• 16.06.2026, 09:40:02
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„Tag des frischen Gemüses 2026“ von Herausforderungen der Betriebe geprägt

Mehr Arbeitskräfte und Schutzmöglichkeiten für Ernte, weniger Bürokratie gefordert

Wien (OTS) - 

Auch wenn die Konsumentinnen und Konsumenten gewöhnt sind, in den Regalen vielfältiges heimisches Gemüse in Topqualität vorzufinden, kämpfen die Gemüsebaubetriebe selbst mit erheblichen Herausforderungen. Der Bundesgemüsebauverband (BGV) und der Österreichische Branchenverband für Obst und Gemüse (ÖBOG) nehmen daher den heutigen „Tag des frischen Gemüses 2026“ zum Anlass, um auf zentrale Anliegen und Notwendigkeiten der Branche hinzuweisen. Sie warnen, dass der Kampf mit Klimaanpassung und Bürokratie, aber auch das Ringen um ausreichend Arbeitskräfte und Möglichkeiten zum Schutz der Kulturen viele Gemüsebäuerinnen und -bauern von längst notwendigen Investitionen abhalten. Nachhaltige Verbesserungen werden gefordert.

Bewässerung im Gemüsebau mittlerweile unverzichtbar

„Das heurige Jahr war wettertechnisch bisher alles andere als konstant: Auf einen trockenen, aber kalten Winter folgte zwar ein deutlich niederschlagsreicherer Februar, danach wurde es vielerorts aber wieder sehr trocken. Die Niederschlagsdefizite konnten im Gemüsebau großteils durch Bewässerung ausgeglichen werden. Insbesondere im Mai hat sich einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar Wasser und Bewässerung für unsere Produktion sind“, berichtet der Präsident des Bundesgemüsebauverbands, Karl Auer, und weiter: „Hinzu kamen starke Temperaturschwankungen mit Werten vom leichten Minusbereich bis 25°C innerhalb weniger Tage. Sonst verlief der Saisonstart zeitlich insgesamt sehr normal, sodass heimische Produkte wie geplant an den LEH und andere Abnehmer geliefert werden konnten und können.“

„Die wirtschaftliche Situation im Gemüsebau bleibt heuer jedoch weiterhin sehr angespannt. Trotz dauerhaft steigender Produktionskosten kann man von einer Inflationsanpassung bei den Erzeugerpreisen nur träumen – bei manchen Produkten werden sogar Preise unter dem Vorjahresniveau abgeschlossen. Diese Entwicklung wirkt sich zunehmend auf die Investitionsbereitschaft der Betriebe aus“, warnt Auer.

Fehlende Investitionen besorgniserregend

„Laut internen Erhebungen des Bundesgemüsebauverbandes investieren derzeit lediglich rund 27% der Betriebe aktiv in die Weiterentwicklung ihrer Produktion. Etwa 37% tätigen ausschließlich notwendige Ersatzinvestitionen und warten die weitere Entwicklung ab. Der verbleibende Teil verzichtet selbst darauf. Einzelne Betriebe haben bereits konkrete Maßnahmen für einen Ausstieg gesetzt“, berichtet der BGV-Präsident. „Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang auch die Situation bei der Betriebsnachfolge: Nur rund 40% jener Gemüsebetriebe, bei denen die Betriebsleitung innerhalb der nächsten 15 Jahre in Pension gehen wird, haben derzeit ihre Nachfolge gesichert“, gibt Auer zu bedenken.

Situation im Bereich der Arbeitskräfte spitzt sich zu

Mitgrund dafür ist sicher auch, dass steigende Lohn(neben)kosten und Verfügbarkeit von Arbeitskräften eine zunehmende Belastung für die Gemüsebaubetriebe darstellen – genauso wie für die ebenso arbeitsintensiven Obstbaubetriebe. „Viele Nachbarländer mit vergleichbarem Lohnniveau haben Sonderregelungen für Saisonarbeitskräfte eingeführt, etwa in Form deutlich reduzierter Lohnnebenkosten. Solche Modelle gewinnen EU-weit zunehmend an Bedeutung. Wir brauchen daher auch in Österreich rasch umsetzbare und rechtssichere Lösungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Gemüseproduktion langfristig abzusichern. Kleine Anpassungen wie eine Reduktion der Lohnnebenkosten um 1% sind zwar positiv, gleichen die bestehenden Wettbewerbsnachteile aber bei weitem nicht aus“, betont ÖBOG-Obmann Manfred Kohlfürst.

Außerdem seien die verfügbaren Kontingente aktuell in vielen Bundesländern bereits ausgeschöpft bzw. sehr knapp, wodurch Betriebe zum Teil keine weiteren Arbeitskräfte aus Drittstaaten beschäftigen können. „Vor allem im Hinblick auf die kommenden Monate stellt sich die Frage, wie die anfallende Arbeit überhaupt bewältigt werden soll“, so Kohlfürst. „Außerdem bestehen bei der Anstellung der Saisonarbeitskräfte erhebliche bürokratische Hürden, die dringend vereinfacht und praxisnäher gestaltet werden sollten“, fordert der ÖBOG-Obmann, genauso wie BGV-Präsident Auer.

Pflanzenschutz – eine dauerhafte Herausforderung

„Im Pflanzenschutzbereich konnten zwar – auf Drängen bäuerlicher Interessenvertreter – Verbesserungen und mehr Fairness im europäischen Wettbewerb erreicht werden. Große Sorgen bereitet jedoch weiterhin der laufende Wegfall von Wirkstoffen auf EU-Ebene. Das gefährdet langfristig auch die Wirksamkeit“, warnt Auer. „Auch der Bürokratieabbau bleibt eine dringende Notwendigkeit – allein schon bei den Aufzeichnungen. Hier braucht es dringend eine echte Entlastung, damit sich die Betriebe wieder stärker auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können“, so der Verbandspräsident, der sich auch für eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung ausspricht.

Rückfragen & Kontakt

Österreichischer Branchenverband für Obst und Gemüse (ÖBOG)
DI Polona Scheuba, BSc BSc, Geschäftsführerin
Telefon: +43 676 83441 8556
E-Mail: [email protected]

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