- 02.06.2026, 12:02:32
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Österreichs Lehrkräfte zeigen bemerkenswerte Resilienz
Stress und Erschöpfung gehören für viele Lehrkräfte zum Alltag. Wie steht es um ihr Wohlbefinden? Eine neue Studie des öbv und der JKU liefert dazu aktuelle Einblicke und zeigt, wie resilient Lehrende sind und welche Unterstützung sie sich wünschen.
Lehrkräfte stehen unter enormem Druck, das ist inzwischen den meisten in unserer Gesellschaft klar. Eine aktuelle Studie des Österreichischen Bundesverlag Schulbuch (öbv) in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität (JKU), für die Pädagog*innen aller Schulformen befragt wurden, zeichnet dazu ein überraschendes Bild: Trotz hoher beruflicher Belastung sind 71 Prozent der Lehrpersonen mit ihrem Leben sehr oder eher zufrieden. Das unterstreicht, wie ausgeprägt die Resilienz vieler Lehrkräfte ist – offenbar können sie mit den unzähligen täglichen Herausforderungen hervorragend umgehen.
Zwischen Belastung und Berufung
52 Prozent der befragten Lehrkräfte fühlen sich durch die Arbeit psychisch stark beansprucht, emotionale Erschöpfung ist weit verbreitet. Zu den größten Belastungsfaktoren zählen administrative Aufgaben (68 %), zu große Klassen (64 %) sowie der Umgang mit Heterogenität (63 %). Auch individuelle Förderung (59 %), Schulentwicklungsarbeit (56 %) und fehlende Pausen (56 %) werden häufig als herausfordernd genannt.
Gleichzeitig zeigt sich ein bemerkenswertes Gegenbild: 65 Prozent der Lehrkräfte schätzen ihren allgemeinen Gesundheitszustand als positiv ein, und eine klare Mehrheit ist mit ihrem Leben insgesamt zufrieden. Besonders ausgeprägt sind dabei die Dimensionen soziale Beziehungen, Engagement sowie die Zielerreichung.
„Unsere Daten zeigen, dass Zufriedenheit und hohe Beanspruchung im Lehrberuf kein Widerspruch sind“
, so Christoph Helm, Leiter der Abteilung für Bildungsforschung an der Link School of Education (JKU). „Viele Lehrkräfte erleben Sinn in ihrer Arbeit, stehen aber gleichzeitig unter erheblichem Druck.“
Meister*innen der Resilienz
Wie stark die Beanspruchung im Schulalltag ist, wird beim genaueren Hinsehen sichtbar: Der anfänglich hohe Enthusiasmus vieler Lehrkräfte nimmt im Tagesverlauf deutlich ab, während gleichzeitig die Erschöpfung steigt. Rund drei Viertel fühlen sich am Ende des Schultages deutlich erschöpfter als zu Beginn.
Umso relevanter ist die Frage, was Lehrkräfte dabei unterstützt, diesen Anforderungen standzuhalten. 72 Prozent der Befragten nennen ihr Selbstwirksamkeitsempfinden als entscheidenden Faktor im Umgang mit Belastungen. Daneben helfen Stressbewältigungsstrategien (63 %), ein gesunder Lebensstil (60 %) und kollegiale Unterstützung (56 %). „Es ist beeindruckend, wie stark Lehrkräfte durch ihre persönliche Resilienz strukturelle Engpässe im Schulsystem ausgleichen. Das sollte aber nicht der Normalfall werden“
, betont Philipp Nussböck, Geschäftsführer des öbv.
Lehrkräfte sehen das ähnlich: Rund die Hälfte der Befragten nutzten ein Freitextfeld, um ihren Unterstützungsbedarf zu formulieren. Am häufigsten genannt wurden Supervision und psychologische Begleitung, gefolgt von kleineren Klassen, weniger administrativem Aufwand, mehr Unterstützungspersonal, einer gerechteren Entlohnung sowie einer besseren Work-Life-Balance. Darüber hinaus wünschen sich viele Lehrkräfte mehr Rückhalt durch Schulleitung und Politik sowie eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung.
Smartphone, Leistungsdruck und Elternhaus
Auch die Situation der Jugendlichen ist für viele Lehrkräfte besorgniserregend: Rund die Hälfte der Lehrkräfte geht davon aus, dass mindestens 40 Prozent ihrer Schüler*innen von psychischen Belastungen betroffen sind. Die häufigste Ursache dafür scheinen Smartphone und Social Media zu sein. 88 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass ein relevanter Teil ihrer Schüler*innen dadurch psychisch belastet ist. Aber auch Leistungsdruck (72 %) und mangelnde Unterstützung im Elternhaus (73 %) spielen eine wesentliche Rolle.
Viele Lehrkräfte reagieren darauf proaktiv: Ein Großteil setzt Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit ihrer Klassen – von Bewegungs- und Entspannungsübungen über Stressbewältigungsstrategien bis hin zu persönlichen Gesprächen. Besonders engagiert zeigen sich dabei Sonderschullehrkräfte, die zugleich die höchste eigene Belastung aufweisen.
Christoph Helm fasst zusammen: „Mentale Gesundheit wird im Schulalltag durchaus thematisiert, jedoch oft unsystematisch. Hier besteht aus meiner Sicht klarer Handlungsbedarf.“
Philipp Nussböck ergänzt: „Lehrkräfte leisten täglich Außerordentliches – auch über die formalen Anforderungen hinaus. Langfristig braucht es jedoch Rahmenbedingungen, die sie gezielt entlasten und unterstützen.“
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Janina Hofmann
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