• 10.06.2026, 11:33:03
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Philanthrop:innen bündeln Kräfte für mehr Wirkung im Gemeinwohl und starten „Initiative Philanthropie“

Das bringt philanthropisches Geben für die Zivilgesellschaft in Österreich. Neue Initiative startet unter dem Motto „PHIL GELD. PHIL GUTES“.

v.l.n.r.: Siegfried Stepke, Ruth Williams, Samira Rauter, Günther
Lutschinger
Wien (OTS) - 

Mit einem Hintergrundgespräch am 10. Juni fiel der offizielle Startschuss für die „Initiative Philanthropie“ – ein Zusammenschluss heimischer Philanthrop:innen mit rund 20 gemeinnützigen Organisationen und Verbänden. Im Zentrum steht die gemeinsame Überzeugung, dass sich die wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen – auch vor dem Hintergrund knapper werdender öffentlicher Ressourcen – nur mit einer starken Zivilgesellschaft und sektorenübergreifender Zusammenarbeit nachhaltig bewältigen lassen.

Ob Armutsbekämpfung, Klima- und Umweltschutz oder die Förderung von Bildung und Forschung: Neben den unverzichtbaren kleinen und mittleren Spenden aus der Bevölkerung gewinnen größere philanthropische Beiträge zunehmend an Bedeutung im österreichischen Spendengefüge. Dabei geht es verstärkt um langfristig angelegte Verantwortung und nachhaltige Wirkung über Generationen hinweg. Unter anderem über gemeinnützige Stiftungen schafft philanthropisches Engagement verlässliche Strukturen, die gesellschaftliche Innovation und Gemeinwohl dauerhaft fördern können. Die „Initiative Philanthropie“ will diesen wachsenden Beitrag für das Gemeinwohl sichtbarer machen und mehr Menschen zu wirkungsvollem Engagement motivieren.

Breite Spendenbasis in Österreich – mit wachsender Bedeutung großer Beiträge

In puncto Beteiligung der breiten Bevölkerung am Spenden, zählt Österreich zu den führenden Spendennationen der Welt: 79% der Menschen im Land haben im Vorjahr für gemeinnützige Zwecke gegeben. Damit haben sie wesentlichen Anteil am Spendenaufkommen von insgesamt 1,07 Mrd. Euro. Der Großteil stammt aus vielen kleinen und mittleren Beiträgen: Fast 81% der steuerlich abgesetzten Spenden liegen unter 200 Euro. Parallel dazu gewinnt philanthropisches Engagement vermögender Menschen zunehmend an Relevanz. „Laut aktuellen Analysen stammen rund 5% der privaten Mittel für das Gemeinwohl aus Zuwendungen über 50.000 Euro. Dieser Anteil verdeutlicht: Neben der breiten und unverzichtbaren Spendenbasis der Bevölkerung entsteht eine zusätzliche, wachsende Säule der Gemeinwohlfinanzierung durch philanthropische Beiträge“, so Ruth Williams, Geschäftsführerin Fundraising Verband Austria, die darauf hinweist, dass sich seit 2023 ist eine deutliche Zunahme von Großspenden im Millionenbereich beobachten lässt. „Auch der gemeinnützige Stiftungssektor verzeichnet eine dynamische Entwicklung“, betont Günther Lutschinger, Geschäftsführer Verband für gemeinnütziges Stiften: „2025 markierte ein Rekordjahr für den gemeinnützigen Stiftungssektor – sowohl in puncto Neugründungen als auch bei den Ausschüttungen, die rund 150 Millionen Euro betrugen.“

Kultur der Philanthropie noch mit Entwicklungspotential

Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt philanthropisches Geben in Österreich im internationalen Vergleich noch unter seinen Möglichkeiten. Gründe dafür sind historisch gewachsene strukturelle Hürden ebenso wie eine zurückhaltende Kultur des großen Gebens.
Vor diesem Hintergrund wurde die „Initiative Philanthropie“ ins Leben gerufen. Sie versteht sich als Plattform für Dialog, Vernetzung und Inspiration rund um philanthropisches Geben. Ziel ist es, die gesellschaftliche Wahrnehmung philanthropischen Engagements zu stärken, neue Formen der Zusammenarbeit zu fördern und zusätzliche private Mittel für gemeinnützige Anliegen zu mobilisieren. Getragen wird die Initiative von heimischen Philanthrop:innen gemeinsam mit rund 20 Organisationen und Verbänden aus dem gemeinnützigen Sektor, darunter der Fundraising Verband Austria sowie der Verband für gemeinnütziges Stiften. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Austausch zwischen Philanthrop:innen selbst: Niederschwellige Begegnungsräume, Peer-Learning und gegenseitige Unterstützung wurden bereits in einer grundlegenden Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) als zentrale Hebel für eine stärkere philanthropische Kultur identifiziert.


