- 23.06.2026, 09:14:04
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Digitale Zivilcourage made in Austria
Wie Orbyz und das AIT den Kampf gegen Hass im Netz neu denken

Während Regierungen weltweit über strengere Regeln für soziale Medien diskutieren, entsteht in Österreich eine Lösung, die einen anderen Weg einschlägt: Nicht mehr Kontrolle, sondern bessere digitale Räume. Eine neue Kooperation zwischen dem AIT Austrian Institute of Technology, Center for Digital Safety & Security und dem Wiener Startup Orbyz könnte zeigen, wie Europas Antwort auf Hate Speech und digitale Toxizität aussehen kann.
Die Debatte ist längst global. Hasskommentare, Desinformation, Polarisierung und digitale Gewalt beschäftigen Politik, Gesellschaft und Technologieunternehmen gleichermaßen. Die großen Plattformen geben an, sich in Moderation, künstliche Intelligenz und Sicherheitsteams zu bemühen. Dennoch wächst die Kritik, dass sie strukturell nur darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu maximieren. Während viele Marktteilnehmer:innen erst jetzt beginnen, sich intensiv mit den gesellschaftlichen Folgen digitaler Kommunikation auseinanderzusetzen, verfolgt ein österreichisches Startup einen völlig anderen Ansatz.
Orbyz setzt genau an diesem Punkt an – allerdings nicht primär über strengere Regeln, sondern über ein anderes Plattformmodell. Das Wiener Startup entwickelt eine europäische Social Media Plattform, die bewusst auf Werbefinanzierung verzichtet und sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge registrierter Nutzer:innen finanziert. Ziel ist eine daten-souveräne Alternative zu bestehenden Plattformmodellen: Kein Tracking zu Werbezwecken, keine Weitergabe von Nutzungsdaten an Werbetreibende und keine Optimierung auf maximale Verweildauer oder Aufmerksamkeit.
Stattdessen verfolgt Orbyz den Anspruch, einen digitalen Raum zu schaffen, der konstruktiven, respektvollen und zivilisierten Dialog ermöglicht – für Nutzer:innen, die sich bewusst von toxischen oder stark polarisierenden Plattformumgebungen lösen möchten, ohne dabei auf eine hochwertige User Experience zu verzichten.
Ein Startup, das eine unbequeme Frage stellte
Als Orbyz vor rund zwei Jahren gegründet wurde, stand nicht die Frage im Mittelpunkt, wie Nutzer möglichst lange auf einer Plattform gehalten werden können. Stattdessen stellte das Unternehmen eine andere Frage:
Wie müsste ein soziales Netzwerk aussehen, wenn Vertrauen, Wirkung, Vielfalt und gesellschaftlicher Mehrwert von Beginn an Teil der Architektur wären?
Eine Frage, die damals für viele Investoren und Marktbeobachter eher idealistisch als wirtschaftlich relevant erschien. Heute hat sich das Umfeld dahingehend verändert. Die Diskussion über digitale Souveränität Europas gewinnt an Bedeutung. Der Digital Services Act setzt neue Standards. Unternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentliche Institutionen suchen nach Alternativen zu Plattformen, deren Geschäftsmodelle zunehmend kritisch hinterfragt werden. Plötzlich erscheinen viele jener Themen, die Orbyz bereits in seiner frühen Entwicklungsphase adressierte, hochaktuell.
