• 16.06.2026, 10:30:04
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Kardiologie trifft Onkologie: Kombinationstherapien erhöhen Überleben und Lebensqualität

Ao. Univ.-Prof. Dr. Jutta Bergler-Klein, Leitung der Ambulanz für
Kardio-Onkologie an der Abteilung für Kardiologie, Univ. Klinik für
Innere Medizin II der Meduni Wien, Vorstandsmitglied des ESC Council
of Cardio-Oncology sowie Local Host der ESC Cardio-Oncology
Konferenz 2026
Wien (OTS) - 

Bis zu 30 Prozent der Krebspatienten haben oder entwickeln im Laufe der Therapie oder ihres Lebens kardiologische Probleme. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich zusätzlich zur Krebsbehandlung auch ein begleitendes kardiologisches Screening und, wo notwendig, eine Kombinationstherapie. Wie durch die Zusammenarbeit von Kardiologie und Onkologie für die Betroffenen eine höhere Überlebensrate und Lebensqualität ermöglicht werden kann, darum geht es bei der ESC Cardio-Oncology-Konferenz, die vom 19. bis 20. Juni im Austria Center Vienna stattfindet.

„In Österreich erkranken jährlich zwischen 40.000 und 50.000 Menschen an Krebs. An die 10 bis 30 Prozent von ihnen haben eine bestehende Herzerkrankung oder benötigen im Zuge der Krebsbehandlung auch eine kardiologische Kombinationstherapie. Die Rolle der Kardiologie ist es nicht, die lebenswichtige Krebstherapie zu verhindern, sondern die Patientinnen und Patienten von Anfang an auch kardiologisch zu begleiten und, wo notwendig, auch mit Herztherapien zu unterstützen, damit sie generell sowohl den Krebs als auch mögliche kardiologische Nebenwirkungen gut überleben und eine gute, langfristige Lebensqualität haben“, so Ao. Univ.-Prof. Dr. Jutta Bergler-Klein, Leitung der Ambulanz für Kardio-Onkologie an der Abteilung für Kardiologie, Univ. Klinik für Innere Medizin II der Meduni Wien, Vorstandsmitglied des ESC Council of Cardio-Oncology sowie Local Host der ESC Cardio-Oncology Konferenz 2026.

Höhere Überlebensrate bei Krebs rückt Herzgesundheit in den Fokus

Dank der modernen Krebstherapien gibt es einen enormen Anstieg in der Überlebensrate von Krebs. „So besiegen und überleben mittlerweile an die 80 % der Brustkrebspatientinnen diese Erkrankung. Krebs kann durch die neuen präzisen Tumorbehandlungen oftmals geheilt werden oder ist mittlerweile eine chronische Erkrankung geworden, mit der lange gelebt werden kann. Durch diesen Wandel und die damit einhergehende längere Lebensdauer, ist es uns Kardiolog*innen ein großes Anliegen, dass Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen, die durch die Krebsbehandlung auftreten können, verhindert oder zumindest abgemildert werden. Dieses höhere kardiovaskuläre Risiko kann im Zuge der Krebstherapie selbst oder auch als Spätfolge noch Jahre später auftreten. Daher ist es so wichtig, bei Krebspatient*innen auch ihre Herzgesundheit ins Bewusstsein zu rücken und sowohl während der Krebstherapie als auch in der Nachsorge auf das Herz zu achten,“ betont sie. Es können während oder nach Krebstherapien vermehrt Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen (z. B. Vorhofflimmern), Hypertonie, oder auch seltener Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Koronarsyndrome (Herzinfarkt) auftreten.

Kardiovaskuläres Risiko von Beginn an erkennen und behandeln

Generell kann das individuelle kardiovaskuläre Risiko bei Krebspatienten gut abgeschätzt werden. So nimmt es generell mit zunehmendem Alter, dem Rauchen, einer früheren Krebserkrankung und mit Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Diabetes, bestehende Herzschwäche und überlebter Herzinfarkt zu. EKG, Herz-Echo-Untersuchungen sowie die Auswertung von weiteren Bio-Markern wie Blutzucker, Cholesterin sowie die Herz-Hormone BNP (B-Typ natriuretisches Peptid) und NT-proBNP (inaktives Vorläufer-Fragment von BNP), die im Herzen gebildet werden, wenn das Herz überlastet oder gedehnt ist, geben Aufschluss darüber, wie es um die Herzgesundheit steht. Auch CT-Bilder, die meist für die Krebsdiagnose angefertigt werden, können bereits mögliche koronare Verkalkungen bei den Herzkranzgefäßen aufdecken. „Wichtig ist natürlich, dass wir für diese kardiologischen Abklärungen zeitnahe Termine und damit auch mehr Ressourcen brauchen, damit es bei der onkologischen Behandlung zu keiner Verzögerung kommt“, betont Bergler-Klein.