Aktive Philanthrop:innen im Mittelpunkt der Initiative

Zu den philanthropischen Persönlichkeiten hinter der neuen Initiative zählt Samira Rauter, die sich gemeinsam mit ihrem Mann Hermann Rauter in verschiedenen Stiftungen und Bildungsinitiativen engagiert. Die PeopleShare Foundation unterstützt weltweit Projekte zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Im Rahmen von BildungTomorrow werden Bildungsinnovationen identifiziert und gefördert. Darüber hinaus ist Samira Rauter Co-Gründerin des Hauses der Philanthropie Wien, das Kooperation, Co-Kreation und gesellschaftliche Innovation zusammenführt, um nachhaltige Antworten auf soziale Herausforderungen zu fördern.
„Für mich bedeutet Philanthropie die Liebe zum Menschen. Es geht darum, ob man bereit ist, Zeit, Energie oder finanzielle Mittel einzusetzen, um positive Veränderungen zu ermöglichen. Der Staat kann vieles leisten, aber nicht alle gesellschaftlichen Herausforderungen alleine lösen. Private Initiativen können dort unterstützen, wo Lücken entstehen oder neue Ideen gebraucht werden. Wichtig ist uns dabei, gemeinsam mit bestehenden Strukturen Verbesserungen zu ermöglichen. Deshalb fördern wir Projekte, die langfristig Wirkung entfalten können und möglichst viele Menschen erreichen, insbesondere in den Bereichen Bildung und humanitäre Hilfe für Kinder und Jugendliche“, gibt Samira Rauter Einblick.

Ebenfalls ein Fürsprecher der „Initiative Philanthropie“ ist Siegfried Stepke, Gründer und Eigentümer von e-dialog sowie Impact Investor und strategischer Beirat mit Fokus auf zukunfts- und gemeinwohlorientierte Wirtschaft und gesellschaftliche Innovation. Mit der Neue Wege Privatstiftung engagiert er sich unter anderem in den Bereichen Bildung, Integration, Female Entrepreneurship und soziale Teilhabe. Dabei unterstützt er sowohl gemeinnützige Projekte als auch Unternehmen mit messbarer gesellschaftlicher Wirkung.
„Für mich bedeutet Philanthropie vor allem, Menschen und Projekte zu unterstützen, die einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dafür braucht es kein Millionenvermögen. Man kann auch mit Zeit, Wissen oder persönlichem Einsatz philanthropisch handeln. Ich finde es sinnvoll, Kapital dort einzusetzen, wo daraus gesellschaftlicher Nutzen entsteht. Geld ist für mich auch eine Form von Energie – die Frage ist, wohin man sie lenkt. Dabei geht es nicht nur ums Anlegen, Investieren oder Spenden, sondern auch um Unterstützung durch Zeit, Erfahrung, Mitdenken und Mitwirken“, so Siegfried Stepke.

Über philanthropisches Geben in Österreich

Historisch tief verankert, reicht die Tradition des gemeinwohlorientierten Gebens bis in frühe Hochkulturen zurück und ist eng mit gesellschaftlicher Verantwortung und kultureller Entwicklung verbunden. In Österreich erreichte das gemeinnützige Stiftungswesen im 19. Jahrhundert seine Blütezeit – geprägt durch Unternehmerpersönlichkeiten wie Karl Wittgenstein. Im 20. Jahrhundert wurde der philanthropische Sektor durch die Weltwirtschaftskrise und das NS-Regime weitgehend zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschwerte das Notverstaatlichungsgesetz von 1946 den Aufbau eines lebendigen philanthropischen Marktes über Jahrzehnte. Erst ab den 1980er Jahren kam es zu einer schrittweisen Wiederbelebung. „Heute stehen rund 1.000 gemeinnützige Stiftungen und Fonds im Einsatz für das Gemeinwohl. Sie tragen rund 12% zum österreichischen Spendenaufkommen bei und ihre Bedeutung wächst im Fahrtwind der Gemeinnützigkeitsreform weiter“, erklärt Günther Lutschinger, der gleichzeitig die nach wie vor ineffiziente Bürokratie bei Stiftungsgründungen kritisiert: „Anders als bei Vereins- oder GmbH-Gründungen, müssen bei einer Stiftungsgründung nach derzeitiger Gesetzgebung drei verschiedene Behörden aktiv werden: Landesstiftungsbehörden, Finanzamt und Finanzprokuratur. Ein mehrmonatiges Prozedere, das Philanthrop:innen den Einsatz für Gemeinwohlanliegen erschwert.“

„Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich am besten im Zusammenspiel aller Kräfte bewältigen: Privatpersonen, NPOs, Stiftungen, Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Hand. Philanthropie kann dabei eine wichtige Brückenfunktion einnehmen – als Impulsgeberin, als Ermöglicherin von Innovation und als Partnerin im gemeinsamen Ziel, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und langfristig abzusichern. Die Initiative Philanthropie setzt genau hier an. Unter dem Leitmotiv PHIL GELD. PHIL GUTES soll Philanthropie in Österreich nicht nur als finanzielle Ressource verstanden werden, sondern als gestaltende, kooperative Kraft für eine zukunftsfähige Gesellschaft“, betont Ruth Williams abschließend.

Initiative Philanthropie

unter dem Motto PHIL GELD. PHIL GUTES.

Rückfragen & Kontakt

Fundraising Verband Austria
Dr. Andreas Anker
Telefon: 0676/4214706
E-Mail: [email protected]

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