• 11.06.2026, 10:38:33
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Kein Einzelfall, sondern System: 11. Report zu antimuslimischem Rassismus in Österreich

Dokustelle Österreich dokumentiert 1684 Vorfälle von antimuslimischem Rassismus, darunter ein Mordfall mit antimuslimischem Verdacht, & warnt vor gesellschaftlicher Normalisierung.

Wien (OTS) - 

Die Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus (Dokustelle Österreich) veröffentlicht heute den 11. Antimuslimischer Rassismus Report. Die aktuelle Auswertung zeigt, dass antimuslimischer Rassismus in Österreich keineswegs rückläufig ist und weiterhin ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht.

Mit 1.684 dokumentierten Vorfällen verzeichnen wir die höchste Fallzahl seit Bestehen der Dokustelle Österreich. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl antimuslimischer Übergriffe deutlich höher liegt. Unsere Daten sind nicht repräsentativ, zeigen aber seit Jahren ein klares Muster, in dem politische Kampagnen, mediale Berichterstattung und öffentliche Debatten das gesellschaftliche Klima prägen und zur schrittweisen Normalisierung von antimuslimischem Rassismus beitragen. Das wirkt sich unmittelbar auf den Alltag von Muslim:innen und jene, die als solche wahrgenommen werden, aus“, sagt Dunia Khalil, Leiterin der Rechtsberatung der Dokustelle Österreich.

Der diesjährige Schwerpunktbericht trägt den Titel „Kein Einzelfall, sondern System“. Er untersucht die strukturellen Bedingungen, unter denen antimuslimischer Rassismus entsteht, legitimiert und im Alltag verankert wird – in politischen Diskursen, medialen Darstellungen, institutionellen Abläufen und gesellschaftlichen Routinen. Dabei wird der Begriff „System“ bewusst weit gefasst und über einzelne gesellschaftliche Bereiche hinausgedacht. Neben Politik und Medien rücken auch das Gesundheits- und das Rechtssystem stärker in den Fokus. Die Dokustelle Österreich verweist in diesem Zusammenhang auf kürzlich veröffentlichte Studien, die beide Bereiche gesondert untersuchen und insbesondere die schwerwiegenden Auswirkungen von Rassismus auf Gesundheit und Sicherheitsgefühl von Betroffenen aufzeigen.

Antimuslimischer Rassismus entsteht nicht im luftleeren Raum. Was wir dokumentieren, sind keine isolierten Einzelfälle, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen, in denen Ausgrenzung wiederholt, verstärkt und dadurch schrittweise normalisiert wird. Wer ihn wirksam bekämpfen will, muss genau diese Bedingungen in den Blick nehmen“, betont Rumeysa Dür-Kwieder, Obfrau der Dokustelle Österreich.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Fallzahlen in den letzten zwei Monaten des Jahres. Die Analyse verweist dabei auf einen Zusammenhang mit politischen Debatten, insbesondere rund um die sogenannte „Null-Toleranz“-Politik der führenden Regierungspartei sowie die Diskussion und Beschlussfassung eines Kopftuchverbots für Mädchen unter 14 Jahren. Der Bericht hebt in diesem Zusammenhang die Rolle von Politik und Medien bei der Verbreitung entsprechender Narrative hervor: Medieninhalte machen 33 Prozent der dokumentierten Fälle aus, politische Kommunikation weitere 27,1 Prozent. Beide Bereiche tragen demnach wesentlich dazu bei, dass antimuslimische Diskurse im öffentlichen Raum wiederholt aufgegriffen und verfestigt werden, etwa im Kontext von Sicherheit, Integration und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Die bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW) gemeldeten Fälle bestätigen diese Entwicklungen: 87 Prozent der religionsbezogenen Diskriminierungsfälle betreffen muslimische oder muslimisch gelesene Personen, davon 90 Prozent Frauen.

Die hohen Fallzahlen zeigen nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Betroffenheit. Viele Menschen melden Diskriminierung nicht, weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden oder negative Konsequenzen zu erfahren. Umso wichtiger sind vertrauenswürdige Melde- und Beratungsstrukturen und die konsequente Anerkennung von Rassismus als strukturelles Problem mit realen Folgen für Betroffene“, erklärt Hüseyin Güneş, Jurist bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft.

Die Dokustelle Österreich fordert dementsprechend nach wie vor die offizielle Anerkennung von antimuslimischem Rassismus als gesellschaftliches Problem, den Ausbau unabhängiger Beratungsstellen sowie stärkere Maßnahmen gegen Diskriminierung in staatlichen Institutionen.

Der vollständige Antimuslimische Rassismus Report 2025 ist hier abrufbar:
https://dokustelle.at/reports/dokustelle-report-2025

Rückfragen & Kontakt

Dokustelle Österreich
Telefon: +43 676 40 40 005
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.dokustelle.at

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