• 18.06.2026, 10:23:32
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Sechs Jahre, kein Gesetz: Tierschutzappell aus Deutschland fordert EU-Kommission zum Handeln auf

Brüssel/Berlin (OTS) - 

Führende Expert*innen aus den Bereichen Wissenschaft, Philosophie, Recht und Veterinärmedizin sowie staatliche Stellen und Tierschutzorganisationen fordern: Tierschutzreform jetzt!

Die EU-Kommission hatte bereits vor Jahren versprochen, die Tierschutzgesetzgebung zu modernisieren sowie die Käfighaltung zu beenden. Doch der zentrale Legislativvorschlag zum Tierschutz in landwirtschaftlichen Haltungen liegt bis heute nicht vor. Ein breites wissenschaftlich-institutionelles Bündnis aus 15 Organisationen und 33 renommierten Expert*innen - darunter der weltweit bekannte Tierethiker Prof. Peter Singer und Prof. Anne Peters, Direktorin am Max-Planck-Institut für Völkerrecht sowie mehrere Landestierschutzbeauftragte - hat einen Appell an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gerichtet. Die gemeinsame Forderung ist deutlich: Die EU muss handeln. Wissenschaft, Öffentlichkeit und Markt sind längst weiter, während die EU-Politik noch immer zulässt, dass rund 300 Millionen Tiere in Käfige gesperrt werden.

Die Forderung des von der Tierschutzorganisation Animal Equality in Deutschland initiierten Appells an Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, ist deutlich: Die EU muss ihr Versprechen, sogenannte Nutztiere besser zu schützen und die Käfighaltung zu beenden, endlich in verbindliche Gesetze verwandeln. Sechs Jahre nach der ersten Ankündigung liegt noch immer kein einziges neues Gesetz vor - während rund 300 Millionen Tiere in der EU weiter in Käfigen leiden.

Der Appell ist jetzt richtungsweisend: Die EU-Kommission veröffentlicht am 7. Juli die Strategie zur Nutztierhaltung (Livestock Strategy). Sie wird die Richtung vorgeben, ob der für das vierte Quartal 2026 geplante Legislativvorschlag zum Tierschutz verbindliche Maßnahmen wie ein Käfigverbot enthält.

Neben Animal Equality unterstützen 14 weitere Tierschutzorganisationen sowie 33 Expert*innen aus Veterinärmedizin, Rechtswissenschaften, Philosophie, Ethik, Politikwissenschaft und Verhaltensbiologie den Appell. Neben den zahlreichen Unterstützenden aus Deutschland, haben sich auch Expert*innen und Organisationen aus der Schweiz, Österreich, Großbritannien und den USA dem Aufruf von Animal Equality angeschlossen. Zu den prominenten Unterzeichnenden gehören unter anderem der führende Tierethiker Prof. Peter Singer (Princeton University/National University of Singapore), die international renommierte Völkerrechtsexpertin Prof. Anne Peters (Direktorin am Max-Planck-Institut für Völkerrecht), die aus den Medien bekannte Strafrechtlerin und Verfassungsrichterin Prof. Dr. Elisa Hoven (Universität Leipzig), Harvard-Absolventin Prof. Dr. iur. Charlotte E. Blattner (Universität Lausanne), ebenso wie die Landestierschutzbeauftragten aus Bremen, Niedersachsen und Hessen.

Ein Versprechen, das seit sechs Jahren nicht eingelöst wird

2020 kündigte die EU-Kommission im Rahmen der "Farm to Fork"-Strategie (Vom Hof auf den Tisch) an, die Tierschutzgesetzgebung bis Ende 2023 umfassend zu überarbeiten. 2021 folgte nach der erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative "End the Cage Age" mit über 1,4 Millionen Unterschriften die konkrete Zusage, die Käfighaltung schrittweise zu beenden - mit einem Legislativvorschlag bis Ende 2023 und Inkrafttreten ab 2027. Diese Frist ist längst verstrichen. Die EU-Kommission will am 7. Juli ihre EU-Livestock-Strategy zur landwirtschaftlichen Tierhaltung vorstellen. Diese Strategie dürfte wichtige Hinweise darauf geben, welche Richtung die Kommission für den im vierten Quartal 2026 geplanten Legislativvorschlag zum Tierschutz einschlägt - insbesondere, ob dieser verbindliche Maßnahmen wie einen Ausstieg aus der Käfighaltung enthält.

Drei zentrale Forderungen an die EU-Kommission

Vor diesem Hintergrund fordert der Appell die Europäische Kommission auf, den für das vierte Quartal 2026 geplanten Legislativvorschlag zur Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften fristgerecht vorzulegen und so auszugestalten, dass er

  1. ein schrittweises Auslaufen der Käfighaltung vorsieht.
  2. ein Verbot des Tötens männlicher Küken beinhaltet.
  3. faire Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt sicherstellt, indem Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Betrieben und Marktakteuren, die bereits in höhere Tierschutzstandards investieren, verringert und zugleich die Angleichung von Anforderungen für Importe in die EU sowie wirksame Kontrollen vorangebracht werden.

