• 21.05.2026, 11:07:32
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Friedensexpertnnen fordern: Friedensbildung durch PädagogInnen statt „Geistiger Landesverteidigung“ durch das Militär

Wie wir friedenstauglich statt kriegstüchtig werden!

Wien (OTS) - 

Mitarbeiterinnen der Friedenorganisationen WILPF (Frauenliga für Frieden und Freiheit), FriedensforscherInnen und PädagogInnen sind höchst besorgt über die zunehmende Militarisierung in der Gesellschaft und in Schulen. Bei der heutigen Fachtagung kritisieren sie den Ansatz, dass unserer Gesellschaft „kriegstauglich“ und „wehrfähig“ werden muss. Und sie betonen die Wichtigkeit von „Friedenstauglichkeit“ für eine Zukunft die nachhaltigen Frieden, Kooperation statt Konkurrenz, Klimaschutz statt Ausbeutung der Natur, Gemeinwohl für alle statt Beherrschung durch Superreiche zum Ziel hat.

Geistige Landesverteidigung – trojanisches Pferd der Militarisierung?

„Die in der Verfassung verankerte „Geistige Landesverteidigung“ ist explizit als nichtmilitärisch definiert und erwähnt auch Friedenspädagogik als ihre Aufgabe“, so der renommierte Friedensforscher Werner Wintersteiner. „In klarem Gegensatz zu diesem Auftrag wird die „Geistige Landesverteidigung“ vom Bildungsministerium dem Verteidigungsministerium überantwortet und in der LehrerInnenbildung völlig einseitig durch Offiziere militärisch umgesetzt. Damit wird die „Geistige Landesverteidigung“ zum trojanischen Pferd, das die Militarisierung der Bildung in unauffälliger Weise ermöglicht. Die in den Lehrplänen verankerte Friedensbildung bleibt auf der Strecke“, warnt Wintersteiner.

FriedensexpertInnen üben bei der Veranstaltung heute gemeinsam Kritik an dieser Vorgehensweise. Sie weißen darauf hin, dass Friedenserziehung in den Lehrplänen bereits verankert ist und von pädagogischen Fachkräften durchgeführt werden muss. Dafür fehlen jedoch derzeit die finanziellen Mittel. Expertinnen in Friedensbildung haben kaum Möglichkeiten, in Schulen Ausbildungen zum Thema Friedenerziehung anzubieten. Auch die LehrerInnenbildung bietet in dieser Hinsicht viel zu wenig und es fehlt an Ressourcen.

Wir müssen „friedenstauglich“ statt “kriegstüchtig” werden!

Die Charta der Vereinten Nationen enthält die Verpflichtung für die 193 Mitgliedstaaten Frieden und Völkerverständigung zu fördern und alles zu tun um Kriege zu verhindern. Doch wie kann dieses Ziel erreicht werden, wenn in die militärische Aufrüstung enorm investiert wird, Friedensbildung und Friedensarbeit jedoch ein Schattendasein führen? Laut dem schwedischen Forschungsinstitut SIPRI steigen die Militärausgaben in den letzten Jahren ständig an und betrugen 2025 2.887 Milliarden. Ausgaben für Soziales, Gesundheit, Pflege, Bildung und Kultur, Frauen/Menschenrechte, Entwicklung und Klimaschutz steigen jedoch nicht, sondern sinken sogar. Ist unsere Welt durch die gesteigerten Militärausgaben sicherer geworden? Nein, denn mit der Militarisierung ist auch die Zahl der bewaffneten Konflikte und Kriege enorm gestiegen. Höhere Militärbudgets führen nicht zu mehr Sicherheit, sondern zur Verschärfung von Konflikten und Spannungen, zum Kampf um Rohstoffe und Ressourcen, zu mehr Klimakatastrophen und Fluchtbewegungen, wie der aktuelle Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen „Die Sicherheit, die wir brauchen: Umschichtung der Militärausgaben für eine nachhaltige und friedliche Zukunft

(Junge) Menschen wollen keinen Krieg – Völkerrecht statt Recht der Stärkeren

Die überwiegende Zahl von Menschen lehnen Kriege als Mittel der „Konfliktlösung“ oder „Interessensdurchsetzung“ ab. „Die aktuelle Ö3 Jugendstudie zeigt, dass zwei Drittel der 16 – 25-jährigen eine Verlängerung des Wehrdienstes ablehnen . Die Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Staaten wird von 89% der Jugendlichen als bedeutend gewertet, jedoch eine gemeinsame europäische Armee lehnen 62% der Befragten ab“, so Jugendcoach Regina Blümel.