Vom Moderieren zum Prävenieren
Der entscheidende Unterschied liegt im Ansatz. Die meisten Plattformen versuchen, problematische Inhalte nachträglich zu erkennen und zu entfernen. Orbyz verfolgt gemeinsam mit dem AIT einen präventiven Zugang: Wie können digitale Räume so gestaltet werden, dass toxische Dynamiken gar nicht erst entstehen oder deutlich reduziert werden? Der Anspruch von Orbyz ist dabei bewusst moderiert – ausgehend von der Überzeugung, dass qualitativ hochwertige digitale Diskussionsräume Mechanismen benötigen, um problematische Inhalte adressieren zu können. Gleichzeitig soll Moderation nicht zu automatisierter Inhaltskontrolle werden. Deshalb bleiben die finale Bewertung und Entscheidung immer beim Menschen.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Entwicklung menschenzentrierter Mechanismen zur Content Moderation. Das AIT bringt dafür seine Expertise aus dem Forschungsbereich „Data Science & Artificial Intelligence“ ein und unterstützt den Ansatz mit Analysemodulen der AIT Media Intelligence Platform. Die eingesetzten Textanalyseverfahren helfen dabei, Beiträge zu priorisieren, die potenziell Hate Speech, toxische Kommunikation oder destruktive Interaktionsmuster enthalten könnten. Moderator:innen erhalten Hinweise auf potenziell relevante Inhalte und entscheiden anschließend selbst über die Einordnung und etwaige Maßnahmen. Dieser Human-in-the-Loop Ansatz verbindet die Effizienz maschineller Unterstützung mit menschlicher Verantwortung und orientiert sich in seiner Grundlogik an vertrauenswürdigen Moderations- und Hinweisstrukturen im Sinne des Digital Services Act (DSA). Ziel ist nicht Zensur, sondern Moderation in einem wachsenden Plattformumfeld überhaupt erst skalierbar zu machen, ohne Entscheidungen an KI zu delegieren.
Gerade hierin liegt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Wir müssen unsere digitalen Räume aktiv gestalten, so dass sie demokratische Werte unterstützen und Dialog fördern.
Österreichische Forschung trifft österreichisches Unternehmertum
Die Zusammenarbeit zwischen dem AIT und Orbyz zeigt, welches Innovationspotenzial in Österreich vorhanden ist. Das AIT zählt zu den führenden Forschungsinstitutionen Europas in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaften und digitale Sicherheit. Die Mission des AIT in dieser Kooperation besteht darin, wissenschaftlich fundierte Methoden für menschenzentrierte digitale Interaktion zu entwickeln und neue Formen verantwortungsvoller Plattformarchitekturen unter realen Bedingungen zu erforschen. Orbyz bringt die Perspektive eines technologiegetriebenen Startups ein und ergänzt diesen Ansatz mit einer konkreten Anwendung: Das Wiener Unternehmen entwickelt eine europäische Social-Media-Plattform, die auf einem abonnementbasierten Geschäftsmodell statt werbefinanzierter Aufmerksamkeit basiert. Der Anspruch: keine Datenweitergabe, kein Data Harvesting und keine datengetriebenen Werbemodelle als Grundlage der Nutzerinteraktion. Dadurch entsteht ein alternativer Ansatz zu etablierten Plattformökonomien.
Diese Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und unternehmerischer Agilität bietet die Möglichkeit, neue Ansätze und Erkenntnisse nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern direkt in einer aktiven Plattform zu erproben, zu validieren und weiterzuentwickeln. Forschung bleibt damit nicht im Labor, sondern kann unter realen Bedingungen wirken. Während internationale Plattformen bestehende Systeme nachträglich an neue gesellschaftliche Anforderungen anpassen müssen, integriert Orbyz Sicherheits-, Moderations- und Wertekonzepte bewusst von Beginn an direkt in die Architektur seiner Plattform.
Europas Chance auf eine Alternative
Die Bedeutung solcher Initiativen reicht weit über Österreich hinaus. Europa sucht seit Jahren nach Antworten auf die Dominanz amerikanischer und chinesischer Plattformen. Oft wird im Zusammenhang mit der digitalen Souveränität nur über Cloud-Infrastruktur, Halbleiter oder künstliche Intelligenz gesprochen. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie soziale Netzwerke, die europäischen Werten entsprechen, aussehen sollten.
Denn Datenschutz, Transparenz, demokratische Diskussionskultur und gesellschaftliche Verantwortung gelten zunehmend als strategische Wettbewerbsfaktoren. Und die nächste Generation sozialer Netzwerke wird nicht nur daran gemessen werden, wie viele Nutzer:innen sie erreicht. Entscheidend wird sein, welche Qualität der Interaktion sie ermöglicht.
