- 09.07.2026, 08:30:34
- /
- OTS0017
Nicht öffentlich gegen privat – sondern gemeinsam für eine faire und nachhaltige Gesundheitsversorgung
Beim Gesundheitspolitischen Forum diskutierten führende Expert:innen, wie Österreich Solidarität, Innovation und Versorgungssicherheit langfristig sichern kann.

Über die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems entscheidet nicht die Trägerschaft einzelner Leistungen, sondern das kluge Zusammenspiel aller Bereiche. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch das Gesundheitspolitische Forum „Privat. Öffentlich. Fair.“, das am 1. Juli 2026 im Dachsaal der Wiener Urania stattfand. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen eines Systems unter Druck: von steigenden Kosten und Personalmangel bis zu den Erwartungen der Patient:innen. Einigkeit herrschte darüber, dass Solidarität, Innovation und Versorgungssicherheit nur durch das intelligente Zusammenwirken öffentlicher, privater und gemeinnütziger Akteur:innen langfristig gesichert werden können.
Der richtige Mix braucht klare Regeln
Den internationalen Rahmen setzte Matthias Wismar, Programme Manager beim European Observatory on Health Systems and Policies. Aus seiner Sicht greift das Entweder-oder zu kurz: Internationale Erfahrungen zeigen, dass nahezu alle Gesundheitssysteme auf Mischformen beruhen. Entscheidend sei daher weniger, wer Leistungen erbringt, sondern unter welchen Regeln dies geschieht. „Die Frage lautet nicht öffentlich oder privat! Entscheidend ist, welche Regeln sicherstellen, dass beide zum Wohl der Patientinnen und Patienten zusammenarbeiten
“, so Wismar. Private Anbieter könnten Innovation und zusätzliche Kapazitäten schaffen; zugleich brauche es klare regulatorische Leitplanken gegen Risikoselektion, Marktkonzentration und eine Zwei-Klassen-Versorgung.
Mit der österreichischen Perspektive knüpfte Stefan Eichwalder, Leiter der Gruppe Gesundheitssystem im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, unmittelbar daran an. Trotz nahezu flächendeckender gesetzlicher Krankenversicherung stehe Österreich vor großen Herausforderungen: Steigende private Gesundheitsausgaben und stagnierende Kassenarztstellen führten immer häufiger zum sogenannten „Pay or Wait“-Dilemma – der Entscheidung zwischen Warten oder Bezahlen. „Die Gesundheitsversorgung darf kein Armutsrisiko werden“
, brachte Eichwalder die Herausforderung auf den Punkt und sprach sich für faktenbasierte Entscheidungen und eine langfristige Absicherung des Systems aus.
Solidarität muss im Alltag spürbar bleiben
Dass Solidarität weit mehr bedeutet als die Finanzierung des Systems, machte Agnes Streissler-Führer, Vorsitzende des ÖGK-Landesstellenausschusses Wien, deutlich. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem brauche Vielfalt, getragen von gemeinsamer Verantwortung. Zugleich müsse die Sozialversicherung weiter an ihrer Effizienz arbeiten und der Prävention einen höheren Stellenwert einräumen. Der Zugang zur Versorgung müsse sich auch künftig am medizinischen Bedarf orientieren und nicht an den finanziellen Möglichkeiten der Menschen. „Im österreichischen Gesundheitssystem sollte die e-Card zählen, nicht die Kreditkarte“
, sagte Streissler-Führer.
Diesen Gedanken griff Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich, auf und lenkte den Blick auf jene Menschen, die besonders auf ein funktionierendes solidarisches System angewiesen sind. Viele wechselten heute früher in stationäre Einrichtungen, weil sie sich die Betreuung zu Hause schlicht nicht mehr leisten können oder es zu wenig Angebote im extramuralen Bereich oder für die Betreuung zu Hause gibt. „Gesundheit endet nicht an der Krankenhaus-Tür – Langzeitpflege muss viel stärker mitgedacht werden“
, betonte Parr. Angebote aus dem Gesundheitsbereich und der Langzeitpflege müssten daher enger verzahnt werden. Gerade angesichts des demografischen Wandels brauche es mehr Augenmerk auf Prävention, leistbare Pflegeangebote und attraktive Arbeitsbedingungen für Pflegeberufe.
Zusammenarbeit als Schlüssel für die Versorgung von morgen
Wie das Zusammenwirken der verschiedenen Versorgungsbereiche gelingen kann, zeigte Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbundes, auf. Entscheidend sei nicht die Trägerschaft, sondern dass Patient:innen am richtigen Ort mit der besten verfügbaren Expertise behandelt werden. „Unsere Kliniken sichern Tag für Tag die medizinische und pflegerische Versorgung aller Wiener:innen, ganz unabhängig vom Einkommen. Dafür braucht es auch in Zukunft starke Partnerschaften und ein Gesundheitssystem, das die Stärken aller Akteur:innen nutzt“
, sagte Kölldorfer-Leitgeb. Sie betonte: Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung verbinde hohe Qualität, professionelle Ausbildung und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Auch Sonja Wehsely, Leiterin der Region EMEA bei Siemens Healthineers, warb dafür, den Blick stärker auf erfolgreiche internationale Beispiele zu richten. „Wenn wir unser Gesundheitssystem zukunftsfit machen wollen, brauchen wir den europäischen Wettbewerb der besten Ideen und den Blick über die eigenen Landesgrenzen. Eines steht aber außer Frage: Wir alle tragen Verantwortung für ein solidarisches und finanzierbares Gesundheitssystem. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, wir als Partner der industriellen Gesundheitswirtschaft helfen, Versorgung schneller, wirksamer und für alle zugänglich zu machen“
, sagte Wehsely. Digitalisierung, integrierte Versorgung und Telemedizin seien dabei wesentliche Bausteine eines zukunftsfähigen Systems. Patient:innen dürften an den Schnittstellen des Gesundheitssystems nicht verloren gehen, sondern müssten entlang ihres Versorgungspfads begleitet werden. Digitalisierung sei ein wichtiges Instrument, um die Versorgung besser zu vernetzen und Qualität langfristig zu sichern.
Mehr Prävention, bessere Steuerung, mehr Miteinander
Über alle Beiträge hinweg wurde deutlich: Die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems liegt nicht im Lagerdenken, sondern im Verbinden der jeweiligen Stärken – so, dass Patient:innen bestmöglich versorgt werden. Dafür braucht es klare Regeln, transparente Qualität, mehr Prävention, bessere Daten und eine engere Zusammenarbeit entlang der gesamten Versorgungskette. Solidarität bleibt das Fundament des österreichischen Gesundheitssystems – ergänzt durch klare Regeln, Innovation und eine konsequent an den Bedürfnissen der Patient:innen ausgerichtete Versorgung.
Weitere Bilder in der APA-Fotogalerie
Rückfragen & Kontakt
FINE FACTS Health Communications GmbH
Isabella Huber
PR & Projektmanagement
M: +43 660 254 00 80
[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | Y16







