- 18.06.2026, 13:32:02
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Kürzungen in der oberösterreichischen Arbeitsmarktpolitik: arbeit plus warnt vor bundesweiter Entwicklung
arbeit plus zum offenen Brief der Sozialplattform Oberösterreich: Massive geplante Einschnitte in bewährte Strukturen, Kürzungslandkarte des Momentum Instituts macht sie sichtbar
Die geplanten weiteren Kürzungen in der oberösterreichischen Arbeitsmarktpolitik bedeuten in vielen Projekten Einschnitte von 25 bis 30 Prozent des Fördervolumens. Die Sozialplattform Oberösterreich hat sich deshalb gestern mit einem offenen Brief an Bundesregierung, Landesregierung und die Verantwortlichen im AMS gewandt. Die Sozialplattform Oberösterreich ist der Dachverband der arbeitsmarktpolitischen Trägerorganisationen und Teil von arbeit plus Österreich. arbeit plus Österreich nimmt diese Entwicklung auf und ordnet sie in den bundesweiten Zusammenhang ein.
Was sich in Oberösterreich zeigt, beschreibt eine Entwicklung, die arbeit plus seit Monaten in mehreren Bundesländern beobachtet. Bei steigenden Betroffenenzahlen und anhaltender Inflation bedeutet selbst ein nominal stabiles Budget faktisch eine reale Kürzung. Im Mai 2026 waren 102.788 Arbeitslose in Österreich langzeitbeschäftigungslos, ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als jede dritte arbeitslose Person ist damit länger als ein Jahr ohne Beschäftigung.
„Oberösterreich macht heute sichtbar, was wir aus mehreren Bundesländern hören: Die Mittel entsprechen nicht dem steigenden Bedarf. Im Gegenteil, in vielen Bundesländern müssen Soziale Unternehmen, die Menschen zurück in den Arbeitsmarkt bringen, Angebote reduzieren, Arbeitsplätze abbauen, und einzelne stehen vor der Schließung. Damit gehen Strukturen verloren, die sich über Jahre bewährt haben“, sagt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich.
Soziale Unternehmen beschäftigen Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt keinen Platz finden, schaffen regionalen Mehrwert und entlasten letztlich die öffentliche Hand. Ausgaben in die aktive Arbeitsmarktpolitik amortisieren sich für den Staat innerhalb von fünf Jahren wieder vollständig.
„Wer jetzt in die aktive Arbeitsmarktpolitik investiert, spart morgen bei den Transferleistungen und gewinnt Arbeitskräfte, Kaufkraft und regionale Stabilität. Verlässliche, mehrjährige Finanzierung schafft die Planungssicherheit, die Trägerorganisationen, Mitarbeitende und Teilnehmer:innen brauchen“, so Rehbichler. Arbeitsmarktintegration statt Verwaltung. Weil Verantwortung sich rechnet.
Was in Oberösterreich konkret auf dem Spiel steht
Stefan Thurner, Geschäftsführer der Sozialplattform Oberösterreich und Vorstandsmitglied von arbeit plus Österreich, beschreibt die Lage vor Ort. Am dramatischsten zeigt sie sich derzeit in den Beratungsangeboten.
„Wer im Mai 2026 arbeitslos wurde und in ein Beratungsprojekt vermittelt wurde, erhielt dort in acht Terminen persönliche, arbeitsmarktbezogene Begleitung. Wer im August 2026 arbeitslos wird, erhält im selben Projekt nur noch drei Termine, in denen ausschließlich Bewerbungsunterlagen aktualisiert werden. Ab Juli erstreckt sich diese Einschränkung auch auf jene, die besonderen Unterstützungsbedarf haben, etwa Frauen, Migrant:innen und Menschen mit gesundheitlichen Herausforderungen. Damit verlieren genau die Menschen den Zugang zu Begleitung, die ihn am dringendsten brauchen“, sagt Stefan Thurner.
Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen in Oberösterreich ist im Jahresvergleich um 18,2 Prozent gestiegen. Parallel verschiebt sich auch die Beschäftigung in den sozialökonomischen Betrieben: Mindestens ein Drittel der Transitarbeitsplätze wird in Arbeitstrainingsplätze umgewandelt. Für 200 bis 300 arbeitslose Menschen entfällt damit ein reguläres Einkommen und zugleich eine verbesserte Chance auf den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt.