Damit wählt die junge Generation den Weg der Kooperation, um die großen Problemlagen beziehungsweise Krisen unserer Zeit erfolgreich anzugehen. Sie erwartet von der Gesellschaft die Bereitschaft zu neuen kreativen Denkweisen, um in Europa konstruktive, diplomatische, zivile und zivilgesellschaftliche Veränderungen, Frieden und die Stärkung der Demokratie voranzubringen. Es musss das Völkerrecht herrschen, nicht das Recht der Stärkeren. Jugendliche und Frauen müssen als ernstzunehmende PartnerInnen verstärkt einbezogen werden.

„An erster Stelle sollten Investitionen in die Verbesserung schulischer Rahmenbedingungen für SchülerInnen und ihre Lehrpersonen sowie in schulische Präventionsprogramme – wie die Förderung von Lebenskompetenzen und den Ausbau sozialer Dienste stehen, um die persönliche Resilienz der Kinder und Jugendlichen zu stärken“, so Blümel weiter.

Forderung nach einen Betha von Suttner Friedensfond von 50 Millionen Euro als ersten Schritt in Richtung aktiver Friedenspolitik

„Wir fordern die Regierung dringend auf, ausreichende Mittel für die umfassende Umsetzung der Friedensbildung in der Gesellschaft und Friedenserziehung in Schulen durch PädagogInnen und ExpertInnen der Friedensarbeit bereitzustellen. Als Start soll ein Bertha von Suttner Friedensfond mit einem Etat von 50 Millionen Euro bereitgestellt werden, der auf die wichtige Rolle von Frauen und die Jugend in der Friedensbildung fokussiert“, so Rosa Logar, Vorsitzende von WILPF, der ältesten Frauenfriedensorganisation der Welt, gegründet 1915.

„50 Millionen Euro, das ist halb so viel wie ein Eurofighter kostet, soviel muss uns die Friedensbildung wert sein, nachdem heuer das Budget des Bundesheers um 369,8 Millionen auf 4,76 Milliarden Euro aufgestockt wird und bis 2023 der weitere Ausbau des Militärbudgets auf 16 Milliarden geplant ist,“ so Logar weiter. Eine aktive Friedenspolitik ist dringend notwendig um die Eskalation von Gewalt und insbesondere den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern. „Dafür soll das Friedensbudget in den nächsten Jahren auf 500 Millionen Euro ausgebaut und ein Friedensministerium eingerichtet werden, denn derzeit gibt es keine Zuständigkeit für Friedenspolitik“ fordert Rosa Logar.

Expert*innen stehen für Interviews bereit

Die Fachtagung bei der die dargestellten Themen sowie Alternativen zur Militarisierung diskutiert werden findet heute Do, 21.Mai 2026 von 17h-19h30 im Kulturzentrum Flucc, Praterstern 5, 1020 Wien statt.

Folgende Expert*innen nehmen daran teil: Regina Blümel (Jugendcoach), Claudia Brunner (Friedensforscherin Universität Klagenfurt), Alexandra Fischer (Wiener Kinderfreunde), Oskar Kaufmann (Schüler BRG9), Josef Mühlbauer (Friedensforscher Uni Graz), Theresa Pfenig (AHS Lehrerin Salzburg), Irmtraud Voglmayr (Feministische Medienwissenschaftlerin und Soziologin), Werner Wintersteiner (Friedensforscher) und weiteren Expert*innen.

Moderation: Rosa Logar (WILPF Austria) und Sophia Weber (Attac).

Die ExpertInnen stehen für weitere Auskünfte und Interviews gerne zur Verfügung.

Pressekontakt: Rosa Logar E-mail: [email protected], Tel. + 43 664 311 94 58

Rückfragen & Kontakt

Rosa Logar +43 664 3119458 / [email protected]
Wilpf Austria (Frauenliga für Frieden und Freiheit)

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