- 22.07.2026, 11:57:03
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Freiwilliges Soziales Jahr als Gamechanger im Lebenslauf
Knapp 900 junge Erwachsene beenden mit Juli ihr Freiwilliges Soziales Jahr – und nehmen weit mehr mit als reine Berufserfahrung

Sie haben ältere Menschen begleitet, Kinder getröstet, Menschen mit Behinderungen unterstützt. Sie haben Verantwortung übernommen und erlebt, wie viel ein einzelner Mensch bewirken kann. Mit Ende Juli schließen knapp 900 junge Erwachsene in ganz Österreich ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste ab. Für viele endet damit nicht nur ein Einsatzjahr – sondern der Beginn eines neuen Blicks auf sich selbst und auf die Gesellschaft.
Während Lebensläufe oft an Noten, Abschlüssen und Praktika gemessen werden, vermittelt das Freiwillige Soziale Jahr jene Kompetenzen, die sich nicht in Zeugnissen ausdrücken lassen: Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Konfliktfähigkeit, Teamgeist, Selbstreflexion und Zivilcourage. Genau diese Fähigkeiten sind heute gefragt – in sozialen Berufen ebenso wie in Unternehmen, Hochschulen und unserer liberalen Demokratie.
„In einer Zeit, in der viele junge Menschen das Gefühl haben, die Welt sei von Krisen geprägt, zeigt das Freiwillige Soziale Jahr etwas ganz anderes: Jede und jeder kann etwas bewirken. Wer erlebt, dass das eigene Handeln für andere einen Unterschied macht, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und in unsere Gesellschaft.“
, sagt Elisabeth Marcus, Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste.
Mehr als ein Einsatzjahr
Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr. Neben der praktischen Mitarbeit in sozialen Einrichtungen werden die Teilnehmer*innen pädagogisch begleitet. In Seminaren beschäftigen sie sich mit Themen wie Menschenrechten, Demokratie, Vielfalt, mentaler Gesundheit, Kommunikation, Konfliktlösung und Selbstfürsorge. Sie lernen, Unterschiede auszuhalten und respektvoll miteinander umzugehen – Kompetenzen, die weit über das Einsatzjahr hinauswirken.
Wertvoller Zivilersatzdienst
210 der 900 Absolvent*innen sind junge Männer, deren FSJ als Zivildienst angerechnet wird. „Seit es diese Möglichkeit zum Zivilersatzdienst gibt, hat sich der Männeranteil bei uns deutlich erhöht. Diese Chance auf einen gut begleiteten, sinnvollen Einsatz für die Allgemeinheit soll den jungen Männern nicht genommen werden.“
, sagt die Vorsitzende des Vereins, Veronika Prüller-Jagenteufel, mit Blick auf die aktuelle Wehrdienstdebatte. „Die Mitarbeit von Männern im weiblich dominierten Sozialbereich ist für alle bereichernd.“
Erfahrungen, die kein Zeugnis vermitteln kann
Der Unternehmer, Autor und EU-Jugendbotschafter Ali Mahlodji kennt den Wert solcher Erfahrungen: „Das Freiwillige Soziale Jahr habe ich als eine der wertvollsten Möglichkeiten für junge Menschen kennengelernt, die eigenen Potenziale zu entdecken: Wer ein Jahr lang Verantwortung übernimmt, Menschen begegnet und sich ausprobiert, sammelt Erfahrungen, die kein Schulzeugnis vermitteln kann."
"Rund 50 FSJ-Teilnehmer*innen absolvierten ihr FSJ bei der Caritas Erzdiözese Wien - vom Haus JUCA für junge Erwachsene in Wien bis zur WG für Menschen mit Behinderung in Zellerndorf/NÖ", berichtet Caritasdirektor Klaus Schwertner, der das FSJ als wichtigen Zukunftsmotor sieht: „Das Freiwillige Soziale Jahr ist eine der wirksamsten Brücken zwischen Schule und sozialem Beruf. Wer ein FSJ absolviert, sammelt nicht nur wertvolle Praxiserfahrung, sondern gewinnt Orientierung, Selbstvertrauen und Kompetenzen fürs Leben. Gleichzeitig lernen Sozialeinrichtungen engagierte junge Menschen kennen, die später oft als Mitarbeiter*innen zurückkehren. Das FSJ ist daher nicht nur ein persönliches Bildungsjahr für die jungen Menschen, sondern auch eine Investition in die Zukunft des Sozialbereichs und des sozialen Zusammenhalts unserer Gesellschaft.“
Auch Rudi Bauer, langjähriger Top-Manager und früherer Geschäftsführer von StepStone Österreich sowie heute Managing Director bei WeAreDevelopers, unterstreicht den Wert des Freiwilligen Sozialen Jahres weit über den Sozialbereich hinaus:
„Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist kein Jahr, das man verliert, sondern eines, das einen persönlich wachsen lässt. Wer Verantwortung für andere übernimmt, Empathie entwickelt und über den eigenen Tellerrand hinausblickt, bringt Fähigkeiten mit, die in jedem Unternehmen und für jede Karriere von unschätzbarem Wert sind.“
"Ich bin extrem gewachsen."
Was das konkret bedeutet, beschreiben die Absolvent*innen selbst oft eindrucksvoller als jede Statistik. Eine Teilnehmerin aus einer Kinder-Wohngemeinschaft erzählt: „Ich habe gelernt, Vorurteile abzubauen, Menschen mit mehr Geduld zu begegnen und ich bin an alledem extrem gewachsen.“
Ein junger Mann, der sein FSJ als Zivildienstersatz in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung absolviert hat, sagt: „Die Begleitung durch den Verein und die Seminare waren sehr hilfreich. Egal um welches Thema es ging, ich habe mich gut unterstützt gefühlt.“
Eine Teilnehmerin aus einem Pflege- und Betreuungszentrum bringt ihre Erfahrung mit einem Satz auf den Punkt: „Durch mein FSJ habe ich meinen Traum-Job gefunden.“
Ein Gewinn für alle
Die langjährige Statistik zeigt: Mehr als 70 Prozent der FSJ-Absolvent*innen entscheiden sich nach dem FSJ für eine Ausbildung im Sozial-, Gesundheits- oder Bildungsbereich. Andere schlagen danach andere Wege ein. Was sie verbindet, ist die Erfahrung, die Welt ein wenig besser machen zu können.
Der Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste organisiert seit seiner Gründung 1968 das Freiwillige Soziale Jahr in Österreich und wird von fünf Trägerorganisationen getragen: den Pfadfinder*innen Österreichs, der Katholischen Jungschar, der Katholischen Jugend, Kolping Österreich und der Jesuitenmission. In den vergangenen 58 Jahren hat der österreichweit tätige Verein rund 14.000 junge Erwachsene durch ihren Freiwilligeneinsatz begleitet.
Junge Menschen verlassen das Freiwillige Soziale Jahr nicht nur mit wertvoller Praxiserfahrung. Sie gehen hinaus in die Welt als Menschen, die hinschauen statt wegschauen, Verantwortung übernehmen statt abwarten und Mut machen statt resignieren. Sie werden zu Leuchttürmen für ein gutes Miteinander – im Kleinen wie im Großen.
Mehr Infos zum Freiwilligen Sozialen Jahr
Rückfragen & Kontakt
Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste
MMag. Elisabeth MARCUS, Geschäftsführerin
Telefon: 067687763915
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.fsj.at
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