• 11.05.2026, 09:50:32
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Stellungnahme der Produzentenverbände AAFP und Filmaustria zu angedachten ORF-Kürzungen

zur öffentlichen Ankündigung einer 70-Mio-Kürzung bei ORF-Vorsteuerabzügen durch ÖVP-Generalsekretär und den Vorschlägen vom SPÖ-Freundeskreis & Stiftungsratsvorsitzenden

Wien (OTS) - 

Der ORF, als öffentlich-rechtliches Rundfunkunternehmen, ist wie in den meisten europäischen Ländern das wirtschaftliche Rückgrat der Fernsehfilmwirtschaft. Dieser Umstand ist keine Besonderheit, sondern es ist das Resultat eines gesellschaftlichen Übereinkommens, dass durch die Herstellung originärer, kultureller und eigener Inhalte im fiktionalen Bereich Identität geschaffen wird. Die „Landkrimis“ aus allen Bundesländern, die Dorfkrimis wie die „Uhudler Verschwörung“, über die Serien und Reihen wie „Soko Donau“ und „Tatort“ bis hin zu den Kinoerfolgen „Griechenland“ und „Aufputzt is“. All das kommt mit Mitteln des ORF zustande und ist ein erfolgreiches und hochgeschätztes Angebot für ein österreichisches Publikum.

Nachdem die verkündete Kürzung ab dem 01.01.2027 ohne jeden Hinweis, wie diese Einsparungen zustande kommen sollen, kommuniziert wurde, müssen wir als ordentliche Kaufleute davon ausgehen, dass Kürzungen ausschließlich in einem Bereich stattfinden können, der keine langfristigen Vereinbarungen aufweist, also im Programm.

Das betrifft alle österreichischen Hersteller:innen, aber noch viel mehr betrifft es die Millionen Fernsehzuschauer:innen und somit jene, die den Sender über eine Haushaltsabgabe finanzieren. Der Leistungsausgleich zwischen einem Sender und seinem Publikum passiert ausschließlich über das Programm und wird am Ende nur über dieses legitimiert. Die Äußerungen des Stiftungsratsvorsitzenden, die Scheuklappen bei Einsparungen im Programm abzulegen, sind ein Warnsignal, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Selbstzweck verstanden wird und dabei unverhohlen in Kauf nimmt, jeden Kontakt zum Publikum und somit zu den Gebührenzahler:innen zu verlieren.

Diese Nachricht trifft die Mitglieder der Produzent:innenverbände ausgerechnet in einer Zeit, in der die Regierung, insbesondere der Kultur- und Medienminister, noch immer keine Maßnahmen gegen die Steuerflucht amerikanischer Streaming-Giganten – wie im Rest Europas schon umgesetzt – vorgeschlagen hat und darüber hinaus jede Form der Teilhabe von österreichischen Expert:innen zu diesem Thema verweigert. In Zeiten der dominanten internationalen Angebote börsennotierter Streaminganbietender geht die Versorgung mit audiovisuellen Inhalten, die direkt aus der Lebensrealität der Gebührenzahler:innen erzählen, mutwillig verloren. Statt Gegenmaßnahmen zu treffen, agiert man als Steigbügelhalter gegen die Interessen der Bevölkerung und will das Angebot verkleinern.

Seit der überfallsartigen Einstellung aufgrund von Budgetkürzungen 2025 von ÖFI +, einem wesentlichen und dynamischen Modell zur Standortsicherung des österreichischen Kinofilms, wanken seither alle wesentlichen Teile der ehemals harmonisierten Filmförderung.

Bleibt es nun bei der unkommentierten und einfachen Ankündigung der Kürzung, ohne nachhaltige Konzepte und Pläne zu gestalten und ohne langfristige Sicherungsmaßnahmen für den Kernauftrag öffentlich-rechtlicher Versorgung zu treffen, wird der Schaden zu Jahresbeginn immens sein.

Wir fordern eine Sicherstellung der Versorgung Österreichs mit audiovisuellen Inhalten, die in einem wesentlichen Teil von und über den ORF bereitgestellt werden müssen. Alle, wie auch immer gestellten Begehrlichkeiten an den ORF, alle Forderungen zur Verbesserung der Effizienz und Gehaltsdebatten dürfen nicht am Rücken der Kernaufgabe dieses Senders ausgetragen werden. Das Programmangebot muss ausgebaut werden, um der Existenz des Unternehmens und seinem Auftrag gerecht zu werden.

Rückfragen & Kontakt

AAFP
John Lüftner
E-Mail: [email protected]

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