- 20.05.2026, 14:53:02
- /
- OTS0158
Zehetner begrüßt EU-Pläne für Rohstoff-Lager: „Europa muss bei kritischen Rohstoffen handlungsfähiger werden“
Energie-Staatssekretärin verweist auf Industriestrategie, Kreislaufwirtschaft und strategische Rohstoffreserven als Schlüssel für mehr Resilienz
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner begrüßt die Pläne der Europäischen Union, ein gemeinsames Lager für kritische Rohstoffe aufzubauen. Laut Medienberichten prüft die EU derzeit die Bevorratung strategisch wichtiger Mineralien wie Wolfram, Gallium, Seltene Erden, Magnesium, Germanium und Graphit. Ziel ist es, die Abhängigkeit von China zu reduzieren und die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber Lieferengpässen, Handelskonflikten und geopolitischem Druck zu machen.
Kritische Rohstoffe sind Standortfrage
„Kritische Rohstoffe sind längst eine Standortfrage, eine Sicherheitsfrage und eine Wettbewerbsfrage. Ohne Wolfram, Gallium, Seltene Erden, Graphit oder Germanium gibt es keine moderne Industrie, keine Halbleiter, keine Energiewende und keine starke Verteidigungsindustrie. Deshalb ist es richtig, dass Europa hier handlungsfähiger werden will“, sagt Zehetner. Die jüngsten Überlegungen der EU seien ein wichtiger Schritt, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern. China habe in der Vergangenheit gezeigt, dass Exportbeschränkungen bei kritischen Rohstoffen auch als wirtschafts- und geopolitisches Druckmittel eingesetzt werden können. „Europa darf bei Schlüsselrohstoffen nicht in einer Situation bleiben, in der einzelne Drittstaaten über unsere industrielle Handlungsfähigkeit mitentscheiden. Wer die Rohstoffe kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch Zukunftstechnologien. Deshalb brauchen wir Diversifizierung, Kreislaufwirtschaft, heimische und europäische Quellen und dort, wo es sinnvoll ist, strategische Reserven“, so Zehetner.
Industriestrategie setzt auf Rohstoffsouveränität
Zehetner verweist darauf, dass die Sicherung strategischer Rohstoffe auch in der österreichischen Industriestrategie verankert ist. Ziel sei es, die Rohstoffversorgung der Industrie zu unterstützen und damit wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Resilienz zu stärken. Dazu zählen die Forcierung der Kreislaufwirtschaft, höhere Ressourceneffizienz, digitale Ressourcenplattformen für Sekundärrohstoffe und die Möglichkeit strategischer Rohstoffreserven. „Genau diese Richtung haben wir in unserer Industriestrategie festgelegt. Österreich muss seine Rohstoffversorgung breiter, intelligenter und resilienter aufstellen. Das heißt: mehr Kreislaufwirtschaft, mehr Ressourceneffizienz, mehr Nutzung heimischer und europäischer Primär- und Sekundärrohstoffe und die Möglichkeit, strategische Rohstoffreserven aufzubauen“, betont Zehetner.
Die geplante europäische Bevorratung passe damit zu einem breiteren industriepolitischen Kurs. Strategische Reserven könnten kurzfristig helfen, Lieferengpässe in Krisenzeiten abzufedern. Sie seien aber kein Ersatz für eine langfristige Strategie zur Reduktion struktureller Abhängigkeiten.
Österreichs Exportwirtschaft direkt betroffen
Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch an aktuellen Analysen zu Lieferkettenrisiken. Bei zwölf von 17 strategischen Rohstoffen gilt die Versorgung in der EU als gefährdet bis stark gefährdet. Bei knapp der Hälfte der Rohstoffe ist China für Österreich das Land mit der höchsten Abhängigkeit. Mehr als die Hälfte der österreichischen Jahresexporte im Wert von rund 97 Milliarden Euro benötigen kritische Rohstoffe. „Diese Zahlen zeigen sehr klar: Rohstoffsicherheit ist kein Randthema. Sie betrifft unsere Exportwirtschaft, unsere Industriearbeitsplätze und unsere technologische Souveränität. Wenn mehr als die Hälfte unserer Exporte auf kritische Rohstoffe angewiesen ist, dann müssen wir diese Frage mit derselben Ernsthaftigkeit behandeln wie Energieversorgung oder Infrastruktur“, sagt Zehetner.
Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel
Besonders wichtig sei aus Sicht Zehetners die Kreislaufwirtschaft. Sie müsse über klassisches Recycling hinausgehen und stärker auf Wiederverwendung, längere Produktlebensdauer, Materialeffizienz, Substitution kritischer Rohstoffe und Sekundärrohstoffe setzen. „Strategische Lager können in Krisen helfen. Der eigentliche Schlüssel liegt aber darin, Rohstoffe länger im Kreislauf zu halten und Abhängigkeiten dauerhaft zu reduzieren“, so Zehetner.
Österreich habe hier gute Voraussetzungen. Der Standort zählt in der Umwelttechnologie, bei Energie- und Ressourceneffizienz, Recycling, erneuerbaren Energien und Kreislauftechnologien zu den leistungsfähigen Ländern Europas. Diese Stärken müssten nun gezielt für die industrielle Transformation genutzt werden. „Österreich hat starke Umwelttechnologien, hohe Innovationskraft und Unternehmen, die weltweit zeigen, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zusammengehen. Genau daraus kann ein Standortvorteil entstehen. Wer Kreislaufwirtschaft ernst nimmt, stärkt Versorgungssicherheit, reduziert Abhängigkeiten und schafft neue Geschäftsmodelle“, sagt Zehetner.
Europa braucht Diversifizierung und klare Rahmenbedingungen
Die österreichischen Aktivitäten sollen im Einklang mit ReSourceEU und dem Critical Raw Materials Act stehen. Dabei gehe es um Versorgung aus heimischen und europäischen Quellen, internationale Rohstoffpartnerschaften, Handelsabkommen mit rohstoffreichen Ländern und den Ausbau von Wiederverwertung und Aufbereitung. „Der Critical Raw Materials Act gibt die Richtung vor: Europa muss seine Lieferketten breiter aufstellen und darf bei strategischen Rohstoffen nicht von einem einzigen Land abhängig sein. Dafür braucht es internationale Partnerschaften, klare rechtliche Rahmenbedingungen und Investitionen in Aufbereitung, Recycling und Innovation“, erklärt Zehetner. Abschließend betont die Staatssekretärin, dass Rohstoffpolitik ein zentraler Bestandteil moderner Industriepolitik sei. „Die Industrie der Zukunft entscheidet sich nicht nur an Energiepreisen, Netzen und Fachkräften. Sie entscheidet sich auch an der Frage, ob wir Zugang zu den Rohstoffen haben, die für Zukunftstechnologien notwendig sind. Deshalb ist der EU-Vorstoß richtig und wichtig. Europa muss vorsorgen, diversifizieren und seine eigene Rohstoffbasis stärken. Österreich wird diesen Weg aktiv mitgehen“, so Zehetner abschließend.
Rückfragen & Kontakt
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus
[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MWA






