damit sie Tätigkeiten nachgehen können, die fair entlohnt sind und später eine gerechte Pension sichern. „Partnerschaftliches Teilen der Verantwortung ist das Gebot der Stunde“, betont Weninger.

Es gilt daher die Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben für Frauen zu verbessern: So müssen zum Beispiel typische Frauenbranchen finanziell aufgewertet werden – mit dem Ziel gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu bekommen, denn nur so kann die Pensionslücke geschlossen werden. Zudem geht der Städtebund davon aus, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie zeitnah in Österreich umgesetzt wird. Auch wenn die vollständige nationale Umsetzung noch aussteht, können einzelne, hinreichend bestimmte Vorgaben der Richtlinie – insbesondere zu mehr Transparenz im Bewerbungsverfahren und zu Auskunftsrechten bereits jetzt rechtlich relevant sein. Insgesamt soll die Richtlinie dazu beitragen, Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern transparenter zu machen, den Grundsatz gleichen Entgelts wirksamer durchzusetzen und damit den Gender Pay Gap zu verringern.

Städtebund-Ludwig: Finanzielle Mittel für zweites verpflichtendes Kindergartenjahr sicherstellen

Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger verweist ebenso wie Hanel-Torsch auf die Kinderbetreuung: „Eine gut ausgebaute und qualitätsvolle Kinderbetreuung ist Voraussetzung für eine faire Bezahlung.“ Städte und Gemeinden befinden sich aber in einer finanziell anspannten Situation; es werden Einsparungen getätigt und Investitionen verschoben. Das heißt, hier braucht es dringend finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern, um eine gute Kinderbetreuung zu sichern, so Weninger.

Erst am kürzlich stattgefundenen Städtetag in Leoben hat Städtebund-Präsident Bürgermeister Michael Ludwig betont, dass Geld für Kinderbetreuung eine „Investition für die Zukunft unseres Landes“ ist. Das heißt, es braucht laut Städtebund-Präsident Bürgermeister Michael Ludwig beim zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr Klarheit über die Kostenaufteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Dies ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Finanzielle Unabhängigkeit ist bester Gewaltschutz für Frauen

Städtebund-Generalsekretär Thomas Wenigner betont abschließend einen weiteren Aspekt: „Finanzielle Unabhängigkeit ist einer der wirksamsten Schutzfaktoren gegen Gewalt an Frauen. Denn wer über ein eigenes Einkommen verfügt, hat bessere Möglichkeiten, sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Deshalb braucht es neben konsequentem Gewaltschutz – wie gesagt – auch gezielte Maßnahmen zur Stärkung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen – von fairer Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen über leistbare Kinderbetreuung bis hin zu qualifizierten Aus- und Weiterbildungsangeboten.“

Der Equal Pension Day 2026 im Detail

Die Differenz zwischen Männer- und Frauenpensionen hat sich im Vergleich zum Vorjahr in Österreich um zwei Tage nach hinten verschoben. Das zeigt die Berechnung, die von der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23) und des Frauenservice (MA 57) der Stadt Wien für den Österreichischen Städtebund anhand der Pensionsversicherungsjahresstatistik vorgenommen wurde. Laut diesen Daten bekommen Frauen im Durchschnitt um 39,4 Prozent weniger Pension als Männer.

Österreichweit gibt es große regionale Unterschiede

Wien bleibt nach wie vor an der Spitze: Als einziges Bundesland begeht Wien den Equal Pension Day im September - sogar in der zweiten Hälfte des Monats (21.9). 2015 lag der Equal Pension Day hier noch am 21.8. Somit hat sich Wien in elf Jahren um einen Monat verbessert. Kärnten ist – mit großem Abstand zu Wien - wieder zweitbestes Bundesland (11.8.). In Niederösterreich fällt der Equal Pension Day auf den 8.8., dicht gefolgt vom Burgenland (7.8.) und Salzburg (5.8.). Die Steiermark reiht sich mit dem 2.8. ein. Erst im Juli folgen Tirol (25.7.), Oberösterreich (20.7) und Vorarlberg, wobei Vorarlberg das Schlusslicht bildet (14.7.). Hier ist die Frauenpension auch in absoluten Zahlen (1.408 brutto) von allen Bundesländern am niedrigsten.

Bundesländervergleich: Entwicklung des Equal Pension Day seit 2015

Vorarlberg: 3.7.2015 – 14.7.2026

Oberösterreich: 7.7. 2015 - 20.7.2026

Tirol: 19.7.2015 - 25.7.2026

Steiermark: 21.7.2015 – 2.8.2026

Salzburg: 25.7.2015 - 5.8.2026

Burgenland: 15.7.2015: - 7.8.2026

Niederösterreich: 21.7.2015 - 8.8.2026

Österreich: 26.7.2015 - 9.8.2026

Kärnten: 2.8.2015 - 11.8.2026

Wien: 21.8.2015 - 21.9.2026

Durchschnittliche Bruttopensionen von Frauen und Männern in Österreich

Die durchschnittliche Pension für Frauen in Österreich liegt bei 1.614 Euro brutto. Bei Männern liegt die durchschnittliche Pension bei 2.664 Euro brutto. Die Differenz beträgt 1.050 Euro brutto pro Monat.

Auch bei den Pensionen gibt es österreichweit starke regionale Unterschiede. Der „früheste Equal Pension Day in Österreich“ fällt auf Vorarlberg; auch die Pensionen der Frauen sind in absoluten Zahlen – mit 1.408 Euro brutto – die niedrigsten. Gleich danach liegen die Tirolerinnen mit 1.475 Euro brutto. Die höchste Pension bekommen Frauen in der Bundeshauptstadt Wien: 1.834 Euro brutto; danach folgt Niederösterreich mit 1.678 Euro brutto Pension für Frauen. Dahinter reihen sich Burgenland (1.586 Euro brutto), Oberösterreich (1.534Euro brutto), Steiermark (1.527 Euro brutto), Kärnten (1.552 Euro brutto) und Salzburg (1.613 Euro brutto) ein.

Die Tabelle „Durchschnittliche Bruttopensionen in Österreich“ findet sich auch auf der Städtebund-Website unter folgendem Link: https://www.staedtebund.gv.at/equal-pension-day/

Aktionen zum Equal Pension Day in den Städten

Der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes hat den Equal Pension Day im Jahr 2015 ins Leben gerufen, um auf die großen Pensionsunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen. Dazu gibt es in vielen Städten Österreichs von den Frauenbeauftragten und den Frauenbüros Aktionen – wie etwa Infostände mit gemeinsamem Material, um mit Menschen zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen. Das Städtebund-Video wird in Öffis und in diversen Kinos gezeigt und soll mehr Bewusstsein für diese Thematik, auch bei Männern, die derzeit noch viel zu wenig in Karenz und Teilzeit gehen, schaffen.

Hier das Städtebund-Video zum Equal Pension Day 2026:

https://youtu.be/8iwgcproLGE

Über den Österreichischen Städtebund

Der Österreichische Städtebund ist die in der Verfassung verankerte Interessenvertretung und eine starke Stimme für Städte und größere Gemeinden in Österreich. Aktuell sind es 266 Mitgliedsgemeinden. Zwei Drittel der Menschen in Österreich leben in Städten und Stadtregionen. Auch 71 Prozent der Arbeitsplätze befinden sich in Städten. Mehr Informationen unter www.staedtebund.gv.at (Schluss)

Rückfragen & Kontakt

Elisabeth Hirt
Kommunikation Österreichischer Städtebund
Mobil: 0676/8118-89990
E-Mail: [email protected]
Web: www.staedtebund.gv.at

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