- 07.07.2026, 10:58:32
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Schmuckenschlager/Mayr/Wagner: Ohne lebensfähige Bauernhöfe keine Versorgungssicherheit
LK NÖ fordert langfristige Lösungen für die Wasserversorgung, gleiche Standards für Importware und Maßnahmen gegen den Tierärztemangel im ländlichen Raum
Bei der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich am 6. Juli standen die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit, die langfristige Absicherung der Wasserversorgung, faire Wettbewerbsbedingungen bei Agrarimporten sowie die Sicherstellung der tierärztlichen Versorgung im ländlichen Raum im Fokus. „Ohne lebensfähige Bauernhöfe gibt es keine Versorgungssicherheit. Damit wir Bäuerinnen und Bauern auch morgen hochwertige Lebensmittel produzieren können, brauchen wir faire Rahmenbedingungen und eine wirtschaftliche Perspektive“, waren sich Kammerpräsident Johannes Schmuckenschlager sowie die Vizepräsidenten Andrea Wagner und Lorenz Mayr einig.
„Die Landwirtschaft steht derzeit vor enormen Herausforderungen. Deshalb müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, um die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln langfristig abzusichern, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die notwendigen Zukunftsinvestitionen konsequent voranzutreiben“, betonte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich Johannes Schmuckenschlager.
„Gerade zur Erntezeit stehen unsere heimischen Bäuerinnen und Bauern vor enormen Herausforderungen. Die anhaltende Trockenheit setzt den Betrieben massiv zu. Umso wichtiger ist es, dass auf die Wertschätzung für ihre Arbeit auch die entsprechende Wertschöpfung folgt. Sie leisten an 365 Tagen im Jahr einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit und verdienen dafür nicht weniger, sondern mehr Unterstützung“, hielt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf fest.
Wasser wird zur zentralen Zukunftsfrage
Die seit Wochen anhaltende Trockenheit und die zusätzliche Hitzeperiode haben in weiten Teilen Niederösterreichs erhebliche Ertragsausfälle zur Folge. Betroffen sind sowohl der Marktfruchtbau als auch die Grünlandwirtschaft und damit die Eigenfutterversorgung vieler tierhaltender Betriebe. „Die Betroffenheit auf den Betrieben ist enorm. Die Kombination aus Trockenheit, Hitze und steigenden Produktionskosten bringt uns Bäuerinnen und Bauern an unsere Grenzen“, erklärte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.
Das zeigt deutlich, dass die Sicherung der Wasserversorgung mittlerweile einer der zentralen Zukunftsfragen für die heimische Landwirtschaft ist. Wasser ist eine entscheidende Ressource für die Lebensmittelproduktion. Es braucht heute daher mehr denn je langfristige und tragfähige Lösungen. Positiv bewertet die Landwirtschaftskammer Niederösterreich demzufolge den in dieser Woche vorgelegten Vorhabensbericht für das UVP-Verfahren des Projekts Donau-Pannonia-Wasserversorgung, so Schmuckenschlager: „Wir brauchen langfristige Lösungen für die Wasserversorgung – von regionalen Speicherprojekten bis hin zu großen Infrastrukturvorhaben. Wasser dort zu halten und verfügbar zu machen, wo es gebraucht wird, ist eine der aktuell wichtigsten Aufgaben.“
1 Cent pro Semmel ist zu wenig
Die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe bleibt trotz hoher Anforderungen angespannt. Während die Produktionskosten steigen, kommt bei den bäuerlichen Familienbetrieben oft nur ein geringer Teil des Verkaufspreises an. Vor diesem Hintergrund verwies Mayr auf den tatsächlichen Wert heimischer Lebensmittel: „Am Beispiel einer Semmel zeigt sich die Situation besonders deutlich: Vom Verkaufspreis einer Semmel bleibt für uns Bäuerinnen und Bauern derzeit nur 1 Cent übrig. Für eine nachhaltige Absicherung der heimischen Lebensmittelproduktion bräuchte es aber zumindest 2 Cent.“ Der Anteil der Landwirtschaft am Endprodukt ist also sehr gering – der Großteil entfällt auf Verarbeitung, Energie, Personal, Transport und Handel. „Niemand muss sich Sorgen um die Versorgung machen. Aber wenn wir auch künftig hochwertige Lebensmittel aus heimischer Produktion haben wollen, muss sich das auch in fairen Erzeugerpreisen niederschlagen“, erklärte Mayr.
Kein Wettbewerb mit zweierlei Maß
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bekräftigte weiters ihre Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen bei Agrarimporten. Österreichs Bäuerinnen und Bauern produzieren nach höchsten Umwelt-, Tierwohl- und Qualitätsstandards weltweit und tragen die daraus entstehenden Mehrkosten. Gleichzeitig gelangen Lebensmittel auf den Markt, die unter Produktionsbedingungen erzeugt wurden, die in Österreich verboten sind. „Die Konsumentinnen und Konsumenten verlassen sich auf geprüfte Qualität und hohe Standards. Es kann nicht sein, dass Lebensmittel importiert werden, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die in Österreich aus gutem Grund unzulässig sind. Es darf keinen Wettbewerb mit zweierlei Maß geben. Wer höchste Standards von uns Bäuerinnen und Bauern verlangt, muss dafür sorgen, dass diese auch für Importware gelten“, betonte Schmuckenschlager.
Neben einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung fordert die Landwirtschaftskammer Niederösterreich daher einen konsequenten Importstopp für Lebensmittel, die unter Bedingungen produziert wurden, die in Österreich verboten sind. Das Beispiel Frankreich zeigt, dass nationale und europäische Maßnahmen zum Schutz von Konsumentinnen und Konsumenten sowie der heimischen Landwirtschaft rechtlich möglich und politisch durchsetzbar sind. Österreich und die EU dürfen ihre Handlungsspielräume für Importbeschränkungen nicht ungenutzt lassen.
Tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum absichern
„Große Sorge bereitet uns die zunehmend angespannte tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum“, erklärte Andrea Wagner, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Der Mangel an Großtierärztinnen und Großtierärzten gefährdet zunehmend die flächendeckende Betreuung landwirtschaftlicher Betriebe sowie die Sicherstellung von Tiergesundheit, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit. Insbesondere strukturelle Ursachen wie Pensionierungen, fehlender Nachwuchs sowie die geringe Attraktivität der Nutztierpraxis führen zu einer Unterversorgung. Dadurch gerät die flächendeckende tierärztliche Betreuung landwirtschaftlicher Betriebe immer stärker unter Druck. „Die tierärztliche Versorgung unserer Nutztiere ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Landwirtschaft. Wir brauchen daher rasch wirksame Maßnahmen, um die Versorgung insbesondere im ländlichen Raum langfristig sicherzustellen“, stellt Wagner klar.
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich spricht sich daher für einen verbesserten Zugang zum veterinärmedizinischen Studium für angehende Nutztierärztinnen und Nutztierärzte aus und setzt sich für die gezielte Förderung für Niederlassungen in unterversorgten Regionen sowie den Ausbau moderner Gemeinschaftspraxen ein, um die Attraktivität des Berufsfeldes nachhaltig zu stärken. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und der Tierärztekammer arbeitet die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bereits an konkreten Lösungsansätzen, um die tierärztliche Versorgung langfristig sicherzustellen.
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DI Christina Spangl
Pressesprecherin Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Telefon: 05 0259 28101
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