• 05.06.2026, 11:02:32
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„kulturMONTAG“: Tom Neuwirth in der „Fledermaus“, Streaming-Abgabe und Metamorphosen der Pyramide in Tirana

Danach: Dokumentation „Das System Gugging“ – am 8. Juni ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON

Wien (OTS) - 

Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am 8. Juni 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON stellt die „Pride Edition“ der legendären „Fledermaus“ vor, die auf dem Spielplan der Wiener Volksoper steht und für die Tom Neuwirth in die Rolle des Gerichtsdieners „Frosch“ schlüpft. Weitere Themen sind die Debatte rund um eine mögliche Streaming-Abgabe sowie die Metamorphosen der Pyramide in Tirana im Laufe der Jahre. Anschließend an das Magazin beleuchtet die Dokumentation „Das System Gugging“ um 23.15 Uhr eine der bedeutendsten Art-Brut-Einrichtungen der Welt, die heuer mehrere Jubiläen feiert – 40 Jahre Haus der Künstler, 25 Jahre Galerie Gugging und 20 Jahre Museum Gugging.

Frecher Frosch – Tom Neuwirth in der „Fledermaus“ an der Wiener Volksoper

Pünktlich zum „Pride Month“ sorgt die Wiener Volksoper für Aufsehen. Tom Neuwirth, der ehemalige ESC-Sieger und besser bekannt als Conchita Wurst, steht als „Frosch“ in der legendären „Fledermaus“ auf der Bühne. Es ist eine echte Kultrolle und sicher eine der schillerndsten Figuren des Johann-Strauß-Klassikers. Die Rolle des betrunkenen Gerichtsdieners „Frosch“, die eine reine Sprechrolle ist, wird traditionell von prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert. Etwa von Hans Moser oder Karl Farkas, von Peter Simonischek oder Michael Niavarani, von Stefanie Reinsperger oder Sigrid Hauser. Nun darf man also auf Tom Neuwirth gespannt sein, der wohl eine ganz eigene Note in diesen gemütlichen, korrupten wie tiefenentspannten Charakter bringen wird. Dem „Hochprozentigen“ nicht abgeneigt, ist der „Frosch“ trotz oder gerade wegen seines Zustands ein scharfer Beobachter. Als Philosoph und Komödiant bringt er die herrschenden Verhältnisse zwischen Amtsschimmel und menschlichen Schwächen pointiert auf den Punkt. Mit einer modernen, queeren Perspektive will Volksopern-Intendantin Lotte de Beer der Operette frischen Wind einhauchen und gleichzeitig ein klares Zeichen für Vielfalt setzen, gerade in einer Zeit, in der queeres Leben international erneut vermehrt unter Druck gerät. In einer eigens für die Volksoper geschaffenen Textfassung von Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl gerät die „Fledermaus“ zu einem hochaktuellen, pointierten und humorvoll-bissigen Spiel über Liebe, Identität und gesellschaftliche Normen.

Finanzspritze für den Film – Die heiß debattierte Streaming-Abgabe

Seit Monaten ringt die heimische Filmbranche mit der österreichischen Bundesregierung um eine Erhöhung des Budgets durch eine Streaming-Abgabe. Bei den letzten Filmfestspielen von Cannes war der österreichische Film erfolgreich mit drei Produktionen vertreten (Auszeichnung für ORF-kofinanziertes Drama „Everytime“ in der Sektion „Un Certain Regard“) und stellte auch auf der Berlinale (Silberner Bär für Sandra Hüller in ORF-kofinanziertem Drama „Rose“) einmal mehr die internationale Strahlkraft des heimischen Kinos unter Beweis. Doch die Filmwirtschaft steht unter wachsendem Druck: Steigende Produktionskosten, sinkende Planbarkeit und ein zunehmend internationaler Wettbewerb gefährden die Finanzierung heimischer Filme und Serien. Gleichzeitig erzielen internationale Streaminganbieter auch in Österreich hohe Umsätze mit audiovisuellen Inhalten, leisten aber bislang keinen ausreichenden Beitrag zur Stärkung der heimischen Produktion. Damit solche Erfolge bei Filmfestivals sowie beim Publikum im Kino und TV auch in Zukunft möglich sind, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für die Filme von morgen. Das soll mit der erdachten Streaming-Abgabe möglich sein. Die Steuer von Netflix, Disney+ und Co soll direkt in Österreichs Filmwirtschaft fließen. In Frankreich wurde die sogenannte „Stream-Tax“ in der Höhe von 5,5 Prozent des im Land erzielten Umsatzes längst eingeführt. Sie bringt jährlich zwischen 120 und 150 Millionen Euro ein. Dieses Geld wird direkt an das CNC, das Centre national du cinéma et de l'image animée, weitergeleitet, um die Produktion französischer und europäischer Filme, Serien und audiovisueller Werke zu finanzieren. In Deutschland soll eine ähnliche Steuer, die mit Jänner 2027 in Kraft tritt, die Filmwirtschaft ankurbeln. Der „kulturMontag“ hat sich in der französischen und deutschen Filmszene umgehört sowie Expertinnen und Experten um eine Analyse gebeten.

