- 11.05.2026, 09:51:33
- /
- OTS0042
Alpine Hospitality Summit: Business mit Leidenschaft
340 führende touristische Entscheidungsträger diskutierten in Kitzbühel über neue Spielarten von Innovation, Finanzierung und Gastgeberkultur.

Tourismus steht für Mobilität – und doch ist die Immobilie seine Basis. Genau an dieser Schnittstelle setzte der Alpine Hospitality Summit an, der am 7. Mai 2026 im Grand Tirolia Kitzbühel stattfand. Im Mittelpunkt standen das Hotel als wirtschaftliches Fundament des alpinen Tourismus sowie dessen Schnittstellen zwischen Innovation, Investition, Finanzierung und Betrieb.
Im Veranstaltungssaal des Grand Tirolia versammelten sich 340 führende Entscheidungsträger aus der alpinen Hotelimmobilien-, Ferienhotellerie- und Investmentwelt. Diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen nicht nur auf den Panels, sondern auch in den Pausen – mit einer fachlichen Dichte, die den Alpine Hospitality Summit längst zu einem der profiliertesten Branchentreffen im Alpenraum macht.
„Erstmals sind Teilnehmer aus dem gesamten Alpenbogen, einem der wichtigsten touristischen Impulsräume Europas, vertreten
“, freuten sich die Summit-Initiatoren Thomas Reisenzahn und Marco Riederer über die gestärkte Internationalität der Veranstaltung. Zugleich zeigten sie anhand aktueller Zahlen, dass der österreichische Tourismus trotz erfreulicher Wintersaison vor erheblichen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen steht.
Jammern oder Jubeln?
Der Hochwinter entwickelt sich zwar positiv, der besonders ertragsrelevante März bereitet den Wintersportregionen jedoch zunehmend Sorgen. Unabhängig vom Ostertermin ist dort seit Jahren ein deutliches Nächtigungsminus zu beobachten. Auch die verbesserte Preisdurchsetzung kann die Kostendynamik nur bedingt auffangen: Österreichs Hotels und Restaurants verzeichneten in der vergangenen Dekade Preissteigerungen von 66 Prozent und lagen damit rund 20 Prozent über dem EU-Schnitt. In den Ergebnissen der Hotellerie schlägt sich das allerdings nur unzureichend nieder. Die Arbeitsstückkosten im Dienstleistungssektor stiegen im selben Zeitraum um fast 50 Prozent. Innerhalb von drei Jahren wuchsen die Mitarbeiterkosten eines 4-Sterne-Hotels um 21,69 Prozent – und damit um rund zehn Prozentpunkte stärker als der Umsatz.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner rückte in ihrer Begrüßung dennoch die positiven Seiten in den Vordergrund. „3,5 Prozent ist nicht nichts“, sagte sie mit Blick auf das Gästeplus im abgelaufenen Winter. Ziel seien „volle Häuser und volle Kassen“. Auch Entlastungsmaßnahmen seien nicht zu unterschätzen: „Die Benzinpreisbremse mag lächerlich aussehen, aber insgesamt reduzieren wir die Inflation und können so den Einstieg in Lohnverhandlungen um 0,5 Prozent senken.
“
Ländermatch mit offenem Ausgang
Internationale Perspektiven machten deutlich, wie unterschiedlich die Lage im Alpenraum wahrgenommen wird. Im Vergleich mit der Schweiz zeigte sich zunächst ein ausgewogenes Bild: Bei Bettenauslastung sowie Kostenfaktoren wie Mitarbeiter- und Wareneinsatz bewegen sich 4-Sterne-Hotels in beiden Ländern auf ähnlichem Niveau, der Energieaufwand ist in der Schweiz niedriger. Deutlich werden die Unterschiede jedoch bei den Erträgen. Beim Beherbergungsertrag von 38.447 Euro gegenüber 59.500 Euro sowie beim RevPAR von 145 Euro gegenüber 172 Euro liegen Schweizer Betriebe klar vorne.
