- 24.06.2026, 19:00:33
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Markus Aspelmeyer erhält den FWF-Wittgenstein-Preis 2026
Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF zeichnet 18 Forschende mit FWF-ASTRA-Preisen aus

Die Austrian Science Awards, Österreichs höchstdotierte Wissenschaftspreise, sind vergeben: Der Wissenschaftsfonds FWF zeichnet auf Empfehlung einer internationalen Fachjury den Quantenphysiker Markus Aspelmeyer, der an der Universität Wien und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig ist, mit einem FWF-Wittgenstein-Preis im Umfang von 2 Millionen Euro aus. 18 Forschende, darunter 11 Frauen, erhalten die mit bis zu einer Million Euro dotierten FWF-ASTRA-Preise. Insgesamt bringt der FWF durch das Wittgenstein- und das ASTRA-Programm Forschungsvorhaben mit einem Volumen von rund 24 Millionen Euro ins Rollen.
„Der FWF-Wittgenstein-Preis ist eine tolle Anerkennung der gemeinsamen Leistungen unseres gesamten Teams – und eine ebenso große Motivation für die Zukunft. Die Förderung gibt uns die Möglichkeit, unsere Experimente an der Universität Wien und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften langfristig mit voller Energie weiterzuführen und die großen offenen Fragen an der Schnittstelle von Quantenphysik und Gravitation mit voller Kraft anzugehen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Jahre“, so Markus Aspelmeyer.
„Herzlichen Glückwunsch an Markus Aspelmeyer und sein Team! Als einer der weltweit führenden Quantenforscher widmet er sich in seinen Experimenten einer der noch ungelösten Fragen der modernen Physik. Seine Erkenntnisse haben das Potenzial, unser Verständnis der Naturgesetze entscheidend zu erweitern und langfristig Innovationsimpulse auszulösen. Mit seiner Forschung an der Universität Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und im Exzellenzcluster quantA fügt er der international sichtbaren Erfolgsgeschichte der österreichischen Quanten-Community ein weiteres vielversprechendes Kapitel hinzu“, so Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner.
„Mit Markus Aspelmeyer zeichnet die internationale Jury einen Grundlagenforscher aus, der sich in seiner Arbeit einer der ganz großen offenen Fragen widmet: dem Zusammenhang zwischen Quantenphysik und Gravitation. An der Schnittstelle zwischen diesen beiden Säulen der Physik sind neue experimentelle Ergebnisse dringend notwendig für weitere Entwicklungen zum Verständnis der Naturgesetze. Diese Experimente sind extrem herausfordernd und das Team von Markus Aspelmeyer verschiebt immer wieder die Grenzen des technisch Machbaren. Die Auszeichnung durch die internationale Jury unterstreicht die weltweite Vorreiterrolle Österreichs im Bereich der Quantenforschung“, so FWF-Präsident Christof Gattringer. „Ebenso gratuliere ich den 18 Forschenden, die mit den FWF-ASTRA-Preisen attraktive Forschungsperspektiven in Österreich erhalten. Dass sich in diesem hochkompetitiven Umfeld heuer mehr Frauen als Männer durchsetzen konnten und die geförderten Projekte eine breite Themenpalette widerspiegeln, bestätigt den eingeschlagenen Weg in der Karriereförderung. Die FWF-ASTRA-Preise schaffen faire Chancen für exzellente Nachwuchsforschende und stärken den Wissenschaftsstandort Österreich nachhaltig.“
„Ich gratuliere Markus Aspelmeyer zu diesem herausragenden Erfolg. Er macht seit Jahren exzellente Grundlagenforschung und hat wesentlich dazu beigetragen, dass Österreich in Sachen Quantenphysik ein international führender Standort ist. Dieser Erfolg macht auch deutlich, wie wichtig die ausreichende Finanzierung der Grundlagenforschung beim FWF und an den Universitäten ist. Um den Forschungsstandort Österreich zu sichern, braucht es Planungssicherheit, ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu international leistungsfähigen Universitäten und eine ausreichende Finanzierung für 2028–2030“, so Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien.
