- 10.06.2026, 10:18:02
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„dokFilm“-Doppel am 14. Juni: Premieren „Homo ludens – Warum wir spielen“ und „Besuch im Bubenland“
Ab 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
„dokFilm“-Premiere für zwei besondere österreichische Filme: Am Sonntag, dem 14. Juni 2026, um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON steht zunächst mit „Homo ludens – Warum wir spielen“ ein Film von Stefan Wolner und Anna Katharina Wohlgenannt über die Faszination und Psychologie des Spielens auf dem Programm. Die Filmemacher nähern sich dem Thema aus kultureller, psychologischer und soziologischer Perspektive und wählen zudem einen philosophischen Zugang. Beleuchtet werden individuelle wie auch gesamtgesellschaftliche Verhaltensweisen, die hinter der Faszination des Spielens stecken. Die Doku beleuchte das Rollenspiel auf offener Bühne ebenso wie im allerintimsten Bereich, geht dem ungebrochenen Boom an Gesellschaftsspielen nach und wirft auch einen Blick auf die Gaming-Szene. Zu Wort kommen u. a. Spieleforscher:innen und -entwickler, Cosplayer und Schauspieler:innen. Anschließend, um 23.55 Uhr, ist anlässlich des Österreichischen Filmpreises (18. Juni) die vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Kinoproduktion „Besuch im Bubenland“ von Katrin Schlösser zu sehen – eine filmische Feldforschung über Männlichkeit, Einsamkeit und Unausgesprochenes.
„Homo ludens – Warum wir spielen“ (23.05 Uhr)
Schon im Kleinkindesalter beginnen wir, spielerisch die Welt zu erschließen: brabbelnd, saugend, tastend, Grenzen auslotend. Doch ein Leben lang hören wir nicht auf zu spielen: Jeder Mensch nimmt mehrere Rollen ein, ist immer mehr als nur eine Person. Beim Spieleabend im Freundeskreis wird soziale Interaktion fernab des Alltags geübt; Cosplayer erschaffen sich offene Spielräume und neue Identitäten; und auf der Bühne kann Spiel zur großen Kunst werden. Aber: Warum spielen Menschen – Erwachsene nicht weniger als Kinder?
Die Rollen, in die der Mensch schlüpft, um in unterschiedlichen sozialen Konstellationen bestehen zu können, mögen mitunter zur Bürde werden. Doch gerade im Spiel finden man auch Entlastung: wiewohl Arno Steinwendner das gemeinschaftliche Erlebnis in der analogen Welt – egal, ob im Kaffeehaus beim Schach- und Kartenspiel oder beim Brettspieleabend zu Hause – eindeutig lieber ist als stundenlanges Starren in Bildschirme. Steinwendner ist ein Spieleautor aus Wien, vielfach wurde er für die von ihm entwickelten Gesellschaftsspiele ausgezeichnet. In seiner Werkstatt im Keller skizziert und experimentiert er, druckt Prototypen von Spielfiguren mit dem 3D-Drucker aus und testet sie dann mit Kolleginnen und Kollegen in der Praxis: „Das stärkste Argument für Gesellschaftsspiele ist für mich die Beschäftigung mit anderen Menschen, mit Mitmenschen“.
Auch für die 19-jährige Lilith ist das Miteinander ein wesentliches Motiv für ihr Hobby: Cosplay kommt aus Japan und ist von Manga, Anime, Film und Videospiel inspiriert. Gemeinsam mit Freundinnen entwirft und schneidert Lilith Kostüme, die dann vor dem passenden Hintergrund für Fotoshootings inszeniert werden. Es ist ein Spiel mit Identitäten, das neue Kommunikationsebenen ermöglicht. Soziologin Korinna Lindinger verweist auf den größeren Kontext: „Kinder und Jugendliche von heute, die wachsen in eine andere Welt hinein, in eine Welt mit viel hybrideren Räumen.“ Die Welt buchstäblich zu begreifen lernen, vom Ich zum Du zu gelangen, all das sei nur spielerisch möglich, sagt Ludologe Jens Junge: „Der Mensch spielt, weil es ein Naturtrieb ist.“
Das Kleinkind, das alles, was es umgibt, zu ertasten, erschmecken oder verbiegen versucht, tritt so in einen Dialog mit der Welt. Spielen erfordert Mut, zumal wenn es vor den Augen vieler anderer geschieht, findet Steffen Jäger, Professor für Rollengestaltung am Wiener Max Reinhardt Seminar. Wenn Schauspieler:innen glaubhaft machen, sie seien etwa Rivalinnen oder Liebende und dabei Intimität herstellen, gehe das nicht ohne Courage. Großes Schauspiel macht die Gefühle der dargestellten Figuren völlig transparent. So stehen Akteurinnen und Akteure wohl im Kostüm auf der Bühne – doch wollen sie wahrhaftig sein, sind sie dabei gleichsam nackt.
„Besuch im Bubenland“ (23.55 Uhr)
Im Südburgenland scheint die Zeit still zu stehen. Nicht nur für Ruhesuchende und Naturbegeisterte, die hier eine Auszeit suchen, sondern auch für jene Männer unterschiedlichen Alters, die in diesem Dokumentarfilm von Katrin Schlösser porträtiert werden. Die Regisseurin trifft dabei auf eine Generation, die selten gefragt wird und die noch seltener antwortet. Es ist eine Art Feldforschung, in der die Filmemacherin Begegnungen und Gespräche ihrer Protagonisten einfängt, die tiefe Einblicke in ihren Alltag, ihre Familien und ihre Seele gewähren. Mit Handykamera und Mikrofon zieht sie allein durchs Land, besucht Bauern, Handwerker und Pensionisten – Männer aller Altersstufen. Ihre Frage ist schlicht: „Wie geht es dir?“ Doch ihre Präsenz, ihre Offenheit und ihr ehrliches Interesse schaffen Raum für mehr. Die Interviewten sprechen über ihre Wünsche und Gefühle, sowie über Veränderungen, ausgelöst durch Schicksalsschläge oder Ungeschick, die ihnen ein neues Bild von Männlichkeit abverlangen. Liebevoll, mit großem Respekt und feinsinnigem Humor zeichnet der Film ein Porträt vom Mannsein am Land – und fördert viel Unausgesprochenes zutage.
So erzählen die Männer von zerbrochenen Beziehungen, gescheiterten Lebensentwürfen, Schulden, verstorbenen Vätern und von ihrer eigenen Rolle als Vater, die nur noch in Erinnerungen existiert. Viele haben den Kontakt zu ihren Kindern verloren. Zwei mussten gar den Tod ihrer Kinder erleben. Was alle Protagonisten eint, ist das Gefühl, verlassen worden zu sein. Von der Familie, vom Leben, vielleicht auch von sich selbst. Als Opfer eines Systems sehen die Protagonisten sich dabei nicht. Patriarchale Strukturen, die sie formen und einengen, sind für sie kein Thema. Ihr Leben „ist, wie es halt so ist“, wie einer sagt. Und gerade darum geht es auch in „Besuch im Bubenland“. Es ist ein Film, der weder urteilt noch deutet, sondern genau hinschaut. Dabei begegnet die Filmmacherin ihren Gesprächspartnern mit Neugierde und Empathie. Das Resultat ist ein berührendes Porträt von Männlichkeit abseits aller Klischees und Rollenbilder. Ein Film über das Zuhören, über Nähe, die schwerfällt, und über Menschen, die nicht oft gesehen werden. Und: Er stellt die Frage, was es bedeutet, wenn Herkunft, Tradition und Schweigen das Leben bestimmen.
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