- 12.05.2026, 10:01:31
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„Eine Ikone des Jazz“: Ö1 zum 100. Geburtstag von Miles Davis
Am 26. Mai jährt sich der Geburtstag von Miles Davis zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet Ö1 dem Jazzmusiker und Trompeter „Ausgewählt“ (21.5.), am 23. Mai „Hörbilder“, „Diagonal“, „Diagonals Feiner Musiksalon extended“ und die „Ö1 Jazznacht“, weiters „Spielräume“ (28.5.) und „In Concert“ (29.5.). Das Programm im Detail ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/milesdavis.
Miles Davis als Brückenbauer „Zwischen Jazz und klassischer Musik“ ist Thema von „Ausgewählt“ (10.05 Uhr) am Donnerstag, den 21. Mai. Davis war zweifellos einer der größten Jazzmusiker aller Zeiten. Er nahm zahlreiche Einflüsse von wichtigen Persönlichkeiten des Jazz auf, etwa von Gil Evans und Thelonious Monk sowie auch vom Österreicher Joe Zawinul. Etwas weniger bekannt sind seine Bezüge zur klassischen Musik. Davis orientierte sich an Claude Debussy, Léo Delibes und Manuel de Falla, zeitweise sogar an elektronischen Experimenten Karlheinz Stockhausens. Er war also nicht nur „The Prince of Darkness“, sondern auch ein Brückenbauer zur Klassikszene – ein großer und universeller Musiker, der an viele Musikströmungen des 20. Jahrhunderts andockte und dadurch den Jazz transformierte.
Am Samstag, den 23. Mai steht in den „Hörbildern“ (9.05 Uhr) „Miles Davis – eine Würdigung zum 100. Geburtstag“ auf dem Programm. Er war einer der einflussreichsten Musiker des Zwanzigsten Jahrhunderts: Miles Davis, Zahnarztsohn aus Illinois, Trompetengenie und Egozentriker mit stacheligem Bad-Boy-Appeal. 1945, während die letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs tobten, begann der 19-Jährige die New Yorker Jazz-Szene aufzumischen. Zusammen mit Charlie Parker, Kenny Clarke und Thelonious Monk prägte Miles Davis die neue fiebrig-nervöse Stilrichtung des Bebop. Einige Jahre später kultivierte der Musiker dann einen kühlen, melancholischen, entspannten Trompetenton – bis heute eines seiner Markenzeichen: Der Cool Jazz war geboren. Von der Jazzkritik wurde Davis später als „Prince of Darkness“ tituliert – ein Attribut, das sich auf seine geheimnisvolle Bühnenpräsenz bezog, auf seinen schweigsamen, oft mürrischen Charakter und die nächtlich-großstädtische Ästhetik seiner Musik, die seinen Stil besonders in der Cool-Jazz-Periode prägte. Musikerkolleg:innen dagegen nannten Miles Davis schlicht und einfach „The Chief“ – aus Respekt vor seinem musikalischen Genie. Mit dem allgegenwärtigen Rassismus in den USA hat der Musiker zeit seines Lebens unliebsame Erfahrungen gemacht. Immer wieder kam es zu demütigenden Szenen in Hotels und Restaurants, auch von polizeilichen Schikanen wird berichtet. Zeitlebens war „The Chief“ ein kompromissloser Gegner von weißem Überlegenheitsdünkel und jeder Art von Rassismus.
Zwtl.: Ein Meister der Fusion
Ab 17.05 Uhr ist unter dem Titel „Eine Ikone des Jazz“ ein „Diagonal zur Person Miles Davis“ zu hören. Er prägte diverse Jazzstile – der wichtigste darunter wohl Cool Jazz – und er war ein Meister der Fusion. Selbst Nichteingeweihte erkennen sein Jahrhundertalbum „Kind of Blue“ (1959) nach wenigen Sekunden. Davis setzte damit eines der bedeutendsten Jazzalben überhaupt in die Welt. Er arbeitete und spielte mit John Coltrane und Herbie Hancock. Und er begann ab den 1970er-Jahren mit elektronischen Instrumenten und Rock-Einflüssen zu experimentieren. Sein Innovationsgeist sollte Generationen von Musikern weit über den Jazz hinaus beeinflussen. Ab 19.05 Uhr begibt sich ein einstündiger „Diagonals Feiner Musiksalon extended“ mit Miles Davis quer durch die 1980er Jahre.
Die „Ö1 Jazznacht“ wirft ab 23.03 Uhr Schlaglichter auf die Karriere von Davis: Im Mittelpunkt steht das legendäre „zweite Miles-Davis-Quintett“, aktiv von 1964 bis 1968, mit Saxofonist Wayne Shorter, Pianist Herbie Hancock, Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Tony Williams. Harmonisch und rhythmisch wurden in dieser Formation neue Standards gesetzt, die zu einem guten Teil von der Rhythmusgruppe Hancock/Carter/Williams initiiert wurden. Zu Gast im Studio sind der deutsche Pianist Urs Hager, sein Landsmann, der Schlagzeuger Sebastian Baumgartner, und der serbische Kontrabassist Milos Colovic, die ihre bevorzugten Davis-Quintett-Aufnahmen präsentieren und analysieren. Zudem gelangt eine Rarität aus dem Archiv des Flämischen Rundfunks VRT via European Broadcasting Union (EBU) zur Ausstrahlung: Am 26. Oktober 1971 gastierte Miles Davis mit einem percussionlastigen Septett im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Mit an Bord war neben Saxofonist Gary Bartz auch der von Davis als Genie bezeichnete Pianist Keith Jarrett, der hier allerdings auf von ihm selbst nicht gerade geliebten elektronischen Tasteninstrumenten (E-Piano, Orgel) agieren musste.
Die „Spielräume“ (17.30 Uhr) präsentieren am Donnerstag, den 28. Mai das Album „Legrand Jazz“ (1958) von Miles Davis und Michel Legrand. „In Concert“ (14.05 Uhr) bringt am Freitag, den 29. Mai einen nun exklusiv über die European Broadcasting Union zugänglich gemachten Mitschnitt, aufgenommen ursprünglich für das Format Jazztrack der Australian Broadcasting Corporation: Am 2. Mai 1988 gastierte Miles Davis mit seiner damaligen Band in der Melbourne Concert Hall (heute: Hamer Hall im Arts Centre Melbourne). Die Aufnahme führt mitten hinein in eine späte Schaffensphase des 1991 verstorbenen Trompeters: Miles Davis präsentiert sich hier als Künstler, der den Jazz in die Gegenwart stürzen lässt. An seiner Seite stehen Kenny Garrett (Altsaxofon, Flöte), Robert Irving III und Adam Holzman (Keyboards), Joseph McCreary Jr. alias Foley (Piccolo-Bass), Benny Rietveld (E-Bass) sowie Marilyn Mazur (Percussion). Gemeinsam formt dieses Ensemble einen dichten, kraftvollen, elektrischen Bandsound, über dem Davis‘ Trompetenton mit unverminderter Autorität und suggestiver Kraft steht. Das Programm im Detail ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/milesdavis.
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