- 18.06.2026, 10:27:03
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Appell beim Biodiversitätsgipfel: Sortenvielfalt langfristig sichern, um Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken
SPAR im Schulterschluss mit ARCHE NOAH und Paul Ivić
Klimawandel, weltpolitische Rahmenbedingungen und instabile Märkte setzen landwirtschaftliche Betriebe unter Zugzwang. Gleichzeitig existieren aber auch Spielräume zur Verbesserung. Beim Biodiversitätsgipfel im niederösterreichischen Schiltern diskutierten Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Forschung und Handel – darunter Markus Kaser (Stv. Vorstandsvorsitzender von SPAR Österreich), Volker Plass (Geschäftsführer des Vereins ARCHE NOAH) gemeinsam mit Sternekoch Paul Ivić und Umweltmedizinerin Prof. Dr. Daniela Haluza (Medizinische Universität Wien) – wie Sortenvielfalt erhalten werden kann und welche Potentiale trotz der Herausforderungen genützt werden können.
Der Konsens: Die Bewahrung von Arten- und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft ist mehr als Naturschutz. Sie ist wirtschaftliche Grundlage, Innovationsraum und Voraussetzung für eine stabile und genussvolle Lebensmittelversorgung. Ohne Sortenvielfalt fehlen zentrale Voraussetzungen, um Kulturpflanzen an veränderte Umweltbedingungen anzupassen und gleichzeitig flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren. Für den Agrarstandort Österreich bedeutet das aus Sicht der Podiumsteilnehmer:innen: Wer die Agro-Biodiversität pflegt, schützt nicht nur Ökosysteme, sondern schafft auch einen Wettbewerbsvorteil. Denn Vielfalt sichert die Basis für landwirtschaftlichen Ertrag, Qualität von Obst und Gemüse sowie für regionale Wertschöpfung. Die Bewahrung der Vielfalt entscheidet damit, wie widerstandsfähig Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung in Krisenzeiten sind.
„Mit regionalen, nationalen und internationalen Partnerschaften, gentechnikfreier Produktion, hohen Qualitätsstandards und konkreten Biodiversitätsmaßnahmen stärkt SPAR die Grundlage unserer Lebensmittelversorgung – heute und in Zukunft. Denn Sortenvielfalt ist keine romantische Idee, sondern kann auch ein handfester Wettbewerbsfaktor sein“, betont Markus Kaser, Stv. Vorstandsvorsitzender von SPAR Österreich.
Kleine Betriebe zwischen Aufwand und Idealismus
Die letzten Jahre waren von intensiven Diskussionen rund um die Ausgestaltung der neuen EU-Saatgut-Verordnung geprägt, die demnächst in Brüssel beschlossen werden soll. Während bei der Neuen Gentechnik der Trend derzeit klar in Richtung einer totalen Liberalisierung geht, drohen in der Saatgut-Verordnung aber nach wie vor eine Einschränkung bäuerlicher Rechte sowie unnötige bürokratische Hürden für kleine Züchtungsbetriebe.
Bereits im vergangenen Jahr zeigte eine Umfrage unter 200 europäischen Vielfalts-Betrieben im Auftrag von ARCHE NOAH wie sehr umfassende Regularien und ökonomischer Druck kleine Saatgut-Erzeuger und Obst-Baumschulen belasten. Die Mehrzahl der befragten Betriebe sah sich damals mit Bürokratie überfordert, 30 Prozent überlegten, ihre Arbeit einzuschränken und die Sortimente deutlich zu reduzieren. Das gefährdet nicht nur alte Kultursorten, sondern auch die wirtschaftliche Vielfalt in der Landwirtschaft.
„ARCHE NOAH konnte erreichen, dass die nachteiligsten Verbote und größten bürokratischen Auflagen aus dem ursprünglichen Gesetzesentwurf der EU-Kommission wieder gestrichen wurden. Denn Sortenvielfalt entsteht nicht in EU-Verordnungen, sondern in der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Praxis der Regionen. In jedem Betrieb, der Sorten erhält, vermehrt und weitergibt, steckt ein Stück Zukunftssicherung“, sagt Volker Plass, Geschäftsführer von ARCHE NOAH. „Damit das so bleibt, brauchen wir realistische Rahmenbedingungen und politische Unterstützung – nicht Verbote und bürokratische Hürden, die Arten- und Sortenvielfalt gefährden“, ergänzt er.
Handel als Motor für Biodiversität
Auch der Handel spielt bei Biodiversität in der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle. So arbeitet SPAR seit Jahren eng mit Produzent:innen zusammen, die auf bewussten Anbau und den Erhalt von Kultursorten setzen. Beispiele reichen vom BeeWild Programm, bei dem in Kooperation mit Frutura bereits 60 Hektar Bienenweiden angelegt wurden, bis zu stetig wachsendem Engagement im Obst und Gemüsebereich. Mehr als 30 Prozent des SPAR Sortiments in diesem Segment stammen inzwischen aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.
