• 17.06.2026, 12:12:03
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  • OTS0107

Forschungsprojekt untersucht die Rolle der damaligen Montanistischen Hochschule in den Jahren 1938 bis 1945

v.l.n.r.: Vizerektor für Lehre und Internationales Thomas
Prohaska, Vizerektorin für Marketing und Stakeholder Management
Christina Holweg, Rektor Peter Moser, Univ.-Prof. Dr. Barbara
Stelzl-Marx (Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts), Dr. Katharina
Bergmann-Pfleger, Vizerektorin für Finanzen und Infrastruktur
Manuela Raith und Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit Helmut
Antrekowitsch.
Leoben (OTS) - 

Die Montanuniversität Leoben stellt sich einem zentralen Kapitel ihrer Geschichte: In einem einjährigen Forschungsprojekt werden Rolle, Verflechtungen und Handlungsspielräume der damaligen Montanistischen Hochschule in der Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich beleuchtet. Das Projekt, das gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und der Universität Graz durchgeführt wird, wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert.

Projektstart und Zielsetzung

Ziel der Initiative ist eine historisch fundierte, unabhängige und transparente Auseinandersetzung mit den Jahren 1938 bis 1945. Untersucht werden institutionelle Entwicklungen, personelle Kontinuitäten und Brüche sowie die Auswirkungen nationalsozialistischer Politik auf Forschung, Lehre und Verwaltung an der Hochschule. Die Montanuniversität Leoben bekennt sich damit ausdrücklich zu ihrer historischen Verantwortung und will einen Beitrag zu einer reflektierten Erinnerungskultur leisten.

Historischer Kontext und Relevanz

Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurden Hochschulen nicht nur zu Orten der Wissenschaft, sondern auch in politische, wirtschaftliche und ideologische Strukturen des NS-Staates eingebunden. Für eine technische beziehungsweise montanistische Hochschule ist dieser Kontext in besonderer Weise bedeutsam: Rohstoffe, Industrie und fachliche Expertise spielten eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Wirtschafts-, Autarkie- und Rüstungspolitik. Das Projekt analysiert daher, wie sich Forschungsschwerpunkte, Netzwerke und fachliche Selbstverständnisse unter den Bedingungen von Diktatur, Krieg und NS-Wissenschaftspolitik veränderten.

Menschen und Verantwortungen

Im Fokus stehen nicht nur Institutionen, sondern auch die Menschen, die an der Montanistischen Hochschule lehrten, studierten und arbeiteten. Untersucht werden Formen von Beteiligung, Anpassung, Karrieren, Verantwortung und mögliche Täterschaft. Das Projekt rekonstruiert, wer von neuen Macht- und Karriereverhältnissen profitierte, sich anpasste oder Handlungsspielräume nutzte und welche Lebenswege Betroffene nahmen.

Kooperation, Unabhängigkeit und wissenschaftliche Leitung

Die Initiative wurde vom Rektorat der Montanuniversität Leoben unter der Leitung von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Peter Moser angestoßen. Die wissenschaftliche Durchführung liegt beim Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx. Durchgeführt wird die Forschung in enger Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Graz. Ein externer wissenschaftlicher Beirat wird das Projekt fachlich begleiten und die Unabhängigkeit der Arbeit zusätzlich absichern.

Methodik und Quellenbasis

Die Untersuchung stützt sich auf umfassende Recherchen in universitären und externen Archiven, auf die systematische Auswertung einschlägiger Primärquellen und Forschungsliteratur sowie auf die kritische Einbeziehung von Erinnerungsberichten, Selbstzeugnissen und gegebenenfalls Zeitzeugenberichten. Die Forschung erfolgt unabhängig und ergebnisoffen.

Transparenz und Publikation

Am Ende des Projekts wird ein wissenschaftlicher Abschlussbericht vorgelegt, der öffentlich zugänglich sein wird. Der Bericht soll zentrale Entwicklungslinien, belastbare Befunde und offene Fragen transparent machen und damit eine Grundlage für weiterführende Forschungen schaffen.

Stimmen zum Projekt

Rektor Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Peter Moser: „Wir stellen uns als Montanuniversität Leoben unserer historischen Verantwortung. Die Jahre 1938 bis 1945 sind ein belastetes Kapitel unserer Universitätsgeschichte, das wir nicht ausblenden, sondern wissenschaftlich fundiert, unabhängig und transparent aufarbeiten wollen. Gerade weil Wissenschaft, Technik, Rohstoffe und Industrie in der Zeit des Nationalsozialismus eine besondere Rolle spielten, ist diese Auseinandersetzung für eine montanistische Universität von großer Bedeutung. Dieses Projekt soll dazu beitragen, Geschichte sichtbar zu machen, Verantwortung zu übernehmen und eine reflektierte Erinnerungskultur weiterzuentwickeln.“

Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Graz: „Das Projekt richtet den Blick auf die besondere Verantwortung der Montanuniversität Leoben in der Zeit des Nationalsozialismus. Erstmals untersucht es die Verflechtungen von Wissenschaft, Industrie und Kriegswirtschaft an diesem Standort ebenso wie die Lebenswege jener Menschen, die hier von den politischen Verhältnissen profitierten, ausgeschlossen oder verfolgt wurden. Ich freue mich sehr, dass ich mit meinem Team am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und am Institut für Geschichte der Universität Graz diese Tiefenbohrung in die Zeitgeschichte vornehmen kann.“

Beirat
Zur fachlichen Begleitung des Projekts wird ein externer wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Er unterstützt die Qualitätssicherung, die methodische Reflexion und die wissenschaftliche Anschlussfähigkeit der Aufarbeitung. Dem Beirat gehören ausgewiesene Expertinnen und Experten der Zeitgeschichte, Universitätsgeschichte, Erinnerungskultur und NS-Forschung an: Univ.-Prof. Dr. Mitchell G. Ash, Mag.a Dr.in. Linda Erker, Prof. Mag.a. Hannah M. Lessing, Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Marschnig, und Univ.-Prof. Mag. Dr. Dirk Rupnow.
Der Beirat begleitet das Projekt beratend, die wissenschaftliche Verantwortung und Durchführung liegen beim Forschungsteam.

Ausblick
Mit der systematischen Aufarbeitung ihrer NS-Geschichte setzt die Montanuniversität Leoben ein deutliches Zeichen für wissenschaftliche Redlichkeit, historische Verantwortung und Transparenz. Die Ergebnisse sollen den weiteren Dialog über Erinnerungskultur und Verantwortung in Wissenschaft und Gesellschaft nachhaltig unterstützen und zugleich eine Grundlage für weiterführende Forschungen bilden.

Link zur Webseite: https://www.unileoben.ac.at/universitaet/ziele-und-werte/geschichte/forschungsprojekt-zur-universitaetsgeschichte/

Rückfragehinweise:
Mag. Christine Adacker
Pressesprecherin, Montanuniversität Leoben
[email protected]
+43 3842 402 7224

Rückfragen & Kontakt

Montanuniversität Leoben
Mag. Christine Adacker
Telefon: +43 | 3842 402 7224
E-Mail: [email protected]

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