- 09.07.2026, 11:57:03
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IV zu EIS 2026: Gutes Mittelmaß darf nicht Österreichs Anspruch sein
European Innovation Scoreboard 2026 zeigt Aufholbedarf – Wohlstand von morgen erarbeiten – jetzt Innovationsökosysteme aufbauen und Technologieführer von morgen mobilisieren
„Österreich zählt weiterhin zu den innovationsstarken Standorten Europas. Das European Innovation Scoreboard 2026 zeigt aber auch deutlich: Der Abstand zur europäischen Spitze droht zum Dauerzustand zu werden. Wir stecken mit Platz 8 im Mittelfeld fest. Wer aber Innovation Leader werden will, muss dynamischer sein als die Konkurrenz und an Geschwindigkeit zulegen“, betont Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), anlässlich der Veröffentlichung des European Innovation Scoreboards (EIS) 2026.
Österreich weiterhin im oberen Mittelfeld, Geschwindigkeit und Dynamik fehlen
An der Spitze des europäischen Innovationsrankings liegen erneut Schweden, Dänemark und die Niederlande. Österreich belegt auch im diesjährigen Ranking Rang 8 der EU-Mitgliedsstaaten. Seine Stärken sind bekannt und werden auch heuer wieder beim intellektuellen Kapital, den F&E-Kooperationen und -ausgaben ausgewiesen, während Schwächen beispielsweise in unzureichend umgesetzter Digitalisierung und der mangelnden Verfügbarkeit von Venture Capital liegen. Österreich zählt damit seit Jahren zu den Strong Innovators, für den Sprung in die Spitzenliga fehlte aber die notwendige Dynamik. Dass aber selbst das Halten einer starken Position kein Selbstläufer ist, zeigt Finnland, das erstmals nicht mehr zur Gruppe der Innovation Leader zählt. „Es ist ein bisschen wie im Fußball: Wer an die Spitze will, darf nicht nur auf Ergebnisverwaltung spielen. Champions entstehen durch Geschwindigkeit und Angriff, nicht in der Defensive“, so Neumayer.
Wettbewerb endet nicht an den EU-Grenzen
Dabei verschärft sich der Wettbewerb auch weit über die Grenzen der Europäischen Union hinaus. Die Schweiz bleibt der innovativste Standort Europas. Global führt Südkorea das Ranking der wichtigsten Mitbewerber an und hat erst jüngst seine Pläne für den Ausbau des Halbleitersektors kommuniziert. Gleichzeitig setzt China seinen dynamischen Aufstieg fort und hat erstmals Kanada überholt.
„Für Österreichs Industrie endet der Wettbewerb nicht an den EU-Grenzen. Unsere Unternehmen messen sich täglich mit den besten Standorten der Welt. Unsere Konkurrenz sitzt nicht nur in Stockholm oder Kopenhagen, sondern ebenso in Seoul, Shanghai oder im Silicon Valley“, so der IV-Generalsekretär. „Wohlstand, Demokratie und persönliche Freiheit sind auch in Europa kein Naturgesetz. Sie beruhen auf Wettbewerbsfähigkeit, technologischer Stärke und Innovationskraft. Wer morgen souverän sein will, muss heute in Forschung, Technologie und Innovation investieren“, sagt Neumayer.
Mit Innovationsökosystemen die Weichen für die Topliga stellen
Österreich verfügt über innovative Industrieunternehmen, starke industrielle Wertschöpfungsketten und hervorragende Forschungsinstitutionen. Entscheidend ist nun, diese Stärken konsequent in neue Technologien, marktfähige Innovationen sowie mehr Dynamik und Wachstum zu übersetzen. „Wir begrüßen die Industriestrategie 2035, in deren Zentrum die Forcierung von Forschung, Technologie und Innovation und die Stärkung von Schlüsseltechnologien stehen. Die Industriestrategie ist noch zu jung, um sich schon jetzt im EIS niederzuschlagen. Aber je zügiger wir sie umsetzen, desto schneller werden wir die Wirkung in internationalen Rankings sehen“, sagt Neumayer. Neben dem Fokus auf Schlüsseltechnologien, müssen künftig auch themenoffene Zugänge gestärkt werden, wofür die Basisprogramme ganz besonders entscheidend sind.
„Gelingt es uns, unsere Hochschulen weiter zu profilieren und mit Forschungsexzellenz international sichtbar und durch konsequenten Wissenstransfer noch stärker zu strategischen Partnern in Schlüsseltechnologien für Technologieunternehmen weiterzuentwickeln, dann könnte sich daraus ein dynamisches Schwungrad ergeben. Ein Setting, das in Österreich Innovationsökosysteme von Weltrang entstehen lässt“, so der IV-Generalsekretär, der auf die große Erwartungshaltung der Industrie bei der Hochschulstrategie 2040 und den bereits angekündigten „Wissenschaftsregionen“ verwies.
Österreich ist gefordert, künftig aber auch mehr neue Technologieführer hervorzubringen. Aktuell zeigt der Standort aber noch deutliche Schwächen bei privatem Wachstumskapital, wie auch das diesjährige Innovations-Scoreboard neuerlich unterstreicht. „Wir freuen uns natürlich über die positiven Signale der letzten Wochen. Jedoch müssen wir die Entwicklung des Venture Capital Markts verstetigen – es darf nicht bei Einmalerfolgen bleiben. Daher müssen wir die rasche operative Umsetzung des angekündigten „Startup & Scale-up Dachfonds“ forcieren, damit unsere heimischen Deep Tech Unternehmen ein Finanzierungsumfeld nach internationalen Standards vorfinden“, betont Neumayer die große Dringlichkeit bei der Stärkung des Risikokapitalmarkts.
Auch auf europäischer Ebene müssten jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Dazu gehören ambitionierte Budgets für den EU-Fonds für Wettbewerbsfähigkeit (ECF) und das nächste Forschungsrahmenprogramm (Horizon Europe) inklusive einer deutlichen Stärkung der kollaborativen Forschung der zweiten Säule. Und nicht zuletzt muss der Fonds Zukunft Österreich (FZÖ) entsprechend dotiert werden, um seine Rolle als Ermöglicher systemischer Initiativen und von Ko-Finanzierung Europäischer Programme erfüllen zu können.
„Innovation und Fußball haben einiges gemeinsam: Teamgeist, Leidenschaft und den Willen zu gewinnen. Der Unterschied ist unser Anspruch. Im Fußball würden wir uns schon über einen Platz im oberen Mittelfeld freuen. Beim Innovationsstandort Österreich darf das nicht reichen. Unser Ziel muss ein internationaler Spitzenplatz sein. Denn nur Innovation sichert den Wohlstand von morgen“, schließt Neumayer.
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