- 16.06.2026, 11:36:03
- /
- OTS0086
Digital News Report 2026
Strukturwandel der Nachrichtennutzung in Österreich nimmt Fahrt auf

Die Nachrichtennutzung in Österreich befindet sich in einem anhaltenden Strukturwandel, der sich entlang der Altersgruppen ausdifferenziert. Dies geht aus den aktuellen Detailergebnissen des Digital News Report 2026 für Österreich hervor, die der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg als nationaler Kooperationspartner des Reuters Institute for the Study of Journalism (University of Oxford) vorlegt. Der Erhebung liegt eine Online-Befragung von 2.025 Personen ab 18 Jahren zugrunde (Feldzeit: 9. Jänner bis 4. Februar 2026). Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Online-Bevölkerung ab 18 Jahren. Drei Befunde treten in der diesjährigen Erhebung besonders hervor.
Fernsehen weiterhin führend, soziale Medien an zweiter Stelle
In der Gesamtbevölkerung bleiben klassische Fernsehnachrichten mit 29,7 Prozent die meistgenannte Hauptnachrichtenquelle. An zweiter Stelle folgen soziale Medien (18,3 Prozent), die Radio-Nachrichten (13,3 Prozent) sowie die Websites und Apps von Tageszeitungen (12,7 Prozent) hinter sich lassen. Bemerkenswert ist die Aggregationsebene dieses Befundes: Über alle Altersgruppen hinweg rangiert eine plattformvermittelte Quelle damit bereits an zweiter Position. In der Binnendifferenzierung nach Alter verschiebt sich dieses Verhältnis erheblich – in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen stellen soziale Medien mit 46,7 Prozent die dominierende Hauptnachrichtenquelle dar (2025: 33,1 Prozent), während die Bedeutung des Fernsehens in dieser Kohorte auf 13,7 Prozent zurückgeht.
Vertrauensniveau stabilisiert sich auf moderatem Niveau
Der Anteil der Befragten, die der Aussage „Den meisten Nachrichten kann man die meiste Zeit über vertrauen“ zustimmen, liegt 2026 bei 39,3 Prozent und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr (40,6 Prozent); die Differenz von 1,3 Prozentpunkten liegt innerhalb der für nicht-probabilistische Stichproben anzunehmenden Schwankungsbreite und ist nicht als belastbarer Rückgang zu interpretieren. Der Anteil ablehnender Antworten ist mit 29,0 Prozent konstant. Damit setzt sich der in den Vorjahren beobachtete Vertrauensverfall nicht weiter fort, sondern weicht einer Stabilisierung auf historisch moderatem Niveau. Eine altersdifferenzierte Betrachtung zeigt zudem, dass das Vertrauen in der jüngsten Kohorte (18 bis 24 Jahre) gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat.
Mehrheitlich positive Bewertung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Erstmals prominent ausgewertet wird die Einschätzung der gesellschaftlichen Wirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auf die Frage, ob von öffentlich-rechtlichen Anbietern bereitgestellte Nachrichten einen positiven oder negativen Einfluss auf das Leben im Land haben, entfällt ein Nettoanteil von 37,6 Prozent auf eine positive Bewertung (Kategorien „sehr positiv“ und „eher positiv“), während 24,1 Prozent eine negative Wirkung attestieren. Mit 34,5 Prozent verortet sich der größte Einzelanteil in der neutralen Mittelkategorie. Die positive Bewertung überwiegt die negative somit um 13,5 Prozentpunkte, bei gleichzeitig substanziellem Anteil ambivalenter oder unentschiedener Einschätzungen.
Plattformbasierte Nutzung, Zahlungsbereitschaft und algorithmische Vermittlung
Über die drei dargestellten Schwerpunkte hinaus dokumentiert die Erhebung weitere Entwicklungen, die den Strukturwandel der Nachrichtennutzung präzisieren. Die zunehmende Bedeutung sozialer Medien konzentriert sich ausgeprägt auf die jüngeren Kohorten: Während der Anteil, der soziale Medien als Hauptnachrichtenquelle nennt, in der Gesamtbevölkerung von 13,8 Prozent (2025) auf 18,3 Prozent (2026) zunimmt, steigt er in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen von 33,1 auf 46,7 Prozent. Innerhalb der plattformbasierten Nutzung dominiert bei den jungen Erwachsenen Instagram (52,3 Prozent), gefolgt von YouTube und TikTok; über alle Altersgruppen hinweg bleibt Facebook die meistgenannte Plattform. Erstmals quantifiziert wird zudem die Reichweite von Nachrichteninhalten einzelner Personen: 28 Prozent der Befragten rezipieren Nachrichten von Content-Creators oder Influencer:innen, 17,1 Prozent von solchen mit explizitem Nachrichtenfokus.
Künstliche Intelligenz tritt als Vertrauensobjekt in Erscheinung, ohne bereits eine relevante Hauptnutzungsform darzustellen: Rund ein Viertel der unter 35-Jährigen bringt nachrichtlichen Inhalten aus KI-Chatbots Vertrauen entgegen, während der Anteil, der KI-Chatbots als Hauptnachrichtenquelle nennt, mit unter einem Prozent marginal bleibt. Rückläufig entwickelt sich die Zahlungsbereitschaft: Der Anteil der Befragten, die in den vorangegangenen zwölf Monaten für Online-Nachrichten bezahlt haben, sinkt von 22,0 auf 16,1 Prozent; der deutlichste Rückgang entfällt mit 16,6 Prozentpunkten auf die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen (von 45,4 auf 28,8 Prozent), deren Vorjahreswert allerdings eine Ausnahmeposition einnahm. Die aktive Nachrichtenvermeidung verharrt mit 71,1 Prozent auf hohem Niveau, verlagert sich jedoch in die mittleren Altersgruppen und erreicht bei den 35- bis 44-Jährigen mit 76,1 Prozent ihren Höchstwert. Die Besorgnis über die Unterscheidbarkeit von zutreffenden und unzutreffenden Informationen im Internet ist mit rund 51 Prozent bei den 18- bis 34-Jährigen am stärksten ausgeprägt – mithin in jener Gruppe, deren Nachrichtennutzung am stärksten plattformvermittelt erfolgt.
Studiendesign und Methodik
Der Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism (University of Oxford) ist die international vergleichend angelegte, fortlaufende Untersuchung zur Nachrichtennutzung. Die Erhebung umfasst 48 Länder mit insgesamt rund 100.000 Befragten; Österreich ist seit 2016 durchgängig Teil der Studie. Die nationale Teilstudie wird vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verantwortet. Die Datenerhebung erfolgte als Online-Befragung einer Quotenstichprobe der österreichischen Internetbevölkerung ab 18 Jahren (n = 2.025; Feldzeit 9. Jänner bis 4. Februar 2026). Aufgrund des nicht-probabilistischen Stichprobendesigns sind Differenzen von bis zu zwei Prozentpunkten in der Regel nicht als statistisch bedeutsam zu interpretieren; Aussagen zu Teilgruppen mit geringer Fallzahl – etwa den 18- bis 24-Jährigen – unterliegen einer größeren Schwankungsbreite und sind vorrangig im Mehrjahresvergleich belastbar.
Projektwebsite und Zugang zum Report
Rückfragen & Kontakt
Universität Salzburg, Fachbereich Kommunikationswissenschaft
Stefan Gadringer
Telefon: +43 662 8044-4125
E-Mail: [email protected]
Website: https://digitalnewsreport.at/
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF






