- 15.06.2026, 10:42:03
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Mehr Vorsorge. Mehr Zukunft. Wie Prävention Gesundheit fördert und das System entlasten kann
Zum 15-jährigen Jubiläum von „zukunft gesundheit“ diskutierten Expert:innen, wie Prävention gestärkt und das Gesundheitssystem langfristig abgesichert werden kann.

Seit mehr als 50 Jahren gibt es in Österreich die Vorsorgeuntersuchung. Dennoch nutzt bis heute nur ein geringer Anteil der Bevölkerung dieses kostenlose Angebot. Dabei gilt Prävention längst als einer der wirksamsten Hebel, um Krankheiten zu vermeiden, früh zu erkennen, Lebensqualität zu erhalten und das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. Angesichts steigender Ausgaben und eines wachsenden Versorgungsbedarfs gewinnt die Frage, wie Vorsorge wirksamer gestaltet werden kann, zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund diskutierten im Rahmen des 15. Geburtstages der Dialogreihe „zukunft gesundheit" und des Schwerpunktjahres 2026 zum Thema Vorsorge hochkarätige Vertreter:innen aus Bund, Ländern, Sozialversicherung, Wissenschaft und Praxis, wie Prävention künftig besser im System verankert werden kann.
15 Jahre „zukunft gesundheit – Heute Ideen für Morgen“
Wie Prävention künftig stärker im Gesundheitssystem verankert werden kann und welche strukturellen Reformen, Anreizmodelle und datenbasierten Lösungen dafür notwendig sind, stand im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung „zukunft gesundheit – Heute Ideen für Morgen“ am 1. Juni 2026 in der Factory im Künstlerhaus in Wien. Zum 15-jährigen Bestehen der Diskussionsreihe diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Sozialversicherung und Medizin darüber, wie Prävention von einem vielfach beschworenen Ziel zu einer tragenden Säule eines zukunftsfähigen und finanzierbaren Gesundheitssystems werden kann. Nach den Begrüßungsworten von Nicole Schlautmann, MBA, Geschäftsführerin von MSD Österreich, und Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Präsident der Karl Landsteiner Gesellschaft, eröffnete Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig die Veranstaltung mit einem klaren Appell, Vorsorge stärker in den Alltag der Menschen zu bringen.
Wirksame Vorsorge: Von der Erkenntnis zur Umsetzung
„Wir haben viele gute Vorsorgeangebote. Die Herausforderung besteht darin, die Menschen tatsächlich zu erreichen und ihnen zu vermitteln, warum Vorsorge wichtig ist“
, betonte Königsberger-Ludwig. Das Wissen über den Nutzen von Vorsorge müsse noch stärker in die Bevölkerung getragen werden. Als wichtiger Hebel gilt dabei, Menschen genau dort zu erreichen, wo sie bereits mit dem Gesundheitssystem in Kontakt stehen – etwa indem Vorsorgeuntersuchungen, Rehabilitationsaufenthalte oder andere Präventionsangebote verstärkt genutzt werden, um auf bestehende kostenfreie Impfangebote für Kinder und Erwachsene aufmerksam zu machen und diese direkt anzubieten.
Welche Möglichkeiten moderne Datenanalysen dabei eröffnen können, zeigte DI Dr. Nikolas Popper, Senior Scientist an der Data Science Research Unit der TU Wien. Daten, Simulationen und künstliche Intelligenz könnten helfen, Auswirkungen von Maßnahmen besser abzuschätzen und gesundheitspolitische Entscheidungen evidenzbasiert zu treffen. „Wenn wir Daten richtig nutzen, können wir unterschiedliche Szenarien durchspielen und die Auswirkungen von Entscheidungen sichtbar machen. Die Modelle helfen uns, Evidenz zu schaffen – die Interpretation muss aber immer beim Menschen bleiben“
, so Popper.
Dass aus Erkenntnissen auch konkrete Maßnahmen entstehen können, verdeutlichte Mag. Dr. Michael Müller, Direktor des Geschäftsbereichs Leistung & Prävention der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), am Beispiel des neuen SVS-Vorsorgepasses. Dieser bündelt bestehende Vorsorgeangebote und setzt gezielt Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten. „Nudging bedeutet nicht, Menschen zu bevormunden, sondern sie dabei zu unterstützen, selbstbestimmt etwas für ihre Gesundheit zu tun“
, erklärte Müller. Der Vorsorgepass sei ein Versuch, Gesundheitskompetenz, Motivation und Vorsorge stärker miteinander zu verbinden und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.
