• 19.05.2026, 07:00:33
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Hattmannsdorfer: „Die neue Weltwirtschaft zwingt Europa zum Kurswechsel“

Aktuelle FIW-Studie zeigt Handlungsbedarf bei Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreisen und neuen Handelsabkommen

Wien (OTS) - 

Die Weltwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren, steigende Energiepreise und globale Machtverschiebungen verändern internationale Wertschöpfungsketten grundlegend. Das aktuelle FIW-Jahresgutachten zeigt dabei klar: Österreichs Außenwirtschaft steht massiv unter Druck – gleichzeitig entstehen neue Chancen in Wachstumsmärkten wie Indien, Südostasien oder Lateinamerika.

Im Rahmen der heutigen Präsentation des FIW-Jahresgutachtens betont Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Notwendigkeit einer aktiven europäischen Wettbewerbs- und Industriepolitik sowie einer strategischen Neuausrichtung der Außenwirtschaft.

„Die Studie zeigt klar: Die Weltwirtschaft wird geopolitischer, härter und strategischer. Während andere Wirtschaftsräume ihre Industrie absichern, Energiepreise senken und gezielt Zukunftstechnologien aufbauen, verliert Europa zu oft Zeit mit Regulierung und Bürokratie. Genau deshalb braucht es jetzt einen europäischen Wettbewerbsfähigkeitskurs: weniger Klein-Klein, mehr industrielle Stärke, schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und moderne Handelsabkommen mit Wachstumsmärkten wie Indien, Mercosur oder Südostasien. Europa muss wieder strategisch handeln – sonst verlieren wir Wohlstand, Industrie und technologische Souveränität“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Das FIW-Gutachten zeigt unter anderem, dass die österreichischen Warenexporte 2025 nominell um 0,5 Prozent zurückgegangen sind, während die Importe nominell um 4,1 Prozent gestiegen sind. Die Handelsbilanz verschlechterte sich binnen eines Jahres um 8,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig belasten geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise sowie zunehmender Protektionismus internationale Lieferketten und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Besonders deutlich wird laut Analyse auch die strategische Bedeutung neuer Wachstumsmärkte: Indien allein wird bis 2029 ein zusätzliches Importwachstum von rund 308 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Vor allem Maschinenbau, Industrieanlagen, Umwelttechnologien und technische Infrastruktur gelten als zentrale Zukunftssektoren für österreichische Unternehmen.

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen unseren wirtschaftspolitischen Kurs. Österreich muss resilienter und unabhängiger werden. Deshalb setzen wir mit der Industriestrategie 2035 auf Schlüsseltechnologien, industrielle Skalierung, neue internationale Partnerschaften und eine stärkere europäische Souveränität bei Energie, Technologie und Produktion. Klar ist auch: Energiepreise bleiben ein entscheidender Faktor für unseren Standort. Deshalb treiben wir den Ausbau heimischer Energieproduktion, schnellere Genehmigungen und wettbewerbsfähige Industriestrompreise konsequent voran. Mit dem EABG liegt jetzt die Chance auf dem Tisch, die Energiewende endlich in die Umsetzung zu bringen – dafür braucht es jetzt Partner, die Verantwortung übernehmen“, so Hattmannsdorfer.

„Besonders relevant für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind derzeit die handelspolitischen Signale aus den USA und die Entwicklung der fossilen Energieträger. Ein länger anhaltender Nahost-Konflikt mit der weiteren Blockade der Straße von Hormus würde die Energiepreise länger hochhalten, zusätzliche Lieferkettenprobleme auslösen und damit die wirtschaftliche Erholung deutlich dämpfen“, so Elisabeth Christen, Senior Economist am WIFO.

Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung einer aktiven Risikominderungsstrategie auf europäischer und nationaler Ebene. Die jüngsten Energiepreisschocks und die zunehmende Fragmentierung des Welthandels verdeutlichen, wie wichtig es ist, strukturelle Abhängigkeiten frühzeitig abzubauen. Der Schwerpunkt liegt auf der Diversifizierung von Angebots- und Absatzmärkten, der Vertiefung der Handelsbeziehungen mit regelbasierten Partnern, dem Ausbau erneuerbarer Energien sowie dem Aufbau widerstandsfähigerer internationaler Lieferketten.

„Um diese Ziele zu erreichen, muss eine breit angelegte Industriestrategie aktiv vorangetrieben werden, die kritische Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Energie und digitalen Technologien abbaut und gleichzeitig Europas langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärkt", so Robert Stehrer, Wissenschaftlicher Direktor des wiiw.

Priv.-Doz. Dr. Klaus Weyerstraß (IHS) verweist insbesondere auf die Bedeutung von Verlässlichkeit im internationalen Handel: „Mit der Ankündigung umfassender US-Importzölle ist die handelspolitische Unsicherheit im vergangenen Jahr auf historische Höchststände gestiegen. Handelsabkommen reduzieren diese Unsicherheit und geben den Unternehmen einen stabilen Anker.“

Die Bundesregierung verfolgt daher mit der Industriestrategie Österreich 2035 das Ziel, Österreich wieder unter die Top-10 der wettbewerbsfähigsten Industrienationen der Welt zu bringen. Im Fokus stehen insbesondere Schlüsseltechnologien, industrielle Transformation, wettbewerbsfähige Energiepreise, Entbürokratisierung sowie neue internationale Partnerschaften.

