- 11.05.2026, 10:00:32
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„Europa weiter denken“: ein Ö1-Jahresschwerpunkt
Im Mai beginnt in Ö1 der Jahresschwerpunkt „Europa weiter denken“ mit einem „Im Gespräch“ mit Misha Glenny (15.5.) und der ersten Staffel der „Radiokolleg“-Podcast-Reihe „Im Warteraum der EU“ (18.-21.5.). Die zweite Staffel ist im Juni zu hören (15.-18.6.), ebenso ein „Im Gespräch“ mit Ivan Krastev (19.6.) und „Menschenbilder“ mit György Dalos (21.6.). Das gesamte Programm des Jahresschwerpunktes ist laufend aktualisiert abrufbar unter https://oe1.orf.at/europaweiterdenken.
Die EU will wachsen. Aber ist sie wirklich bereit, neue Mitglieder aufzunehmen? Würde eine Erweiterung sie in einer Welt stärken, in der Machtpolitik wieder an Bedeutung gewinnt, oder droht sie daran zu zerbrechen, wenn zu viele Staaten mit am Tisch sitzen? Auf dem Balkan warten sechs Länder seit fast einem Vierteljahrhundert darauf, Teil der Europäischen Union zu werden. Bereits 2003 hatte die EU ihnen versprochen: „Die Zukunft der Balkanstaaten liegt in der Europäischen Union.“ Die Ö1-Podcast-Serie „Im Warteraum der EU“ reist in jene Länder, die seit den Nullerjahren in die EU eintreten möchten – Serbien, Kosovo, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien. Länder, die in Europa sind, aber noch nicht vollends dazugehören. Und das, obwohl die Stimmung dort meist pro-europäischer ist als in so manchem Mitgliedsland.
Die „Radiokolleg“-Podcast-Serie „Im Warteraum der EU“ befasst sich in acht Episoden mit der EU-Erweiterung. Host der Serie ist die Schauspielerin Marie-Luise Stockinger. Recherchiert hat sie die Journalistin Franziska Tschinderle, die sich seit Jahren mit dem Balkan beschäftigt und mittlerweile auch dort lebt. Die Reise geht ins „Las Vegas“ des Balkans, eine für ihre Casinos bekannte Stadt an der griechischen Grenze. Auf einen der malerischsten Berge Montenegros. Auf eine Militärparade im Kosovo und an die letzten unverbauten Wildflüsse des Kontinents. Zu Wort kommen eine Vielzahl an Menschen: LKW-Fahrer in Nordmazedonien, ein katholischer Priester in einem kleinen Dorf im Norden Albaniens. Eine Studentin in Serbien, die seit Jahren gegen das autokratische Regime von Präsident Aleksandar Vučić auf die Straße geht. Ein Fischer in Montenegro, der in einem Dorf am Skadar-See lebt, dem größten See auf der Balkanhalbinsel. Dazu kommen Interviews mit Entscheidungsträgern in Brüssel und den europäischen Hauptstädten. Die einzelnen Folgen thematisieren: „Die Erweiterung ist zurück“ (18.5.), „Kosovo: junger Staat, alte Probleme“ (19.5.), „Nordmazedonien und seine nervigen Nachbarn“ (20.5.), „Montenegro – kurz vor dem Ziel“ (21.5.), „Serbien – Studierende gegen Vučić“ (15.6.), „Bosnien-Herzegowina – Versöhnung durch Fußball?“ (16.6.), „Albanien – Eine Justizreform, die wehtut“ (17.6.) und „Beziehungsstatus ‚kompliziert‘“ (18.6.). Der achtteilige Podcast „Im Warteraum der EU“ ist unter ORF Sound abrufbar und im „Radiokolleg“ von 18. bis 21. Mai und von 15. bis 18. Juni jeweils ab 9.05 Uhr in Ö1 zu hören.