„Dabei haben wir bei Meetings daheim immer das Gefühl, in Österreich sei alles besser. Bei den Hoteliers hier klingt das umgekehrt“, sagte Privathotelier Kurt Baumgartner von der Belvedere Hotel Familie. Er verwies darauf, dass das österreichische Preisplus seit 2015 die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro weitgehend egalisiert habe. „Wir haben in Scuol 95 Prozent Schweizer Gäste, die sind wieder zurück.“ Anders stellt sich die Situation im deutlich internationaleren St. Moritz dar. „Man kann die Währung nicht wegdiskutieren, der Franken ist zu stark. Internationale Krisen laufen immer zu unseren Ungunsten“, erklärte Hans-Jürg Buff von der Swiss Mountain Hotel Group. Christoph Schlatter von der Laudinella Hotel Group ergänzte: „Nahost beschäftigt uns mit unseren 400 Gästebetten sehr. Sonst haben wir 80 Prozent, nun 40 Prozent Auslastung. Die Kosten können wir aber nicht halbieren.“
Investments im Wandel
Ein zentrales Thema des Summits war die Frage, wie Österreichs Hotellerie ihre Führungsrolle behaupten oder zurückgewinnen kann. Branchenfremde Investoren drängen hierzulande bislang kaum in den Markt. Norbert Winkelmayer, Geschäftsführer der Sans Souci Unternehmensgruppe mit Hotels in Wien, Rauris und demnächst Grado, sieht allerdings bereits Verschiebungen: „So tragisch die Entwicklung im Mittleren Osten ist, aber die Investorennachfrage wandert spürbar von Dubai nach Europa.
“
Grundsätzlich zeigte sich: Steigende Assetwerte erschweren das operative Geschäft zunehmend. Die Errichtung einer Hotelimmobilie an einem guten Standort lässt sich über die erzielbaren operativen Erträge allein oft nicht mehr darstellen. Tragfähig wird sie vielfach erst durch die erwartete Wertsteigerung der Immobilie. Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Sektion Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, brachte den Wandel auf den Punkt: „Es ist ein Geschäft geworden, früher ging es beim Hotelbau in erster Linie um Leidenschaft. Heute muss man das Mismatch der Rendite abfedern.“ Wenn die operativen Erträge sinken, werde auch die Fremdfinanzierung schwieriger. „Wenn die Finanzierung in den ersten drei Jahren nicht richtig aufgesetzt ist, hat das beste Produkt oftmals keine Chance auf Erfolg.
“
Damit rückt die Kapitalstruktur stärker in den Mittelpunkt. Investitionen in Modernisierung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung bleiben unerlässlich, doch Finanzierungen sind anspruchsvoller geworden. Der Tiroler Unternehmer Fritz Unterberger formulierte es deutlich: „Unter 20 bis 30 Prozent Eigenmittel geht nichts. Wegen der enormen Großpleiten im Milliardenbereich scheitern heute Investitionen von unter einer Million Euro.“ OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer relativierte, dass bei hoher Bonität Erneuerungsinvestitionen auch mit zehn bis 15 Prozent Eigenmitteln möglich seien. Zugleich zeige der aktuelle Hotel-Fitness-Check, dass das obere Quartil beim Verschuldungsgrad der 4-Sterne-Hotels eine fiktive Schuldentilgungsdauer von 19,3 Jahren ausweise. Ab 15 Jahren sieht das Unternehmensreorganisationsgesetz bereits Reorganisationsbedarf.
Neue Lust auf die Gastgeberrolle
Bei aller Herausforderung zeigte der Summit aber auch eine andere Seite der Branche: neue Energie, Innovationskraft und Lust auf die Gastgeberrolle. Besonders deutlich wurde das an jungen und vielfach quer eingestiegenen Hoteliers, die ihre Häuser mit großer Begeisterung präsentierten. Werber, Tischler, Musikanten, Künstler, Sportler und Unternehmer mit internationalem Hintergrund standen exemplarisch für eine Generation, die Hotellerie neu interpretiert.
Ob Refugium Luna am See, Stieg’nhaus Mühlbach, Gralhof am Weissensee, Molzbachhof am Wechsel, die Südtiroler Sporthotels Zoll und Traminerhof oder das I Am Escape im Kärntner St. Salvator – sie alle zeigten, dass die alpine Hotellerie nicht nur mit Kosten, Finanzierung und Regulierung ringt, sondern auch über enorme schöpferische Kraft verfügt.
Der Alpine Hospitality Summit 2026 wurde damit nicht nur zum Ort der kritischen Analyse, sondern auch zum Schaufenster einer Branche im Wandel. Die Immobilie bleibt die Basis des Tourismus. Über ihre Zukunft entscheidet jedoch mehr denn je die Fähigkeit, Kapital, Betrieb, Konzept und Gastgeberkultur neu zusammenzudenken – als Business mit Leidenschaft.
Rückfragen & Kontakt
Prodinger Tourismusberatung
Thomas Reisenzahn
Telefon: +43 1 890 730 9
E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | T78










