• 07.05.2026, 12:23:33
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eFuels, Verbrenner-Aus und Europas Industrie-Zukunft: Experten fordern Kurskorrektur bei EU-Autopolitik

Die EK bekannte sich zwar zur Technologieoffenheit, die Inhalte zielen aber in die Gegenrichtung

Christian Beidl, Leiter am Institut für
Verbrennungskraftmaschinen und Fahrzeugantriebe an der TU Darmstadt
Wien (OTS) - 

Die Vorschläge der Europäischen Kommission zum neuen Automotiv-Paket stoßen in Wirtschaft und Wissenschaft auf Kritik. Kritisiert wird vor allem, dass die Vorschläge der Kommission keine tatsächliche Abkehr vom „Zero-Emission-Ansatz“ erkennen lassen. Die EK bekannte sich zwar zur Technologieoffenheit, die Inhalte zielen aber in die Gegenrichtung. Im Rahmen einer exklusiven Medienrunde am 5. Mai 2026 in Wien sowie der darauffolgenden „Energy Transition Innovation Talks“ am 6. Mai 2026 brachten hochkarätige Expert:innen ihre Positionen in die aktuelle Diskussion ein – und ordneten die zentralen Streitpunkte strategisch ein.

Wissenschaft sieht Defizite im EU-Ansatz

Christian Beidl, Leiter am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Fahrzeugantriebe an der TU Darmstadt, formuliert das aktuelle Dilemma so: „Leider erleben wir eine polarisierte unsymmetrische Diskussion zu E-Mobilität. Aber E-Antriebe und Verbrennungsmotoren ergänzen sich. Ohne speicherbare grüne Moleküle gibt es in Zukunft kein stabiles Energiesystem und ohne Technologievielfalt keine Resilienz.“ Eine Überarbeitung des Automotiv-Pakets sei daher entscheidend für Europas Zukunft. Unter anderem fordert er, dass Fahrzeuge, die mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben werden, hinsichtlich ihrer Klimawirkung gleichwertig zu E-Fahrzeugen behandelt werden müssen. Auch die „Hard-to-Abate-Sektor“-Diskussion sei nicht zielführend. Beidl betont vielmehr: „Wirksamer Klimaschutz im Einklang mit wirtschaftlicher Stabilität kann ohne erneuerbare Kraftstoffe nicht gelingen.

Technologieoffenheit statt Verbote

Einen Technologiepfad festzulegen, bedeutet, dass man sich von technischem Fortschritt abkoppelt. „Innovation bedeutet Wohlstand. Technologieverbote verhindern Innovation und schaden damit uns allen“, stellt Christian Holzhauser, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien, klar. Wolfgang Böhm, Fachgruppenobmann der Transporteure in der Wirtschaftskammer Wien, ergänzt: „In der Transportwirtschaft zählen Pünktlichkeit und Effizienz. Die erreichen wir nur, wenn wir die besten Lösungen nutzen dürfen – dafür brauchen wir Technologieoffenheit und keine Verbote.

Jürgen Roth, Präsident der eFuel Alliance Österreich, unterstreicht die Bedeutung eines breiten Ansatzes: „Es fahren gerade einige Züge aus dem Bahnhof, die sollte die EU nicht verpassen. Nichtfossile Kraftstoffe sind ein Schlüssel zur Verminderung der Abhängigkeit von Erdölimporten und haben am meisten Reduktionspotenzial. Für ein Land wie Österreich, das schneller als die anderen klimaneutral werden will (2040 statt 2050), sind diese innovativen Kraftstoffe ein Muss.“ Deutschland hat den Weg zu eFuels bereits eingeschlagen, bis 2030 sollen allein für den Straßenverkehr 670 Millionen Liter bereitgestellt werden. China macht sich auf den Weg, um den Verbrenner neu zu erfinden, in hocheffizienten klimaneutralen gewichtsreduzierten Motoren mit elektrischem Antrieb und Verbrenner.

