- 21.07.2026, 10:30:03
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IV-Konjunkturbarometer: Wellblech-Konjunktur bremst Dynamik der Industrie
IV-Konjunkturbarometer bleibt leicht positiv, doch Erholung verliert angesichts geopolitischer Risiken und anhaltender Kostenbelastungen deutlich an Schwung
Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheit präsentiert sich die internationale Konjunktur überwiegend robust. In seinem neuesten Konjunktur-Update rechnet der Internationale Währungsfonds (IMF) mit einer nur leicht auf 3,0% abgeschwächten Expansion des globalen Wachstums. Allerdings fällt die Betroffenheit regional unterschiedlich aus. In China flachte das BIP-Wachstum nach einem recht dynamischen Start mit 5,0% im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 4,3% im zweiten Quartal ab.
In der Europäischen Union hingegen schwächte sich das Wachstum schon im ersten Quartal auf 0,7% ab. Den stärksten BIP-Einbruch verzeichnete Irland, während Deutschland und Italien – nicht zuletzt aufgrund steigender Verteidigungsausgaben – ein leichtes Wachstum von 0,3% zum Vorquartal schafften. Infolge des erneuten Energiepreisschocks und einer anhaltenden Konsumzurückhaltung ist im zweiten Quartal jedoch mit einer weiteren Abschwächung der Dynamik in der Europäischen Union auf unter 0,5% im Vorjahresvergleich zu rechnen.
Anders stellt sich die Situation in den USA dar: Nach einem annualisierten Wachstum von 2,1% im ersten Quartal deuten Now-Casting-Analysen auf eine nur leicht geminderte Wachstumsdynamik hin. Dies ist auf eine Kombination aus enormen hohen Investitionsausgaben im Technologiesektor, der Nettoexportposition bei fossilen Energieträgern und eine nach wie vor stark expansive Fiskalpolitik zurückzuführen.
Die relative konjunkturelle Stabilität wird jedoch mit einem hohen Preis erkauft: Rasch anwachsende Staatsschulden mit steigenden Verschuldungsquoten einerseits und eine inakzeptabel hohe Inflation andererseits. Der Internationale Währungsfonds erwartet eine globale Verbraucherpreisinflation in Höhe von 4,7% im Jahr 2026. Daher werden sich die Finanzierungskosten der wachsenden Staatsschulden tendenziell weiterhin ungünstig entwickeln, was bei den öffentlichen Haushalten längerfristig einen zunehmenden Finanzierungsstress zur Folge haben wird, sofern nicht zeitnah gegengesteuert wird.
Hausgemachte Bremsen verschärfen die Lage
Dabei sind es nicht nur die volatilen geopolitischen Rahmenbedingungen, unter denen die exportorientierte österreichische Industrie leidet, sondern die schwache Erholungsdynamik ist auch auf binnenmarktinterne Faktoren zurückzuführen: höhere Finanzierungskosten bremsen die Investitionstätigkeit, was im Wohnbau besonders augenfällig wird, übermäßige Regulierung belastet die kostenseitige Wettbewerbsfähigkeit, und mangelnde strukturelle Reformbereitschaft bremst die Chancenwahrnehmung hierzulande, nicht zuletzt in der Verteidigungsindustrie.
„Zwei Beispiele zeigen, wo wir Chancen für Investitionen aktuell liegen lassen: Zum einen in der Sicherheitsbranche, wo Europa massiv investiert und österreichische Unternehmen aufgrund rechtlicher Hürden nur bedingt partizipieren können, und zum anderen bei Investitionsanreizen, wie beispielsweise Superabschreibungen. Es braucht in beiden Fällen den politischen Umsetzungswillen. Mit der Industriestrategie gibt es einen gemeinsamen Rahmen – gehen wir den Umsetzungsweg konsequent dynamisch weiter – bei der raschen Ausgestaltung des Scale-up Dachfonds, der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte und dem Abschluss weiterer Investitionsschutz- und Handelsabkommen“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
IV-Konjunkturbarometer fällt auf 4,9 Punkte
„Gesamthaft betrachtet ist die konjunkturelle Lage durch ein hohes Maß an Heterogenität sowohl im Vergleich der Volkswirtschaften als auch der Branchen geprägt. Im Zeitverlauf bietet sich das Bild einer leicht positiv ausgerichteten Wellblechkonjunktur“, fasst IV-Chefökonom Christian Helmenstein die aktuelle Lage zusammen.