Darüber hinaus dient die gemeinsame Internationalisierungsoffensive go-international des BMWET und der WKÖ als zentrales Programm zur Unterstützung der Internationalisierung österreichischer Unternehmen.

KEY-FACTS zum FIW-Jahresgutachten

  • Der „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW) veröffentlichte am Mittwoch, 19. Mai 2026 sein siebtes Jahresgutachten zur „Lage der österreichischen Außenwirtschaft“.
  • Das Gutachten analysiert die internationalen Rahmenbedingungen, liefert eine ausführliche Analyse der österreichischen Außenwirtschaft für das Jahr 2025 und enthält eine Prognose der österreichischen Außenhandelsentwicklung für die Jahre 2026 und 2027. Erstmals widmet sich die Studie zudem ausführlich den monetären Außenwirtschaftsbeziehungen sowie den mittelfristigen Veränderungen im globalen Handelssystem.
  • Im Mittelpunkt der diesjährigen Analyse stehen die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Spannungen – insbesondere die protektionistische Handelspolitik der USA, der Nahost-Konflikt und der daraus resultierende Energiepreisschock.
  • Die österreichischen Warenexporte entwickelten sich im Jahr 2025 schwach und gingen nominell um 0,5 Prozent bzw. real um 1,1 Prozent zurück
  • Die Warenimporte entwickelten sich hingegen deutlich dynamischer und stiegen nominell um 4,1 Prozent bzw. real um 4,8 Prozent.
  • Für die Jahre 2026 und 2027 prognostiziert das FIW eine nur schrittweise Erholung der österreichischen Außenwirtschaft. Im Hauptszenario dürften die realen Exporte (Waren- und Dienstleistungen) im Jahr 2026 um 1,5 Prozent und im Jahr 2027 um 2,2 Prozent wachsen. Die Importe werden mit 1,0 Prozent im Jahr 2026 und 2,0 Prozent im Jahr 2027 ebenfalls nur moderat zulegen.
  • Ein deutlich stärkerer und länger anhaltender Energiepreisanstieg könnte Österreichs Außenhandel erheblich bremsen. In einem pessimistischen Szenario könnte das Wachstum der realen Exporte im Jahr 2026 lediglich 0,3 Prozent und im Jahr 2027 nur 1,1 Prozent betragen. Die Importe könnten im Jahr 2026 sogar leicht zurückgehen, bevor sie im Jahr 2027 wieder moderat zulegen. Gleichzeitig würde sich die Handelsbilanz unter dem Druck höherer Energiepreise deutlich stärker verschlechtern.
  • Das internationale Umfeld bleibt herausfordernd. Die Weltwirtschaft wuchs im Jahr 2025 real um 3,4 Prozent, für 2026 und 2027 wird jedoch mit einer leichten Abschwächung auf 3,1 Prozent beziehungsweise 3,2 Prozent gerechnet. Während die US-Wirtschaft vergleichsweise dynamisch wächst, bleiben die Europäische Union und insbesondere Deutschland als wichtigste Absatzmärkte Österreichs deutlich zurück. Für den Welthandel wird nach einem kräftigen Anstieg im Jahr 2025 ebenfalls eine Abschwächung erwartet.
  • Für Österreich zeigt sich im Jahr 2025 beim real-effektiven Wechselkurs auf Basis der Lohnstückkosten eine etwas geringere Aufwertung als im Durchschnitt des Euro-Raums. Diese leichte Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit relativiert sich jedoch angesichts der starken inflationsbedingten realen Aufwertung in den Jahren davor.
  • Der Rückgang der Inflation im Euro-Raum hat es der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr ermöglicht, die Leitzinsen um insgesamt einen Prozentpunkt auf 2,0 Prozent (Einlagensatz) zu senken. Der Energiepreisschock im Gefolge des Kriegs im Nahen Osten hat jedoch die Inflation wieder deutlich steigen lassen. Die geldpolitische Lockerung hat in Österreich zu einem Rückgang der Zinsen auf Unternehmens- und Immobilienkredite geführt.
  • Globale Unsicherheit ist ein zentraler Einflussfaktor für internationale Finanzmärkte und kann die Anfälligkeit von Volkswirtschaften gegenüber externen Schocks erheblich erhöhen.
  • Das FIW-Jahresgutachten steht Ihnen unter https://www.fiw.ac.at/publications/fiw-jahresgutachten-2026-die-oesterreichische-aussenwirtschaft/ zum Download zur Verfügung.

Der Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) bietet eine Forschungsplattform, Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen sowie den Zugang zu volkswirtschaftlichen Datenbanken. Das Kompetenzzentrum FIW ist ein Kooperationsprojekt der Wirtschaftsuniversität Wien mit der Universität Wien, der Johannes-Kepler-Universität Linz, der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche und des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) finanziert.

Das Jahresgutachten wurde aus Mitteln des BMWET gefördert. Alle Rechte vorbehalten. Jeder Teil des Inhalts dieses Gutachtens kann unter Bezugnahme auf die Quelle zitiert werden. Für die Inhalte sind die Autorinnen und Autoren verantwortlich.

Rückfragen & Kontakt

FIW-Projektbüro

Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO

1030 Wien, Arsenal, Objekt 20

Telefon: (+43 1) 798 26 01-335

E-Mail: [email protected]

Webseite: https://www.fiw.ac.at/

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