"Jeder Tag, an dem die EU-Kommission nicht handelt, bedeutet weiteres Leid für Millionen fühlende Lebewesen in Käfigen - ohne Möglichkeit, sich zu bewegen oder natürliches Verhalten auszuleben. Die Kommission weiß das und hat versprochen zu handeln. Aber der gesetzliche Vorschlag liegt bis heute nicht vor. Das Problem liegt nicht bei mangelnder Bereitschaft in der Gesellschaft oder Wirtschaft - es liegt bei einer Politik, die den Willen ihrer Bürger*innen ignoriert und ihre eigenen Versprechen nicht einhält."

- Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland

Wissenschaft und Öffentlichkeit fordern Handeln

Die Unterzeichnenden des Appells betonen, dass der Handlungsbedarf längst nicht mehr nur von Tierschutzorganisationen gesehen wird, sondern von Wissenschaft und einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung getragen wird:

Wissenschaft: Die von der EU-Kommission selbst beauftragte Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in mehreren Gutachten (u. a. zu Schweinen, Legehennen, Enten, Gänsen, Wachteln) klar festgestellt: Käfighaltung ist mit erheblichem Tierleid verbunden und muss beendet werden. Zudem hat die EFSA auf die Tierschutzbedenken im Zusammenhang mit Kükentöten hingewiesen und die Entwicklung sowie den Einsatz von Alternativen empfohlen.

Öffentlichkeit: Die Europäische Bürgerinitiative "End the Cage Age" wurde 2019 von mehr als 1,4 Millionen Menschen unterstützt. 84 % der Europäer*innen fordern laut Eurobarometer 2023 besseren Schutz für landwirtschaftlich genutzte Tiere. In der öffentlichen Konsultation der Kommission (2025) sprachen sich von über 190.000 gültigen Antworten rund 99 % für ein Ende der Käfighaltung aus.

Einheitliche, verbesserte EU-Standards dringend notwendig

Gerade das Beispiel Deutschland macht deutlich, warum ein verbindlicher EU-Rechtsrahmen dringend nötig ist: Deutschland hat aus Tierschutzgründen in einzelnen Bereichen strengere nationale Vorschriften erlassen - etwa das Verbot der konventionellen Käfighaltung in der Eierproduktion (2010), das Ende der Kleingruppenhaltung (2025) oder das Verbot des Kükentötens (2022). Viele Agrarbetriebe haben deshalb erheblich investiert und ihre Produktion umgestellt. Auch große deutsche Lebensmittelhändler haben bereits öffentliche Selbstverpflichtungen zu höheren Standards übernommen. Beispielsweise verkauft die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) seit 2021 kein Frischfleisch der niedrigsten Haltungsform mehr; Aldi, Rewe und Lidl haben sich den Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative verpflichtet, die wissenschaftsbasierte Tierschutzanforderungen für Hühnerfleisch festlegt.

Europäischer Wettbewerb: Deutschland im Nachteil

Ohne übergreifende und verbindliche Verbesserungsmaßnahmen werden die Betriebe, die bereits stärker in den Tierschutz investiert haben, im europäischen Wettbewerb benachteiligt. Deutsche Landwirt*innen, die in käfigfreie Haltung oder Umbaumaßnahmen investiert haben, konkurrieren mit Betrieben in anderen EU-Ländern, die weiterhin nach niedrigeren Standards produzieren. Hinzu kommen Importe aus Drittstaaten, die ohne entsprechende Auflagen auf den EU-Markt gelangen und preislich diejenigen unterbieten, die bereits höhere Standards umsetzen. Diese Wettbewerbsverzerrung bestraft genau die Akteure, die vorangegangen sind - und verhindert, dass auch andere nachziehen.

Dies führt auch dazu, dass auf nationaler Ebene der Tierschutz nur langsam und inkonsequent voranschreitet. Nationale Alleingänge stoßen schnell an Grenzen, wenn sie nicht durch EU-weite Standards flankiert werden. Betriebe fürchten Wettbewerbsnachteile, Politik zögert mit strengeren Vorgaben. Das Ergebnis: Trotz einiger Verbesserungen leben auch in Deutschland noch immer Millionen Tiere unter tierschutzwidrigen Bedingungen.

Was fehlt, ist ein fairer, einheitlicher EU-Rechtsrahmen, der allen Betrieben Planungssicherheit gibt und gleichzeitig das Leid der Tiere endlich wirksam reduziert.

Der Tierschutzappell ergänzt die Kampagne "EU-Tierschutzreform - Jetzt!" von Animal Equality, die mit einem Offenen Brief für alle Bürger*innen und mit kontinuierlichen Protestaktionen in Brüssel für strengere EU-Tierschutzgesetze kämpft.

Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected] oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 3004 0892.

Folgende Inhalte stehen Ihnen in unserem Pressekit zur Verfügung:

  • Die vollständige Pressemitteilung
  • Den kompletten Wortlaut des Tierschutzappells inkl. Liste aller knapp 50 Unterzeichnenden
  • Beiblatt "Was bisher geschah"
  • Bildmaterial
  • Merkblatt zur Käfighaltung in der EU
  • Merkblatt zur Kükentötung in der EU
  • Vorstellung "Über Animal Equality"

Über Animal Equality

Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.

Rückfragen & Kontakt

Pressekontakt Animal Equality:
Animal Equality Germany e.V.
Till Hartmann
[email protected]
+49 (0)176 30040892

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