• 18.05.2026, 09:02:03
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Berufsverband Fachärzt:innen Österreich warnt vor Zuweisungszwang und Gatekeeping

Auch in Gatekeeping-Ländern dominieren Diskussionen über lange Wartezeiten, Zugänglichkeit und schwindendes Gesundheitssystemvertrauen

Wien (OTS) - 

Der Berufsverband Fachärzt:innen Österreich warnt vor dem aktuell diskutierten Zuweisungszwang zu Fachärzt:innen. "Man sagt: Steuerung und Patientenlenkung. Man meint: Weniger Kosten und Rationierung. Auf Qualitätssicherung mit medizinischer Expertise wird bei der Debatte um Zuweisungszwang und Gatekeeping nicht vorrangig Rücksicht genommen", betonte Florian Mittermayer, Präsident des Berufsverbands Fachärzt:innen Österreich, am Montag. Gemeinsam mit ihm positionieren sich Expert:innen aus vielen fachärztlichen Disziplinen, u.a. Pulmologin Irene Sperk, Internistin Bonni Syeda, Urologe Mehmet Özsoy, HNO-Ärztin Verena Niederberger-Leppin und die Dermatologin Elisabeth Heere-Ress. "Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Gesundheitsreformdebatte in die falsche Richtung geht. Zuweisungszwang und Gatekeeping werden die Wartezeiten auf eine gute Behandlung durch Expert:innen verlängern und die Kosten erhöhen. Wir wollen auch zur Transparenz in der Kommunikation beitragen: Skandinavische und nordische Gesundheitssysteme werden gerne als Positivbeispiele ins Treffen geführt. Dabei gibt es auch dort Diskussionen über lange Wartezeiten, Zugänglichkeit und schwindendes Vertrauen ins Gesundheitswesen", so die Fachärzt:innen unisono. Webtipp:
https://www.openpetition.eu/at/petition/online/fuer-den-erhalt-des-freien-facharztzugangs.

"Zuweisungszwang und Gatekeeping über die Primärversorgung bedeuten einen zusätzlichen Engpass in einem ohnehin stark belasteten System. Das Ergebnis wird ein Flaschenhals sein: Längere Wartezeiten für Patient:innen und ein höheres Risiko verzögerter Diagnosen", so die Fachärzt:innen. "Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, jetzt alle Gesundheitsberufe und ihre Interessenvertretungen in den Diskurs einzubeziehen. Ja, Ökonomie hat ihren Platz im österreichischen Gesundheitswesen – gerne bringen wir nun medizinische Expertise ein. Wir sind sicher, dass ein Diskurs über Qualität statt über Rationierung im Interesse aller Menschen in Österreich ist."

Statt Spitalsambulanzen zu entlasten: Belastung der Primärversorgung

Die notwendige doppelte Inanspruchnahme ärztlichen Fachpersonals – zunächst in der Primärversorgung, anschließend bei Fachärzt:innen – führt zu Mehrkosten statt Einsparungen. Besonders problematisch ist das für chronisch kranke Menschen, etwa Herzpatient:innen: Sie brauchen regelmäßige fachärztliche Kontrollen und müssten dann jedes Mal wieder eine Überweisung holen. "Der Ausbau der Primärversorgung in Österreich ist richtig. Es wäre aber falsch, die neu geschaffenen Strukturen durch neue administrative Aufgaben wie Zuweisungszwang und Gatekeeping gleich wieder zu überlasten."

Der Berufsverband Fachärzt:innen Österreich rechnet ferner damit, dass Patient:innen vermehrt auf Wahlärzt:innen ausweichen, wenn der Zugang zu Kassen-Fachärzt:innen erschwert wird. "Eine Abstimmung mit den Füßen wäre wohl das Gegenteil des politisch intendierten Ergebnisses."

Hinsichtlich der Entlastung von Spitalsambulanzen sieht der Verband die Wirkung differenziert. "Die hohen Kosten im Gesundheitssystem entstehen nicht zuletzt durch spezialisierte Spitalsambulanzen. Wir setzen uns dafür ein, diese Spezialambulanzen durch niedergelassene Fachärzt:innen bzw. spezialisierte Facharztzentren zu entlasten, da dort die entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Leistungen abgebildet sind. Die Primärversorgung ist ein wichtiger Bestandteil des Systems, kann jedoch diese spezialisierten Leistungen nicht ersetzen und daher auch keine nachhaltige Entlastung dieser Ambulanzen bewirken", so die Expert:innen abschließend.

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Eipeldauer-Consulting e.U.
Mag. Michael Eipeldauer
Telefon: +43 676 9222475
E-Mail: [email protected]
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