„Am Ende ist es auch eine Sortimentsentscheidung. Wenn wir nur auf kurzfristige Effekte setzen, verlieren wir Sortenvielfalt. Wir suchen daher unsere Lieferant:innen bewusst aus und setzen auf eine langfristige Zusammenarbeit. Damit stärken wir Stabilität und Verfügbarkeit im Lebensmittelangebot“, betonte Markus Kaser beim Biodiversitätsgipfel in Schiltern.
Gesunde Böden für eine widerstandsfähige Gesellschaft
Dass Biodiversität in der Landwirtschaft auch ein Gesundheits- und Wohlstandsthema ist, unterstrich die Umweltmedizinerin Daniela Haluza (Medizinische Universität Wien);
„Der Schutz biologischer Vielfalt ist weit mehr als klassischer Naturschutz – er ist Gesundheitsvorsorge, Ernährungssicherheit und Zukunftssicherung zugleich. Ökosysteme sind hochgradig vernetzte Systeme: Alles in der Natur hängt miteinander zusammen, vergleichbar mit einem fein abgestimmten Uhrwerk. Fällt ein Baustein aus, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht. Gesunde Böden und vielfältige Pflanzenbestände sind die Grundlage einer hochwertigen Ernährung. Diese wiederum wirkt direkt auf unsere Gesundheit – sie stärkt das Immunsystem, unterstützt das Darmmikrobiom und erhöht damit langfristig die Widerstandskraft unserer Gesellschaft“, so die Forscherin.
Geschäftsführer und Küchenchef Paul Ivić vom vegetarischen Sternerestaurant TIAN ergänzt: „Was wir essen, beginnt im Boden. Wenn Biodiversität verschwindet, verlieren wir Geschmack, Qualität und am Ende auch Stabilität in unseren Ernährungssystemen.“
Bewusstsein in Bevölkerung ausbaufähig
Was in der Forschung längst belegt ist, spiegelt sich in der öffentlichen Wahrnehmung nur teilweise wider. Zwar nehmen viele Menschen biologische Vielfalt als wichtiges Thema wahr, doch das konkrete Verständnis für Biodiversität bleibt oft oberflächlich. Eine aktuelle Marketagent Befragung im Auftrag von SPAR zeigt: Knapp die Hälfte der Österreicher:innen (49,5 Prozent) halten es für wichtig („sehr wichtig“/„eher wichtig“), sich mit Biodiversität zu beschäftigen, aber nur ein Drittel der Befragten (32,9 Prozent) können den Begriff richtig einordnen.
„Wir müssen Ernährungswissen, die Begeisterung für Lebensmittel und das Wissen über Biodiversität bereits bei Kindern nachhaltig aufbauen und fest im Bildungssystem verankern. Wer früh versteht, woher Lebensmittel kommen, wie sie produziert werden und welchen Wert sie haben, trifft später bewusstere Entscheidungen. Die Vielfalt unserer Natur ist keine Selbstverständlichkeit, sondern die Grundlage für gesunde Lebensmittel, stabile Ökosysteme und eine lebenswerte Zukunft. Deshalb braucht es mehr praxisnahe Ernährungs- und Umweltbildung – vom Kindergarten bis zur Schule“, appelliert Markus Kaser beim Biodiversitätsgipfel in Schiltern.
Wissen bündeln, Perspektiven vernetzen
Um Biodiversität als Teil der Wertschöpfungskette gezielt weiterzuentwickeln, braucht es Austausch über Fachgrenzen hinweg. Deshalb hat Markus Kaser im Rahmen des Biodiversitätsgipfels die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Expertenrats bekanntgegeben – einer Plattform, die landwirtschaftliche Praxis, Forschung und Handel miteinander verbindet. Das Gremium soll langfristig helfen, Herausforderungen wie Klimaanpassung, Sortenerhalt oder Ressourceneffizienz frühzeitig zu erkennen und daraus Handlungsmodelle für die Praxis abzuleiten.
„Wir wollen fundiertes Wissen zugänglich machen und Perspektiven verschränken, die für die Zukunft der Lebensmittelproduktion entscheidend sind“, sagt Markus Kaser. „Biodiversität betrifft die gesamte Wertschöpfung und sie braucht Expertise und Kooperation. Damit sehen wir Biodiversität auch als Teil unserer wirtschaftlichen Basis. Wer sie erhält, verhindert Engpässe, schafft Innovation und hält langfristig Versorgungssicherheit aufrecht“, resümiert Kaser.
Rückfragen & Kontakt
SPAR Österreich Gruppe
Mag. Nicole Berkmann
Unternehmenssprecherin und Leiterin
Interne und externe Konzernkommunikation
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