- 19.06.2026, 08:52:32
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Volkshilfe zu Weltflüchtlingstag: Regierung hat Aufholbedarf bei Asylverfahren und Arbeitsmarktintegration
Fenninger: „Geflüchtete brauchen Perspektiven, statt Sanktionen. Wer arbeiten will, darf nicht ausgebremst werden."
„Junge Geflüchtete wollen lernen, arbeiten und sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Doch viele starten nicht nur bei null, sondern im Minus: Abschlüsse werden nicht anerkannt, Deutschkurse sind schwer zugänglich, Beratung fehlt, Bürokratie bremst. Statt nachhaltiger Ausbildung und guter Arbeit landen viele in prekären Jobs mit schlechten Arbeitszeiten, niedriger Bezahlung und wenig Perspektive. Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein strukturelles Problem“,
warnt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, vor den Folgen mangelnder Begleitung von jugendlichen Geflüchteten.
Arbeitsmarktintegration muss früh, nachhaltig und begleitet passieren: mit adäquaten Deutschkursen, rascher Anerkennung von Qualifikationen, gezielter Beratung und Zugang zu Ausbildung. Besonders für junge Menschen ist die Kombination von Ausbildung und Deutschkursen essenziell.
Stillstand während des Asylverfahrens
Während des Asylverfahrens sind viele Menschen zum Stillstand gezwungen. Sie dürfen kaum arbeiten, haben oft keinen ausreichenden Zugang zu Ausbildung oder Sprachkursen und leben mit großer Unsicherheit. „Warten ist keine Integration“, betont Erich Fenninger. „Dieses Warten hat Folgen: soziale Isolation, psychische Belastung, verlorene Zeit. Später wird ein Einstieg in Arbeit und Ausbildung schwieriger.“
Ein Forschungsprojekt der Volkshilfe zur Arbeitsmarktintegration junger Schutzberechtigter aus dem Vorjahr belegt: Die Hürden nach dem positiven Bescheid entstehen oft schon während des Asylverfahrens. „Gerade bei jungen Geflüchteten braucht es ehestmöglich Ausbildungsmöglichkeiten und begleitende Beratung, um sich im österreichischen Bildungs- und Arbeitsmarktsystem zurecht finden zu können“, betont Fenninger. Eine von Cartias und Volkshilfe präsentierte und von Judith Kohlenberger und Julian Kettl verfasste Studie zeigt die gesamtwirtschaftlichen Folgen dieser Missstände auf: Durch eine verbesserte Bildungsbeteilgung junger Asylwerber*innen würde sich die Erwerbsquote bei jungen Geflüchteten um 15 Prozent steigern und dadurch ein Einsparungspotenzial von 53 Millionen Euro im Jahr schaffen.
„Die Ausweitung der Ausbildungspflicht auf junge Asylwerber*innen und eine Verbreiterung von zielgruppenspezifischen Angeboten wäre daher ein wichtiger Schritt“, so Fenninger. Mit Blick auf die Dynamik der aktuellen politischen Debatte kommentiert der Volkshilfe-Geschäftsführer abschließend: „Die Regierung hat diesbezüglich Maßnahmen versprochen, redet derzeit aber nur über härtere Sanktionen, ohne tatsächlich etwas an der Integration zu verbessern.”
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