Der Vorsprung der frühen Denker
Für Orbyz könnte sich nun auszahlen, dass das Unternehmen viele dieser Fragen bereits zu einem Zeitpunkt stellte, als die öffentliche Debatte noch von Nutzerwachstum, Reichweite und Monetarisierung geprägt war. Die Plattform wurde nicht als Reaktion auf aktuelle Regulierungen entwickelt. Vielmehr entstand sie aus der Überzeugung, dass digitale Räume künftig mehr leisten müssen als reine Vernetzung. Mit der Kooperation mit dem AIT erhält dieser Ansatz nun wissenschaftliche Tiefe und institutionelle Unterstützung. Ob daraus tatsächlich ein europäisches Vorzeigemodell entsteht, wird sich zeigen.
Fest steht jedoch bereits heute: Während viele Akteure noch darüber diskutieren, wie bestehende Social-Media Netzwerke sicherer gemacht werden können, arbeitet ein österreichisches Forschungs- und Startup-Team bereits an der nächsten Generation digitaler Räume. Und möglicherweise liegt genau darin die eigentliche Innovation.
Weiterführende Informationen: https://orbyz.world/
Zitate:
„Soziale Netzwerke tragen Verantwortung – und Orbyz stellt sich dieser Aufgabe. Gemeinsam mit dem AIT arbeiten wir daran, digitale Räume sicherer, respektvoller und vertrauenswürdiger zu gestalten. Unser Ziel ist es, Technologien einzusetzen, die Menschen schützen und konstruktiven Dialog fördern. Das ist unser Beitrag zu einem zukunftsweisenden Europa.“ Caroline Gager-Palfy, Founder of Orbyz
„Die Zusammenarbeit mit Orbyz bietet die Möglichkeit, unsere Forschung im Bereich Assistive Intelligence in einem hochrelevanten gesellschaftlichen Anwendungsfeld zu erproben. Gemeinsam wollen wir dazu beitragen, digitale Räume zu schaffen, die europäische Werte widerspiegeln und Europas digitale Souveränität nachhaltig stärken.“
Ross King, Head of Competence Unit “Data Science & Artificial Intelligence”, Center for Digital Safety & Security, AIT
Über Orbyz
Orbyz ist das soziale Netzwerk für Impact. Die europäische Social-Media-App vernetzt Menschen, Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Organisationen, die aktiv an einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft mitwirken möchten. Im Mittelpunkt stehen Wissen, Transparenz, Zusammenarbeit und konkrete Lösungen entlang der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Im Gegensatz zu klassischen sozialen Netzwerken verzichtet Orbyz auf Werbung, Datenhandel und aufmerksamkeitsgetriebene Algorithmen. Nutzer:innen erhalten einen selbstbestimmten Feed und können sich gezielt zu Themen wie Energie, Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, Gesundheit, Bauen und Wohnen, Natur oder Gesellschaft austauschen. Das Unternehmen wurde 2024 in Österreich von Caroline Gager-Palfy gegründet und die App ist seit 2025 für iOS und Android verfügbar. Heute verbindet Orbyz Menschen und Organisationen aus mehr als 40 Ländern und versteht sich als europäische Alternative zu bestehenden sozialen Netzwerken.
Über AIT
Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte Forschungs- und Technologieorganisation, die mit mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen an den zentralen Infrastrukturthemen der Zukunft arbeitet. Dabei konzentriert sich das AIT auf die beiden miteinander verknüpften Forschungsschwerpunkte „Nachhaltige und resiliente Infrastrukturen", insbesondere in den Bereichen Energie, Verkehr und Gesundheit, sowie die „Digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft". Das AIT arbeitet eng mit der Industrie und Auftraggebern aus öffentlichen Einrichtungen zusammen. Forschung & Entwicklung ist der zentrale Innovationsmotor für Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft, sichert Arbeitsplätze und Wohlstand und stärkt damit den Wirtschaftsstandort Österreich und Europa.
Rückfragen & Kontakt
Michael H. Hlava
Head of AIT Communication
AIT Austrian Institute of Technology
T +43 (0)50550-4014
[email protected] I www.ait.ac.at
Leonore Fulmek
Orbyz Media GmbH
T +43 (0)676 8519 33 333
[email protected] | https://orbyz.world
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