- 24.06.2026, 07:00:33
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Kinderspielzeug im Test: Strenge Regeln wirken
GLOBAL 2000 und AK OÖ testen Spielzeug auf gefährliche und verbotene Chemikalien. Stichprobe zeigt, dass europäische Schutzmechanismen greifen.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und die Arbeiterkammer Oberösterreich haben im Rahmen des vom BMLUK geförderten Projekts AskReach 2.0 19 Kinderspielzeuge auf gefährliche Chemikalien getestet. Die sowohl im stationären Handel als auch online erworbenen Produkte wurden von einem unabhängigen Labor auf hoch besorgniserregende Stoffe, sogenannte SVHCs (Substances of very high concern) untersucht.
Das Ergebnis der Stichprobe zeigt, dass die strengen Regularien der Europäischen Union im Fall von Kinderspielzeug wirken. Es konnte kein Verstoß gegen die EU-Spielzeugrichtlinie und nur ein Versäumnis der Auskunftspflicht laut REACH Verordnung bei einem der getesteten Spielzeuge - Borsäure bei einem Spielschleim - festgestellt werden. “Wir haben bewusst Gegenstände getestet, mit denen Kinder viel Hautkontakt haben oder die sie vielleicht sogar in den Mund nehmen. Das Ergebnis ist erfreulich. Regelmäßige, unabhängige Tests verfehlen ihre Wirkung nicht. Strenge Regeln und Kontrollen führen zu weniger Gift in unseren Kinderzimmern”, erklärt GLOBAL 2000-Projektverantwortliche Karolina Hötzeneder.
Widerstand dem Wettbewerb
Die im November 2025 von der EU bestätigte Spielzeugverordnung spielt dabei eine wichtige Rolle - ihre Umsetzung darf nicht in Frage gestellt werden. Dass hier berechtigte Sorge besteht, zeigen die jüngsten Entwicklungen in ähnlichen Bereichen.
“Wir erleben im Moment zum Beispiel, dass auf EU-Ebene im Bereich der Chemikaliensicherheit, besonders bei Kosmetika und Pestiziden angestrebt wird, Sicherheitsstandards im Namen der Wettbewerbsfähigkeit aufzuweichen. Sollte das passieren, gäbe es zum Beispiel vereinfachte Zulassungsverfahren für diese gefährlichen Substanzen. Das kann massive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. ”, warnt Hötzeneder vor kurzsichtigen Schnellschüssen unter dem Deckmantel der wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Auskunftsrecht über Gesundheitsgefahren
Ziel des Tests war es zu kontrollieren, ob noch immer besonders besorgniserregende Substanzen wie etwa Weichmacher in Plastik, Flammschutzmittel oder Schwermetalle eine Gesundheitsgefahr für unsere Kinder sind.
Für Hötzeneder kann diese Gefahr gar nicht unterschätzt werden: “Diese Substanzen können schwerwiegende Folgen für die Gesundheit unserer Kinder haben. Schwermetalle wie Blei reichern sich im Körper an und können Krebs auslösen. Weichmacher können zu einer geringeren Testosteronproduktion und abnehmender Fruchtbarkeit bei Männern führen. Auch Borsäure ist fortpflanzungsschädigend.”
Konsument:innen haben dank der Europäischen Chemikalienverordnung das Recht vom Hersteller oder Händler eines Produktes zu erfahren, ob solche besonders besorgniserregenden Substanzen enthalten sind.
Eltern empfiehlt die Expertin, von ihrem Auskunftsrecht zB mit Hilfe der Scan4Chem App Gebrauch zu machen, aber auch auf “auf ihre eigene Nase zu vertrauen”. Ein strenger, chemischer Geruch ist oft ein erstes Warnsignal. Materialien wie unbehandeltes Holz, Biobaumwolle oder Kautschuk sind Billigware aus dem Online-Handel vorzuziehen.
Rote Karte für gesetzliche Aufweichung
Die aktuellen Daten des Safety-Gate-Berichts 2025 der Europäischen Kommission verdeutlichen, dass chemische Risiken bei Spielzeug weiterhin ein relevantes Verbraucherschutzthema in Europa sind.
Eltern vertrauen darauf, dass Spielzeug frei von gesundheits- und umweltschädlichen Substanzen ist. Nicht zuletzt deshalb ist die österreichische Regierung gefordert, entsprechenden Aufweichungen entschieden entgegenzutreten.
“Wir fordern unsere Regierung auf, sich in Brüssel für giftfreie Kinderzimmer stark zu machen und dem vorgeschobenen sogenannten Bürokratieabbau die rote Karte zu zeigen. Die strengen Regeln dienen der Sicherheit unserer Kinder”, so Hötzeneder abschließend.
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Marcel Ludwig
Pressesprecher GLOBAL 2000
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