- 22.06.2026, 11:54:34
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Europas Wirtschaft muss ihren Platz verteidigen
Rafaela Kraus, Expertin für Defense Innovation, Startups und Technologietransfer, war Festrednerin bei der DHK Matinee in Salzburg.

Rafaela Kraus ist Professorin für Unternehmens- und Personalmanagement an der Universität der Bundeswehr München und eine der europaweit führenden Expertinnen für Entrepreneurship, Innovation und Technologietransfer im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich. Als solche war sie Gastrednerin auf der Matinee 2026 der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) in der Residenz zu Salzburg.
Zeitenwende als Industriemoment
In der Festrede von Rafaela Kraus ging es um die aktuelle Weltlage, die nicht nur als militärischer, sondern auch als gesamt-wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Wendepunkt zu verstehen sei. Rafaela Kraus: „Die regelbasierte Weltordnung weicht einer Interessen- und machtbasierten Ordnung. Die USA und China richten ihre wirtschaftliche und technologische Macht strategisch aus. Und Europa sucht noch nach einer eigenen, hinreichend klaren Antwort.“ Dabei geht es für Kraus jetzt um die Frage, „welche Volkswirtschaften in Zukunft die Fähigkeiten besitzen, Sicherheit, technologische Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung zugleich hervorzubringen.“
Auch Gastgeber und DHK Präsident Hans Dieter Pötsch verwies in seinen Eröffnungsworten auf den Krieg in der Ukraine, die geopolitischen Spannungen und neuen Abhängigkeiten bei Energie, Infrastruktur und Schlüsseltechnologien. Angesichts der vielen Herausforderungen sei Sicherheit eine industrie- und innovationspolitische Aufgabe geworden, sagte Pötsch: „Entscheidend wird nun sein, die sicherheitspolitischen Ziele rasch in industrielle Kapazitäten, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und belastbare europäische Wertschöpfungsketten zu übersetzen.“
Der Preis des Denkens
Künstliche Intelligenz senkt laut Rafaela Kraus den Preis des Denkens dramatisch. Das verändere nicht nur eine Branche, sondern „jede Organisation, die auf menschliche Kognition angewiesen ist.“ Im Defense-Bereich sei diese Re-Organisation bereits heute ablesbar, weil man sich hier am wenigsten leisten kann, zuzuwarten, das zeige das Beispiel Ukraine. „Verteidigungsfähigkeit wird nicht allein durch höhere Budgets entschieden, sondern durch die Fähigkeit, technologische Innovation schneller in gesellschaftliche und staatliche Handlungsfähigkeit zu übersetzen. Dafür braucht Europa neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat, Industrie, Wissenschaft und Startups.“
Europäisches „Erlaubnisproblem“
„Die Verteidigung ist aber nicht das Ziel der Zeitenwende, sondern nur ihre Vorhut."
,“ ist sich Kraus sicher. Wer schneller beobachtet, lernt und handelt, bleibt handlungsfähig, so ihre Prognose. An Zeit, Geld und Talent fehle es Europa nicht, dafür an Tempo und Entscheidungsfähigkeit. Und an einer Resilienz, die wie ein lernfähiges Immunsystem funktioniert das sich an immer neue Bedrohungen anpassen kann.
Im Grunde hat Europa laut Rafaela Kraus nur ein „Erlaubnisproblem“: Tempo, Risiko und Gestaltung im Verteidigungsbereich müssten auf andere gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche übertragen werden. „Wir müssen aufhören, den Innovatoren die Erlaubnis zu verweigern, schnell zu sein, Risiko zu tragen und groß zu denken.“
Zeit der neuen Abhängigkeiten
Die DHK Matinee zählt zu den Fixpunkten im Jahreskalender der Deutschen Handelskammer in Österreich und bringt jeden Juni führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in Salzburg zusammen. Neben der hochkarätigen Rednerin konnte die DHK rund 160 Gäste begrüßen. Grußworte lieferten die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und Salzburgs Stadträtin Andrea Brandner.
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