„Markus Aspelmeyer hat den Wittgenstein-Preis hochverdient gewonnen. Er ist eine herausragende Persönlichkeit der Quantenphysik und ein Leuchtturm, der weit über die Österreichische Akademie der Wissenschaften hinaus die gesamte Wissenschaftslandschaft prägt. Sein Erfolg unterstreicht eindrücklich, wie wichtig starke ÖAW-Institute sind, denn sie sorgen für die wissenschaftliche Schwerpunktbildung in Österreich und sie offerieren ein attraktives Umfeld für die besten Forschenden der Welt. Ich gratuliere Markus Aspelmeyer sehr herzlich“, so Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Zwischen Einstein und Quantenwelt: Neue Experimente zur Gravitation
Zwei der wichtigsten Theorien der modernen Physik beschreiben die Welt äußerst erfolgreich – doch sie passen nicht zusammen: die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie. Die Frage, ob beide Theorien vereinbar sind, zählt zu den größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Allgemeine Relativitätstheorie, die Albert Einstein vor mehr als 100 Jahren entwickelte, erklärt die Gravitation. Sie beschreibt, wie Massen Raum und Zeit krümmen und dadurch die Anziehungskraft erzeugen, die Planeten auf ihren Bahnen hält oder Schwarze Löcher entstehen lässt. Die Theorie liefert bis heute präzise Vorhersagen für alle Phänomene der Gravitation, von Gravitationswellen bis hin zur Zeitverschiebung durch die Schwerkraft der Erde.
Die Quantenmechanik hingegen beschreibt die Welt der kleinsten Teilchen. Anders als in der klassischen Physik bewegen sich Teilchen nicht auf eindeutig festgelegten Bahnen, sondern werden durch Wahrscheinlichkeiten beschrieben. Sie können mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen und zeigen Verhaltensweisen, die unserer Alltagserfahrung widersprechen. Dennoch wurde die Quantenmechanik in den vergangenen 100 Jahren in zahllosen Experimenten bestätigt und bildet die Grundlage moderner Technologien wie Halbleiterchips, Laser oder Quantensensorik und Quantencomputer. Das Problem: Beide Theorien funktionieren in ihren jeweiligen Bereichen hervorragend, widersprechen sich aber grundlegend. Während die Relativitätstheorie Raum und Zeit als fix vorgegeben beschreibt, legt die Quantenmechanik nahe, dass auch die Raumzeit in einer Überlagerung und vom Beobachter abhängig sein muss. Welche Sichtweise richtig ist, ist bislang ungeklärt.
Genau hier setzt die Forschung des Wiener Quantenphysikers Markus Aspelmeyer mit seinem Team an. Ziel ist es, Experimente zu entwickeln, die erstmals zeigen könnten, wie sich Gravitation und Quantenphysik tatsächlich zueinander verhalten. Die Forschenden untersuchen, wie klein eine Masse sein kann, deren Gravitationsfeld noch messbar ist, und gleichzeitig, wie große Objekte sich nach den Gesetzen der Quantenphysik verhalten können. Es gelang bereits, das Gravitationsfeld einer nur einen Millimeter großen Goldkugel zu messen – ein Effekt, der rund 30 Milliarden Mal schwächer ist als die Anziehungskraft der Erde. In hochspezialisierten Laboren werden Glasteilchen von der Größe eines Sandkorns im Vakuum mit Licht kontrolliert und in Quantenzustände versetzt. Langfristig sollen diese Experimente zeigen, ob auch die Gravitation den Gesetzen der Quantenwelt folgt. Gelingt dies, könnte das ein entscheidender Hinweis für eine Theorie der Quantengravitation sein – und damit zu einem tieferen Verständnis der grundlegenden Naturgesetze unseres Universums führen.
Über Markus Aspelmeyer
Markus Aspelmeyer zählt zu den weltweit renommiertesten Forschenden auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quantenoptomechanik. Nach seinem Studium der Physik und Philosophie promovierte er 2002 in Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Anschließend wechselte der gebürtige Bayer an die Universität Wien, wo er in der Forschungsgruppe des Nobelpreisträgers Anton Zeilinger arbeitete. Seit 2009 ist Aspelmeyer Professor für Physik an der Universität Wien und seit 2019 auch Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) Wien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er ist Teil des Vorstands des vom FWF geförderten Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“. Aspelmeyer gehört zu den Pionieren der Quantenoptomechanik. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er Quantenphänomene in völlig neuen Bereichen. Seine aktuellen Arbeiten tragen wesentlich zum Verständnis der Grenzen zwischen Quantenphysik und Gravitation bei.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt der 52-Jährige zahlreiche Auszeichnungen, darunter den FWF-START-Preis, den Ignaz-Lieben-Preis sowie den Berthold Leibinger Innovationspreis. Im Jahr 2025 wurde ihm für seine wegweisenden Beiträge zur Quantenoptomechanik der Prize for Fundamental Aspects der European Physical Society (EPS-QEOD Prize) verliehen. Der dreifache ERC-Preisträger ist unter anderem Fellow der American Physical Society und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Akademie der Wissenschaften und der Künste in Hamburg.