Prävention als Investition in die Zukunft des Systems
In der Diskussion wurde deutlich, dass Prävention weit mehr ist als eine individuelle Gesundheitsfrage. Angesichts steigender Kosten und eines wachsenden Versorgungsbedarfs sei sie zunehmend auch eine Frage der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. Peter McDonald, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), plädierte dafür, den Blick stärker auf die Vermeidung von Erkrankungen zu richten. „Die größere Herausforderung ist es, Krankheiten möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen oder frühzeitig zu erkennen“
, sagte McDonald. Prävention könne – beginnend bei der täglichen Turnstunde bis hin zur Überarbeitung der Vorsorgeuntersuchung, die sich auch die ÖGK vorgenommen hat, und Steigerung der Teilnahmerate an dieser Untersuchung – dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen gezielter einzusetzen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems langfristig zu sichern.
Einigkeit herrschte auch darüber, dass Vorsorge künftig strukturierter erfolgen müsse. Unterschiedliche Auffassungen gab es hingegen bei der Frage, wie Menschen tatsächlich zu gesundheitsbewusstem Verhalten motiviert werden können. Dr.in Susanne Rabady, Past President der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, sprach sich für zielgerichtete und evidenzbasierte Prävention aus. „Gute Prävention bedeutet, die richtigen Untersuchungen den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt anzubieten. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für Prävention und Gesundheitsförderung“
, so Rabady. Gleichzeitig warnte sie davor, Prävention mit möglichst vielen Untersuchungen gleichzusetzen.
Deutlich weiter ging Prim. Univ.-Prof. Martin Clodi, Abteilungsvorstand für Innere Medizin bei den Barmherzigen Brüdern Linz, Präsident der Cholesterin Allianz und Past President der Österreichischen Diabetesgesellschaft. Er forderte eine wesentlich stärker strukturierte Früherkennung von Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Cholesterinwerten bereits im Kindes- und Jugendalter sowie eine konsequentere Nutzung vorhandener Gesundheitsdaten. „Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte entstehen nicht plötzlich im Erwachsenenalter. Wenn wir diese Risikofaktoren früh erkennen und behandeln, gewinnen wir wertvolle Jahre bei guter Gesundheit“
, betonte Clodi. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, Vorsorgeuntersuchungen verbindlicher zu gestalten. Langfristig müsse auch diskutiert werden, ob Menschen, die empfohlene Vorsorgeangebote wiederholt nicht wahrnehmen, stärker in die Verantwortung genommen werden sollten, indem beispielsweise höhere Sozialversicherungsbeiträge anfallen oder Vergünstigungen wegfallen.
Einen weiteren Hebel sieht die Gesundheitssprecherin und Nationalratsabgeordnete der Volkspartei, Mag.a Dr.in Juliane Bogner-Strauß, in der besseren Nutzung bereits vorhandener Erkenntnisse und erfolgreicher Projekte. „Wir verfügen über viele Daten und zahlreiche erfolgreiche Projekte. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir handeln können, sondern wie wir dieses Wissen nutzen, um Menschen gezielt zu den Vorsorgeangeboten zu bringen, die sie wirklich brauchen“
, sagte Bogner-Strauß.
Prävention als Reformchance
Trotz unterschiedlicher Zugänge zeichnete sich am Ende des Abends ein gemeinsames Bild ab: Es mangelt nicht an Wissen über wirksame Prävention. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, bestehende Erkenntnisse konsequenter in Versorgung, Finanzierung und Gesundheitskompetenz zu übersetzen. Denn Prävention stärkt nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern kann auch dazu beitragen, Ressourcen gezielter einzusetzen und das Gesundheitssystem langfristig leistungsfähig und finanzierbar zu halten. Oder anders formuliert: Die Frage ist längst nicht mehr, ob Prävention wirkt. Die Herausforderung besteht darin, sie zu einem selbstverständlichen Bestandteil eines modernen Gesundheitssystems zu machen.
Die Podiumsdiskussion wurde von der Karl Landsteiner Gesellschaft und MSD Österreich veranstaltet.
„zukunft gesundheit“ - eine Plattform für den interdisziplinären Austausch
Die Diskussionsreihe „zukunft gesundheit“ bietet seit Jahren eine Plattform für den offenen Austausch zwischen Entscheidungsträger:innen, Expert:innen und Betroffenen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten, um das österreichische Gesundheitssystem nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Veranstaltung, eine gemeinsame Initiative der Karl Landsteiner Gesellschaft und MSD Österreich, steht unter dem Leitgedanken, dass ein modernes Gesundheitssystem nicht nur durch Innovation und Technologie vorangetrieben wird, sondern vor allem durch effiziente Strukturen, die Patient:innen in den Mittelpunkt stellen.
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