Kombitherapie – Krebs und kardiologische Erkrankung

Wird beim Patienten ein höherer BNP-Wert im Blut entdeckt, wird während der Krebsbehandlung in regelmäßigen Abständen eine kontrollierende Herz-Echokardiographie für die Herzleistung durchgeführt. Sollte diese auf eine sich entwickelnde Herzschwäche hindeuten, oder bei Symptomen wie beispielsweise dem Auftreten von Atemnot oder Beinödemen, beginnt die begleitende Behandlung mit Medikamenten wie z.B. ACE-Hemmern/ ARB, Sacubitril Valsartan, Beta-Blockern und SGLT2-Inhibitoren. Wird bei den Vorsorgeuntersuchungen eine koronare Gefäßerkrankung beispielsweise durch Veränderungen im EKG, Angina pectoris Symptomatik oder Anstieg von Troponin im Serum entdeckt, wird eine Koronar-Untersuchung mit CT oder Herzkatheter durchgeführt und während der Krebstherapie eventuell ein Stent im Herzen gesetzt. Um mögliche Herzschäden im Zuge der Chemotherapie mit Anthrazyklinen zu verhindern, gibt es auch das Medikament Dexrazoxan, das hierbei das Herz schützen soll, wenn bereits Herzinsuffizienz oder Chemotherapie-Vorbehandlungen bestehen, sowie das liposomale Anthrazyklin. „In vielen Fällen haben wir eine gute begleitende Kardio-Therapie an der Hand. In manchen Fällen kann es in der Onkologie zu einer Anpassung der Dosis oder der vorbeugenden Wahl eines anderen Verfahrens zur Krebsbekämpfung kommen“, so Bergler-Klein.

Herz-Beobachtung als wichtige Nachsorge bei Krebspatienten

„Generell haben Krebspatienten ein höheres Risiko im Laufe ihres Lebens eine kardiovaskuläre Erkrankung zu bekommen. Das ist den Eltern und Kindern, die im Zuge ihrer Kindheit eine hochwirksame, aber auch hochdosierte Krebsmedikamente erhalten haben, oft nicht bewusst. Damit diese als junge Erwachsene nicht schon frühzeitig im Verlauf beispielsweise mit 25-30 Jahren eine Herzschwäche entwickeln, ist es hier besonders wichtig, frühzeitig jährliche Vorsorgeuntersuchungen und alle 5 Jahre Herzfunktionstests (Echokardiographie) zu machen und dann, so notwendig, auch frühzeitig mit entsprechenden Herztherapien zu beginnen“, betont Bergler-Klein. Auch wer Krebs im Erwachsenenalter besiegt, sollte als wichtige Nachsorge sein Herz regelmäßig beobachten lassen. Nach besiegtem Brustkrebs verdoppelt sich beispielsweise das Risiko, innerhalb von 5 Jahren ein Herzleiden (z.B. Herzschwäche, Koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern) zu entwickeln.

Über die IAKW-AG und ESC
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Austria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie rund 26.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Die European Society of Cardiology (ESC) ist die führende Fachgesellschaft mit 58 Mitgliedsländern und über 100.000 Mitgliedern im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nach wie vor weltweit die häufigste Todesursache sind. Der ESC-Kongress gilt als größte und einflussreichste kardiovaskuläre Fachversammlung weltweit. Die ESC organisiert aufbauend auf den Erfolg der ersten Konferenz des ESC Council of Cardio-Oncology im Jahr 2025 nun auch heuer die ESC Cardio-Oncology-Konferenz, die vom 19. bis 20. Juni im Austria Center Vienna stattfindet. Die Konferenz bringt weltweit führende Experten aus den Bereichen Kardiologie, Onkologie, Hämatologie, Strahlentherapie und verwandten Fachgebieten zusammen, um zu erörtern, wie kardiovaskuläre Risiken bei Krebspatienten und Überlebenden verringert werden können. Die Zusammenarbeit dieser Disziplinen ist ein entscheidender Faktor für die Verbesserung der Patientenergebnisse und die Konferenz dient als internationales und nationales Forum, um die Zukunft dieses sich rasch entwickelnden Fachgebiets mitzugestalten. Es finden gemeinsame Sitzungen mit der ESMO (European Society of Medical Oncology), EHA (European Hematology Association), sowie ESTRO (European Society for Radiotherapy and Oncology) und EACVI (European Association of Cardiovascular Imaging) statt. https://www.acv.at/de/

Rückfragen & Kontakt

Mag. (FH) Claudia Reis, MA
Pressesprecherin Wissenschaft

Austria Center Vienna
Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, AG
Bruno-Kreisky-Platz 1, A-1220 Wien

T: +43-1-26069-331
M: +43-676-3199523
[email protected]
www.acv.at

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