Vor diesem Hintergrund fällt das IV-Konjunkturbarometer als Durchschnitt der Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten von +11,5 Punkten auf +4,9 Punkte zurück, vermag sich aber noch oberhalb der Nulllinie und damit geringfügig oberhalb des Stagnationsniveaus zu halten.
Bei der Komponente der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage in der Industrie sinkt der Saldo für den Teilindikator hingegen weiter von +8 Punkten auf +5 Punkte, nachdem schon das Vorquartal schwächer ausgefallen war. Ebenso büßt der Saldo der Geschäftserwartungen ein und bildet sich von +15 Punkten auf nur noch +4 Punkte zurück. Die Unternehmen revidieren mithin ihre mehrheitliche Erwartung, dass das Gros der Belastungen aus dem Krieg am Persischen Golf binnen eines Quartals überwunden werden kann, und stellen sich nunmehr auf eine längere Phase der Angebotsverknappung bei Lieferungen über die Straße von Hormus ein.
Die Ergebnisse im Detail
Zuversichtlich für eine nicht erneut in die Stagnation abgleitende Industriekonjunktur in Österreich stimmt der Indikator der Gesamtauftragsbestände. Der Saldo von +15 Punkten liegt gegenüber dem Vorquartal stabil, ebenso der Saldo bei der Subkomponente der Auslandsaufträge. Hier verharrt der Saldo unverändert bei +13 Punkten. Die Auftragslage sollte in den kommenden Monaten durch die leichte Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines Jahres im Ausmaß von gut 2% und die von der Europäischen Kommission zum Schutz der europäischen Produktion etwa im Stahlbereich ergriffenen Maßnahmen unterstützt werden.
Angesichts des wieder eingetrübten Konjunkturbildes sinken die kurzfristigen Produktionserwartungen in der Industrie abermals, wenngleich nur noch geringfügig, auf einen saisonbereinigten Saldo von lediglich noch +2 Punkten nachdem sie ein halbes Jahr zuvor noch bei +11 Punkten angesiedelt waren.
Dementsprechend bleibt die Beschäftigungssituation in der Industrie herausfordernd. Der Saldo der Beschäftigungsaussichten zeigt erneut nach unten und fällt von -15 Punkten auf -20 Punkte und bleibt damit weiterhin in rotem Terrain. Der Stellenabbau in der Industrie hält an und reflektiert die exorbitant hohen Lohnstückkostendynamiken der letzten Jahre. Die Einstellungsneigung der Unternehmen hat sich zu diesem Termin nochmals verringert – nur noch jedes zwölfte Unternehmen hat die Absicht, seinen Beschäftigtenstand auszuweiten, während mehr als jedes vierte Unternehmen angibt, Beschäftigte abbauen zu müssen.
Die kriegsbedingt erneut aufgeflammte Kostendynamik zwingt die Unternehmen zu einer Erhöhung ihrer Verkaufspreise, wenngleich sich der Saldo aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität, die nur einer Minderheit der Unternehmen eine Kostenüberwälzung erlaubt, leicht von +10 Punkten auf nunmehr +7 Punkte verringert.
Die Vielzahl an konjunkturellen und strukturellen Belastungen schlägt sich in der aktuellen Ertragslage der Unternehmen nieder. Der Saldo stellt sich auf -11 Punkte. Er nähert sich damit wieder der Nulllinie von unten her an, doch übersteigt der Anteil der Unternehmen, die sich in einer schwierigen Ertragssituation befinden, den Anteil jener mit einer günstigen Ertragssituation um 65%.
Trotz der zusätzlichen Unsicherheiten und Belastungen in Bezug auf den weiteren Geschäftsverlauf stabilisieren sich die Ertragserwartungen auf Sicht von sechs Monaten bei einem Saldo von +3 Punkten nach zuvor +1 Punkt auf sehr niedrigem Niveau. Dieses Ergebnis ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Unternehmen mit positiver Ertragserwartung zugenommen hätte – das Gegenteil ist der Fall –, sondern dass der Anteil der Unternehmen, die eine noch weitere Verschlechterung ihrer Ertragslage im nächsten Semester erwarten, von 17% auf 13% zurückgegangen ist.
Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 388 Unternehmen mit rund 277.500 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.
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Industriellenvereinigung
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