• 03.06.2026, 14:11:32
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Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren begrüßt Initiative „Gemeinsam gegen Gewalt an Kindern“

Gewaltfrei zu erziehen bedeutet nicht, Kinder sich selbst zu überlassen. Es bedeutet, sie klar, konsequent und respektvoll zu begleiten – ohne Schläge, Demütigungen oder Angst.

Wien (OTS) - 

Der unabhängige Kinderschutzexperte Thomas Graf, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Österreichischer Kinderschutzzentren und Leiter des Kinderschutzzentrums Kidsnest Gmünd, hat heute im Rahmen einer Medienaktion der SPÖ und weiterer zivilgesellschaftlicher Organisationen Stellung zum Thema Gewalt gegen Kinder genommen:

„Wir im Kinderschutz erfahren in unserer täglichen Arbeit, wie herausfordernd es auch heute noch für Eltern ist, ohne Ohrfeigen, Klapse oder Demütigungen zu erziehen. Vor allem, wenn man das in der eigenen Kindheit selbst erlebt hat und in schwierigen Situationen vom eigenen Kind getriggert wird. Umso mehr müssen wir alternative Formen in der Erziehung lernen und üben. Gewaltfreie Erziehung ist nicht „Nicht-Erziehung“. Kinder brauchen Orientierung, Regeln und Konsequenzen – aber ohne Angst und Gewalt. Wer gewaltfrei erzieht, verzichtet nicht auf Grenzen, sondern auf Gewalt. Kinder brauchen Führung, nicht Furcht.“

Konsequenz und Gewaltfreiheit sind kein Widerspruch. Kinder können lernen, Regeln einzuhalten, ohne Angst haben zu müssen.

Der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren betont, dass das Gewaltverbot in Bildungseinrichtungen und in der Erziehung zu den wichtigsten kinderrechtlichen und gesellschaftspolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte zählt. Es macht unmissverständlich klar: Kinder haben ein Recht auf Schutz, Würde und eine gewaltfreie Entwicklung. Ein Aufwachsen ohne Gewalt ist nicht nur für das Wohlbefinden und die gesunde Entwicklung jedes einzelnen Kindes wichtig, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Kinder, die respektvoll begleitet und ohne Gewalt erzogen werden, können Vertrauen entwickeln, Konflikte konstruktiv lösen und stabile soziale Beziehungen aufbauen.

Für Kinder bedeutet körperliche Gewalt sie immer auch eine psychische Verletzung. Wer geschlagen, geohrfeigt, angeschrien oder beschimpft wird, erlebt Angst, Demütigung und den Verlust von Sicherheit – besonders bitter und schmerzhaft, wenn dies von den Menschen ausgeht, die eigentlich Liebe, Schutz und Geborgenheit geben sollten. Erziehung durch Angst mag kurzfristig Gehorsam erzeugen, sie ist jedoch weder wirksam noch gesund. Kinder lernen dadurch nicht Respekt, sondern Unterordnung, Verunsicherung und Furcht.

Die Folgen von Erziehungsgewalt sind wissenschaftlich gut belegt. Sie können von Ängsten, Depressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl über Verhaltensauffälligkeiten und Beziehungsprobleme bis hin zu langfristigen gesundheitlichen Belastungen reichen. Gewalt in der Kindheit erhöht zudem das Risiko, dass Konflikte später selbst mit Gewalt ausgetragen werden. Gewaltfreie Erziehung ist daher nicht nur Kinderschutz, sondern auch Gewaltprävention.

„Gleichzeitig wissen wir, dass Gewalt in der Erziehung häufig nicht aus Böswilligkeit entsteht, sondern aus Überforderung, Stress oder Hilflosigkeit. Gerade deshalb braucht es Unterstützung für Eltern, leicht zugängliche Beratungsangebote und eine gesellschaftliche Kultur, die auf Verständnis, Wissen und Begleitung statt auf Schuldzuweisungen setzt“, so Hedwig Wölfl, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Österreichischer Kinderschutzzentren und Leiterin des Kinderschutzzentrums „die möwe“. „Wir in den 36 Kinderschutzzentren in Österreich unterstützen mit Erziehungsberatung, Krisenintervention, Prozessbegleitung, Psychotherapie und vielen weiteren Kinderschutzangeboten“, so Wölfl weiter.

Besonders kritisch ist die Verharmlosung von Gewalt durch Aussagen wie „Mir hat eine Ohrfeige auch nicht geschadet“, weil damit wieder salonfähig gemacht werden soll, was nach Jahrzehnten endlich angekommen ist: Gewalt an Kindern ist verboten, weil sie schadet. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dieser Behauptung erfordert eine andere Frage: Was hätte aus Ihnen werden können, wenn Sie ohne Ohrfeigen, Klapse, Anschreien oder Beschimpfungen aufgewachsen wären? Niemand kann wissen, welche Chancen, welches Selbstvertrauen oder welche innere Sicherheit ihm durch Gewalt genommen wurden. Dass Menschen trotz erlebter Gewalt in der Kindheit ein gutes Leben führen können, ist kein Beweis für deren Unschädlichkeit oder gar Nutzen, sondern allenfalls für die Resilienz und Stärke der Person, die sie erleben musste.

Eltern und auch Pädagog*innen tragen Verantwortung als Vorbilder für ihre Kinder. Dasselbe gilt für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Wer Gewalt in der Erziehung relativiert oder gar rechtfertigt, sendet das falsche Signal. Eine moderne Gesellschaft darf Züchtigung weder romantisieren noch verharmlosen. Sie muss klar vermitteln: Kinder haben ein Recht auf eine Erziehung ohne Gewalt – und Erwachsene haben die Verantwortung, dieses Recht zu schützen.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren bieten in allen Bundesländern Unterstützung, wenn Kinder und Jugendliche körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erleben müssen oder in anderer Weise vernachlässigt werden.

Die Angebote im Rahmen der Krisenintervention werden durch die Förderung „Stärkung der Krisenintervention in Österreich“ des Bundesministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSAGPK) ermöglicht.

Angebote inkl. Krisenintervention hier

www.kinderschuetzen.at

Rückfragen & Kontakt

Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.oe-kinderschutzzentren.at

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