• 11.06.2026, 05:02:32
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UNHCR-Bericht: 7 von 10 Flüchtlingen weltweit leben in langanhaltenden Vertreibungssituationen

UN-Flüchtlingshochkommissar Barham Salih ruft Staaten dazu auf, langfristige Perspektiven für Flüchtlinge zu schaffen

Genf/Wien (OTS) - 

UN-Flüchtlingshochkommissar Barham Salih hat heute den jährlichen UNHCR-Bericht Global Trends vorgestellt. Der Bericht zeigt, dass die Zahl der Vertriebenen weltweit erstmals seit zehn Jahren zurückgegangen ist, jedoch weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Niveau bleibt.

Im Jahr 2025 flohen 5,4 Millionen Menschen vor Gewalt und Verfolgung in andere Länder. Gleichzeitig nahm die Zahl der Rückkehrer*innen zu: 14,7 Millionen Vertriebene kehrten in ihre Herkunftsregionen oder -länder zurück, darunter 4,4 Millionen Flüchtlinge und 10,3 Millionen Binnenvertriebene.

Besonders viele Rückkehrer*innen – sowohl Flüchtlings als auch Binnenvertriebene - zählten Afghanistan, Syrien und einige Regionen des Sudan.

Damit erreichte die Rückkehr weltweit den zweithöchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung vor 60 Jahren, – allerdings kehrten viele Menschen nicht freiwillig und unter schwierigen Bedingungen zurück.

Die Zahl der Flüchtlinge sank weltweit 2025 um drei Prozent auf 41,6 Millionen Menschen. Zudem erhielten fast 46.000 Staatenlose in 24 Ländern im vergangenen Jahr eine Staatsangehörigkeit.

Langfristige Perspektiven für Flüchtlinge schaffen

Insgesamt leben 70 Prozent aller Flüchtlinge weltweit seit Jahren im Exil und viele unterhalb der Armutsgrenze. Deshalb rief UNHCR-Chef Salih die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung einer neuen Initiative auf, die eine Perspektive für Millionen Menschen bieten soll, die bisher durch humanitäre Hilfe überleben.

„Für Flüchtlinge geht es zunächst ums Überleben, aber die Flucht bestimmt zu oft dauerhaft ihre Lebensrealität“, sagte Salih. „Humanitäre Hilfe rettet Leben, aber ermöglicht es den Menschen nicht, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Wir brauchen einen grundlegenden Wandel, um Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, Hoffnung und Chancen zu bieten.“

Salih kündigte ein klares, messbares Ziel an: Innerhalb des nächsten Jahrzehnts soll die Zahl jener Flüchtlinge, die seit vielen Jahren vertrieben sind und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um mehr als die Hälfte sinken.

Der Fokus liegt hierbei auf Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die weltweit die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Erreicht werden soll dies durch mehr Möglichkeiten zur freiwilligen Rückkehr, Aufnahmeprogramme, humanitäre Visa sowie durch den Übergang von reiner Nothilfe zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit.

Zum symbolträchtigen 75. Jubiläum der Genfer Flüchtlingskonvention wendet sich die Initiative an Regierungen, Hilfsorganisationen, den Privatsektor und die Zivilgesellschaft. Gemeinsam sollen sie Flüchtlinge stärken und das Recht auf Asyl und den Flüchtlingsschutz aufrechterhalten.

Ziel ist es, dass Flüchtlinge ein Einkommen über der Armutsgrenze ihres Aufnahmelandes erzielen können.

Freiwillige Rückkehr soll dabei eine wichtige Lösung sein. Die Beendigung einiger der weltweit größten Konflikte würde Millionen Menschen eine sichere und würdevolle Rückkehr ermöglichen.

Zentral ist zudem die stärkere Einbindung von Flüchtlingen in nationale Systeme – etwa in Bildung, Gesundheitsversorgung, Finanzdienstleistungen und Arbeitsmärkte. Dafür sind deutlich höhere Investitionen erforderlich, insbesondere in Aufnahmeländern mit stark begrenzten Ressourcen.

Zugleich sei die Unterstützung anderer Staaten notwendig, etwa durch Resettlement – also die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge aus einem Erstaufnahmeland –, verstärkte Familienzusammenführung sowie Zugang zu Arbeitsvisa und Stipendien für Flüchtlinge. Die Lücke zwischen Bedarf und verfügbaren Angeboten ist hier gewachsen: 2025 halbierten sich die Ankünfte durch Resettlement und andere Aufnahmeprogramme auf 81.800 weltweit.

„Asyl und Flüchtlingsschutz retten Leben und dürfen nicht zur Debatte stehen“, sagte Salih. „Wir können eine Zukunft nicht akzeptieren, in der Millionen Menschen über Jahre oder Jahrzehnte ohne echte Perspektive bleiben. Wir haben ein ambitioniertes und erreichbares Ziel, damit Flüchtlinge wirtschaftlich unabhängig werden und ihr Leben nachhaltig verbessern können.“

Rückfragen & Kontakt

UNHCR
Mag. Ruth Schöffl, MAS
Telefon: +43/1 26060 5307
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.unhcr.at

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