Jurybegründung: Neues Kapitel in Österreichs Quantenforschung
„Im Zentrum der Arbeiten von Markus Aspelmeyer steht eine der tiefgreifendsten Fragen der Physik: Kann die Schwerkraft selbst quantenmechanische Eigenschaften besitzen? Ein positiver experimenteller Nachweis würde Einsteins Relativitätstheorie nicht widerlegen, aber erstmals zeigen, dass die Schwerkraft Quanteninformationen vermitteln kann. Gelingt dieser Nachweis, könnte dies unser Verständnis der Natur grundlegend verändern – vergleichbar mit den Experimenten zur Quantenverschränkung, die 2022 mit dem Physiknobelpreis gewürdigt wurden. Der diesjährige FWF-Wittgenstein-Preis zeichnet nicht nur die herausragende wissenschaftliche Karriere von Markus Aspelmeyer aus, sondern ist auch eine Investition in eines der ambitioniertesten Vorhaben in der modernen Physik, das Österreichs erfolgreiche Tradition in der Quantenforschung um ein weiteres vielversprechendes Kapitel bereichert“, so die internationale FWF-Jury.
FWF-Wittgenstein-Preis: Österreichs höchstdotierter Wissenschaftspreis
Der FWF-Wittgenstein-Preis richtet sich an exzellente Forscher:innen aller Fachdisziplinen. Die mit 2 Millionen Euro dotierte Auszeichnung unterstützt die Forschung des:der Preisträger:in und garantiert Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung. Forschende können so ihre Forschungstätigkeit auf international höchstem Niveau vertiefen.
FWF-ASTRA-Preise: 22 Millionen Euro für aufstrebende Spitzenforscher:innen
Um hochtalentierte Forschende im internationalen Wettbewerb zu halten und neue Talente zu gewinnen, vergibt der FWF heuer 18 FWF-ASTRA-Preise. Die mit jeweils rund einer Million Euro ausgestatteten Förderungen unterstützen fortgeschrittene Postdocs auf dem Weg an die Spitze ihres Forschungsfelds. Unter den Ausgezeichneten sind elf Frauen, die ihre fünfjährigen Projekte an Universitäten und weiteren Forschungsstätten in ganz Österreich durchführen werden.
Alle FWF-ASTRA-Preisträger:innen 2026 (in alphabetischer Reihenfolge):
- Mahmoud Abdellatif (Medizinische Universität Graz)
- Matija Bucic (Universität Wien)
- Marta Campiglio (Medizinische Universität Innsbruck)
- Carlos Eduardo Cancino-Chacón (Johannes Kepler Universität Linz)
- Christian Dorninger (BOKU University)
- Katja Fahrion (Universität Wien)
- Isabella Fritz (Österreichische Akademie der Wissenschaften)
- Anna Galler (Technische Universität Graz)
- Bettina Glasl (Universität Wien)
- Kathrin Göritzer (BOKU University)
- Daniel Hörcher (Wirtschaftsuniversität Wien)
- Jose Julian Valenzuela (BOKU University)
- Bettina Könighofer (Technische Universität Graz)
- David Krych (Kunstuniversität Linz)
- Anna Lopatina (Medizinische Universität Wien)
- Anne Sophie Meincke (Universität Klagenfurt)
- Sarah Pati (Universität Wien)
- Fangyuan Yang (Technische Universität Wien)
Acht weitere Forschende, die sich aufgrund ihrer hervorragenden wissenschaftlichen Gutachten für das Jury-Hearing qualifizieren konnten, dann aber nicht mit dem vollen FWF-ASTRA-Preis ausgezeichnet wurden, erhalten mit dem „Merit Award“ eine Anschubfinanzierung für ihr Forschungsprojekt im Volumen eines durchschnittlichen FWF-Projekts. Das sind Nicole Amberg (Medizinische Universität Wien), Anaïs Angelo (Österreichische Akademie der Wissenschaften), Markus Faulhuber (Universität Wien), Katharina Jandl (Medizinische Universität Graz), Pavel Pokhilko (Universität Wien), Hannes Vietzen (Medizinische Universität Wien), Yunteng Wang (BOKU University), Scott Zukowski (Universität Graz).
Insgesamt begutachtete der FWF in der zweiten Ausschreibungsrunde der FWF-ASTRA-Preise Einreichungen von 170 Forschenden. Im Zuge der Programmreform erhöhte er die Gesamtfördersumme bei diesen hochkompetitiven Karriereförderungen auf 22 Millionen Euro, Forschende aus einem breiteren Themenspektrum kommen so zum Zug – bei einer ausgewogenen Beteiligung von Frauen.
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