Vorbote der Zukunft – Die Metamorphosen der Pyramide in Tirana

Lange galt Albanien als weißer Fleck auf der Landkarte Europas: abgeschottet und geheimnisvoll, korrupt und krank vom Kommunismus. Noch wird das Land, das 2030 die Vollmitgliedschaft in der EU erreichen will, als Geheimtipp gehandelt. Das Balkanland boomt wie kein anderes in der Region. Der Wandel Albaniens zeigt sich in der Hauptstadt Tirana besonders deutlich. Sozialistische Plattenbauten treffen auf moderne Hochhäuser, kommunistische Vergangenheit trifft auf eine weltoffene Zukunft. Es ist eine Stadt der Gegensätze, historisch, politisch und kulturell. Ein markantes Bauwerk der rund 600.000 Einwohner:innen zählenden Hauptstadt ist die Pyramide, die wie kein anderes Gebäude den Neuanfang Albaniens symbolisiert. Für die Albanerinnen und Albaner hat das ungewöhnliche Monument auch eine starke symbolische Funktion, da es den Sieg des Volkes über den Kommunismus darstellt. Die 1988 von einer Gruppe von Architekten aus Tirana entworfene brutalistische Pyramide wurde in den letzten Tagen des verhassten Regimes errichtet. Sie sollte ein Mausoleum für den kommunistischen Diktator Enver Hoxha sein. Eine Gedenkstätte für einen Diktator, der sein Land mit militärisch sinnlosen Bunkern überzog und Albanien durch seine Autarkie-Politik zum rückständigsten Land Europas machte. Mit dem endgültigen Sturz des Kommunismus im März 1992 wurde das Museum verwüstet, in weiterer Folge diente es der NATO als Stützpunkt, beherbergte Fernsehstudios, Nachtklubs und stand jahrelang leer. Sogar der Abriss wurde überlegt. Doch 2021 erhielt der niederländische Architekt Winy Maas den Zuschlag für die Revitalisierung des Bauwerks, das im Oktober als Jugendzentrum eröffnet wurde.

Dokumentation „Das System Gugging“ (23.15 Uhr)

Der kleine beschauliche Ort Maria Gugging in Niederösterreich soll schon David Bowie als Inspirationsquelle gedient haben: genauer gesagt das dort angesiedelte Art Brut Center, das 2026 einige Jubiläen feiert: Die 1986 von Johann Feilacher in „Haus der Künstler“ umbenannte Institution bietet schon seit den 1950er Jahren künstlerisch talentierten Menschen mit Behinderung ein Zuhause. Damals ließ Leo Navratil die ausschließlich männlichen Patienten der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ erstmals Zeichnungen anfertigen und schrieb so Geschichte: Heute zählt Gugging zu den wichtigsten Art-Brut-Einrichtungen der Welt und umfasst neben der künstlerischen Wohngemeinschaft eine Galerie, ein Forschungszentrum sowie ein Museum. Thomas Fürhapters Dokumentation „Das System Gugging“ begleitet die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner durch ihren Tagesablauf und erzählt von der Geschichte dieser einzigartigen Institution sowie von seinen berühmtesten Bewohnern wie August Walla und Johann Hauser.

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