- 17.07.2026, 14:54:32
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Zehetner zu Electrification Action Plan: Elektrifizierung braucht günstigen Strom und digitale Netze
Österreich bei Smart Metern und Flexibilität bereits deutlich weiter – Energie-Staatssekretärin für stärkeren Fokus auf Strompreisbildung, Wasserstoff und industrielle Umsetzung
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sieht den Elektrifizierungsaktionsplan der Europäischen Kommission in einer ersten Bewertung grundsätzlich als wichtigen Schritt. Die Kommission will mit dem Plan die seit Jahren stagnierende Elektrifizierungsrate in Europa erhöhen und nennt für 2040 ein indikatives Ziel von 46 Prozent des Endenergieverbrauchs. „Entscheidend ist am Ende aber, ob Europa auch die richtigen Werkzeuge bereitstellt. Elektrifizierung ist nicht nur Klimapolitik, sondern vor allem eine Frage von Standort, Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit. Mehr Elektrifizierung gelingt nur mit wettbewerbsfähigen Strompreisen, digitalen Netzen, Speichern, Flexibilität und einer klaren industriellen Perspektive“, so Zehetner.
Österreich bei Smart Metern deutlich weiter
Kritisch sieht Zehetner insbesondere die aus ihrer Sicht zu geringe Ambition bei der Smart-Meter-Ausrollung. Der Plan sieht eine Mindestabdeckung von 50 Prozent bis 2030 und 75 Prozent bis 2033 vor. Österreich liegt bereits heute bei rund 98 Prozent. „Wenn Europa bis 2033 nur 75 Prozent Smart-Meter-Abdeckung anpeilt, ist das zu wenig ambitioniert. Österreich liegt bereits heute bei rund 98 Prozent. Wer rasch ein modernes, digitales Stromsystem aufbauen will, darf die Messlatte nicht so niedrig legen. Smart Meter sind die Voraussetzung für Flexibilisierung“, so Zehetner.
Österreich setzt zentrale Punkte bereits um
Viele der von der Kommission genannten Maßnahmen würden in Österreich bereits umgesetzt oder weiterentwickelt. Zehetner verweist dabei auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz sowie die Reformpartnerschaft Energie. „Viele Punkte, die die Kommission jetzt anspricht, setzen wir in Österreich bereits um. Mit dem ElWG haben wir die Grundlage für schnellere und transparentere Netzanschlüsse, flexible Entgelte, eine kostengerechte Behandlung von Speichern, PPAs, langfristige Stromlieferverträge und bessere Dateninteroperabilität geschaffen. Mit der Reformpartnerschaft Energie gehen wir bei Netzkosten, Netzplanung und Flexibilität noch einen Schritt weiter. Österreich wartet hier nicht auf Europa, sondern liefert bereits“, so Zehetner.
Strompreise dürfen nicht zum Bremsklotz werden
Lücken sieht Zehetner vor allem bei der Frage der Strompreisbildung. Wenn Europa mehr Elektrifizierung wolle, müsse der Strompreis auch tatsächlich wettbewerbsfähig sein. Dabei müssen alle Komponenten betrachtet werden: Energiekosten, Netzkosten und Steuern. „Was im Plan zu kurz kommt, ist die Frage, warum Strom oft teurer ist, als er sein müsste. Wenn Europa Elektrifizierung ernst meint, muss es auch über das Zusammenspiel von Merit Order, ETS-Kosten und der Preisbildung am Strommarkt sprechen. Es reicht nicht, mehr Stromanwendungen zu wollen, wenn der Strompreis selbst ein Hemmschuh bleibt. Österreich hat diese Debatte bereits angestoßen. Jetzt braucht es auch auf europäischer Ebene konkrete Schritte“, sagt Zehetner.
Elektrifizierung und Wasserstoff zusammendenken
Auch die Verknüpfung mit Wasserstoff und erneuerbaren Gasen müsse noch stärker berücksichtigt werden, insbesondere mit Blick auf die Industrie. „Elektrifizierung ist zentral, aber sie ist nicht die einzige Antwort. Gerade in der Industrie brauchen wir zusätzlich erneuerbare Gase und Wasserstoff dort, wo direkte Elektrifizierung technisch oder wirtschaftlich an Grenzen stößt. Ein bloßes Update der europäischen Wasserstoffstrategie greift hier zu kurz. Ein europäischer Elektrifizierungsplan muss stärker mit einer Industriestrategie zusammengedacht werden“, so Zehetner.
Braucht österreichische Umsetzungskraft für ganz Europa
Abschließend betont Zehetner, Österreich werde sich konstruktiv in die weiteren europäischen Beratungen einbringen. „Europa braucht für Elektrifizierung günstigen Strom, digitale Netze, Speicher und Flexibilität. Und dort, wo Strom nicht direkt reicht, braucht es Wasserstoff und erneuerbare Gase. Österreich ist bei vielen dieser Themen schon weiter als der europäische Mindestanspruch. Genau diese Umsetzungskraft braucht es jetzt auch in Europa“, so Zehetner.
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