Zwtl.: Misha Glenny, Ivan Krastev und György Dalos über Europa
Der Historiker und Balkan-Experte Misha Glenny ist am Freitag, den 15. Mai zu Gast in „Im Gespräch“ (16.05 Uhr). Glenny zählt zu den profiliertesten Kennern Südosteuropas. Der britische Journalist und Historiker lebte in den 1990er Jahren in Wien und berichtete von da als Korrespondent für die BBC und den „Guardian“ aus den Krisengebieten des zerfallenden Jugoslawiens. 1999 erschien sein Buch „The Balkans: Nationalism, War and the Great Powers“, eine Analyse der Entwicklungen der letzten zwei Jahrhunderte in der Region. Von 2022 bis Ende März 2026 war Misha Glenny Rektor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien. Anfang 2026 übernahm er zudem die Moderation der BBC-Radio-Kultsendung „In Our Time“. Über seine Analysen zu Demokratie, Autoritarismus und geopolitische Machtkämpfe im südöstlichen Europa gerade in Zeiten, in denen der Westbalkan erneut im Spannungsfeld zwischen EU-Integration und konkurrierenden Einflüssen steht, spricht Birgit Dalheimer mit Misha Glenny.
Unter dem Titel „Europa braucht eine neue Identität“ spricht Armin Wolf mit dem Politologen Ivan Krastev über die Krise der liberalen Demokratie, die Rückkehr des Krieges als Mittel der Politik und die Zukunft Europas – in „Im Gespräch“ am Freitag, den 19. Juni ab 16.05 Uhr in Ö1. Der bulgarische Politikwissenschafter gilt als einer der originellsten Analytiker der aktuellen Weltpolitik. Krastev berät Staats- und Regierungschefs in ganz Europa, kennt Wladimir Putin, schreibt regelmäßig Kolumnen für „Financial Times“ und „New York Times“ und ist Autor weltweit beachteter Bücher und Essays. Der 61-Jährige lebt seit vielen Jahren in Wien als Permanent Fellow des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), das er derzeit auch leitet. Krastev ist davon überzeugt, dass die Weltordnung des 20. Jahrhunderts nicht 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Ende ging, sondern erst in den letzten Jahren – mit dem russischen Überfall auf die Ukraine und der Rückkehr militärisch basierter Machtpolitik. Die Flüchtlingskrise von 2015/2016 hält er für „Europas 9/11“, die ungarische Parlamentswahl für das wichtigste europäische Ereignis des Jahres und Demografie für einen wesentlich unterschätzten Faktor geopolitischer Entwicklungen.
„Ungarn als Experimentierfeld der Geschichte“ lautet der Titel der „Menschenbilder“ über György Dalos am Sonntag, den 21. Juni ab 14.10 Uhr in Ö1. Cornelius Hell hat den in Berlin lebenden Schriftsteller und Historiker besucht. Der 1943 in Budapest geborene Dalos hat die ungarische Zeitgeschichte in vielen Facetten selbst erlebt und sich intensiv in zahlreichen Buchveröffentlichungen damit auseinandergesetzt. Viele seiner Verwandten waren im Holocaust umgekommen, daher bedeutete sein Judentum für ihn zuerst das Wissen um solche Geschichten. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr wurde György Dalos in jüdischen Internaten religiös erzogen und lernte Hebräisch, später wurde er überzeugter Atheist. 1962 bis 1967 studierte er in Moskau Geschichte, 1964 erschien sein erster Gedichtband und er trat in die Kommunistische Partei ein. 1968 wurde er als maoistischer Linksabweichler zu einer Haftstrafe verurteilt; danach arbeitete er als Übersetzer, da er anders kaum publizieren konnte. 1977 war er Mit-Initiator der ungarischen Demokratiebewegung, 1987 kam er mit einer Reisetasche und der Schreibmaschine seines Vaters nach Wien, wo er bis 1995 hauptsächlich lebte.
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