Industrie fordert mehrgleisige Transformationspfade

Auch aus Sicht der Industrie ist eine Nachjustierung notwendig. Für Maximilian Schwenke von der BMW Group München läuft das aktuelle Automotiv-Paket „faktisch auf ein Verbrennerverbot hinaus – lediglich versehen mit kosmetischen Korrekturen“. Die Vorschläge der Kommission würden die realen Rahmenbedingungen von Markt, Infrastruktur und globalem Wettbewerb nicht ausreichend berücksichtigen. Für eine erfolgreiche Transformation brauche es ein breiteres Instrumentarium. „Erneuerbare Kraftstoffe sind ein unverzichtbarer Hebel – nicht nur für Neufahrzeuge, sondern vor allem auch für die bestehende Fahrzeugflotte“, so Schwenke. Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit seien kein Widerspruch, wenn Regulierung technologieoffen gestaltet werde.

Versorgungssicherheit und Resilienz sprechen auch für eFuels

Neben Klimaschutz und Industriepolitik gewinnt ein weiterer Aspekt zunehmend an Bedeutung: Die Energie- und Versorgungssicherheit Europas. eFuels könnten hier eine strategische Rolle spielen – etwa als Absicherung gegen drohende Engpässe bei Erdöllieferungen. Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich und Dozent an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt Umwelt- und Klimarecht, hebt hervor: „Eine nachhaltige Energie- und Mobilitätsstrategie muss immer auch geopolitische Risiken berücksichtigen. Europa braucht Lösungen, die nicht nur klimaverträglich, sondern auch krisenfest und global skalierbar sind. Wir begrüßen, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer eine Importstrategie mit Schwerpunkt Wasserstoff und eFuels angekündigt hat. Wenn wir schon importierten müssen, dann bitte diversifiziert und nichtfossil.

Europa muss Risiken balancieren

Die europäische Automobilindustrie steht unter massivem Druck. Zwischen verschärften Klimavorgaben, globalem Wettbewerb und strukturellem Wandel drohen weitere Standortverluste. „Es geht darum, global wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen“, betont Hans Jürgen Salmhofer aus dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Das Automotiv-Paket könne dafür wichtige Impulse setzen.

Roman Haider, FPÖ-Abgeordneter zum Europäischen Parlament, fordert ebenfalls ein rasches Umdenken: „Solange der Green Deal und das Netto-Null-Ziel den politischen Kompass bestimmen, bekämpfen wir Symptome statt Ursachen – und treiben Europas Wirtschaft sehenden Auges in die Sackgasse.“ MEP Jens Gieseke (EPV) und Berichterstatter des Europäischen Parlaments begrüßt das Tätigwerden der Kommission, sieht aber erheblichen Verbesserungsbedarf. Auch er fordert echte Technologieoffenheit und Verzicht auf kleinteilige Einschränkungen. "Es brauche Regeln, die in der Praxis umsetzbar sind. Alles andere schwäche den heimischen Standort und helfe dem ausländischen Mitbewerb. „Der Gesetzgeber hat auf den Kunden vergessen. Jeder Kunde hat eigene Bedürfnisse, und nicht für alle sind E-Autos die beste Lösung“, sagt der Vorsitzende der Automobilimporteure und stv. Obmann des Fahrzeughandels in der WKÖ Günther Kerle.

Stephan Schwarzer warnt vor einem weiteren Zeitverlust und fordert entschlossenes Handeln: „Die EU muss jetzt rasch Eckpflöcke einschlagen, um weiteren Schaden abzuwenden, Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig wirksamen Klimaschutz voranzubringen. Hätten wir vor zehn Jahren begonnen, in eFuels zu investieren, stünde Europa angesichts der drohenden Sperre wichtiger Handelswege wesentlich besser da.

Rückfragen & Kontakt

eFuel Alliance Österreich
Dr. Stephan Schwarzer
Telefon: 0664/3818826
E-Mail: [email protected]

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