„Die Folgen reichen weit über den AMS-Kontext hinaus. In den Regionen drohen Standortschließungen und der Rückzug aus dem ländlichen Raum. Beschäftigungsprojekte sind zugleich kommunale Dienstleister, die Gemeindebudgets entlasten und zu landespolitischen Zielen etwa in der Kreislaufwirtschaft beitragen. Was kurzfristig eingespart wird, wirkt mittel- und langfristig an anderer Stelle mehrfach negativ“, betont Thurner.
Kürzungslandkarte Österreich: Was in Budgettabellen verborgen bleibt
Die vielen, oft kaum sichtbaren Einschnitte werden nun erstmals an einem zentralen Ort dokumentiert. Das Momentum Institut hat die Kürzungslandkarte Österreich veröffentlicht. Während Bund, Länder und Gemeinden ihre Budgets kürzen, verlieren soziale Einrichtungen Personal, reduzieren Öffnungszeiten oder müssen ganze Projekte einstellen. Organisationen, Projekte, Beschäftigte und Betroffene sind eingeladen, weitere Kürzungen vertraulich und auf Wunsch anonym zu melden. Abgefragt werden Art und Ort der Kürzung, die direkten Auswirkungen sowie mögliche Folgekosten.
„Was in Budgetpapieren wie eine kleine Einsparung im Sozialbereich erscheinen mag, bedeutet in der Realität weniger Beratung und mehr Belastung. Die Kürzungslandkarte macht sichtbar, was in Budgettabellen verborgen bleibt. Wer über Einsparungen spricht, muss auch ihre langfristigen Kosten benennen, denn sie verschärfen Probleme und verschieben die Rechnung nur in andere öffentliche Systeme“, sagt Barbara Blaha vom Momentum Institut.
arbeit plus unterstützt das Anliegen und ruft die Mitgliedsorganisationen und Betroffenen dazu auf, ihre Erfahrungen in die Kürzungslandkarte einzubringe.
Worum es jetzt geht
Die Sozialplattform Oberösterreich ersucht in ihrem offenen Brief um Planungssicherheit für die Trägerorganisationen, Mitarbeitende und Teilnehmer:innen, um ein klares, gemeinsam entwickeltes Zukunftsbild der arbeitsmarktpolitischen Angebote und um die Einbindung der Trägerorganisationen in die Entscheidungsprozesse. Entscheidend ist dabei nicht allein die Frage, wie viel Mittel zur Verfügung stehen, sondern nach welchen Kriterien die Angebotslandschaft künftig gestaltet wird, allen voran der regionale Bedarf, die unterschiedlichen Zielgruppen und die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen. arbeit plus Österreich teilt dieses Anliegen für alle Bundesländer.
„Wer heute Unterstützung kürzt, zahlt morgen doppelt. Wir teilen das Ziel, öffentliche Mittel wirksam und verantwortungsvoll einzusetzen. Gerade deshalb braucht es Anerkennung der Sozialen Unternehmen als systemrelevante Säule der Arbeitsmarktpolitik und verlässliche, mehrjährige Finanzierung statt kurzfristiger Einsparlogik“, schließt Rehbichler.
Weiterführende Informationen:
- Presseaussendung Sozialplattform Oberösterreich: https://www.sozialplattform.at/aktuelles-ganzer-beitrag/wer-heute-unterstuetzung-kuerzt-zahlt-morgen-doppelt.html
- Offener Brief der Sozialplattform Oberösterreich: OFFENER BRIEF
- Presseaussendung inkl. Infografiken: https://arbeitplus.at/arbeitsmarktpolitik-in-oberoesterreich-kuerzungen/
- Kürzungslandkarte Österreich des Momentum Instituts: https://www.moment.at/story/die-kuerzungslandkarte-was-oesterreichs-sparpolitik-kostet/
- Presseaussendung arbeit plus zum Doppelbudget 2027/28 (Montag, 15.6.2026): https://arbeitplus.at/doppelbudget-2027-28-arbeitsmarktpolitik/
Rückfragen Momentum Institut:
Nina Spurny
E-Mail: [email protected]
Telefon: +43 664 102 32 80
Rückfragen & Kontakt
arbeit plus - Soziale Unternehmen Österreich
Eva Winterer
Presse
Telefon: 0043 664 4313590
E-Mail: [email protected]
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