• 07.05.2026, 10:30:32
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De-Professionalisierung in der Pflege: Warum weniger Qualifikation mehr kostet

ÖGKV warnt vor Qualitätsverlust und steigenden Systemkosten für die Bevölkerung.

Wien (OTS) - 

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) schlägt Alarm: Die zunehmende De-Professionalisierung der Pflege – also der Einsatz von weniger qualifiziertem Personal bei gleichzeitiger Einschränkung professioneller Kompetenzen – gefährdet die Qualität der Versorgung und treibt langfristig die Kosten im Gesundheitssystem in die Höhe. „Pflege ist das Rückgrat unseres Gesundheitssystems. Wenn wir an Qualifikation sparen, sparen wir am falschen Ende – die Folgekosten sind höher, die Qualität sinkt und die Belastung für Patient:innen und Angehörige steigt“, warnt Mag. Elisabeth Potzmann, Präsidentin des ÖGKV.

Mehrheit sorgt sich um Pflege im Ernstfall

Aktuelle Umfrageergebnisse von Meinungsforscher Dr. Peter Hajek im Auftrag des ÖGKV zeigen ein klares Bild: Zwar beurteilt eine knappe Mehrheit (56 %) die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Österreich noch als gut, gleichzeitig hält jedoch rund ein Drittel diese für eher schlecht. Noch deutlicher ist die Verunsicherung mit Blick in die Zukunft: Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung hat Vertrauen, dass die Politik die Pflege langfristig sicherstellen kann, während 65 % wenig oder gar kein Vertrauen haben.
Zudem macht sich eine klare Mehrheit Sorgen, im Pflegefall nicht ausreichend versorgt zu werden.
Der ÖGKV kritisiert die strukturelle De-Professionalisierung der Pflege. Wenn diplomierte Pflegefachpersonen fehlen und ihre Kompetenzen eingeschränkt werden, wird Pflege von einem professionell gesteuerten Prozess zu einer fragmentierten Abarbeitung einzelner Tätigkeiten. „Der gehobene Dienst ist für den gesamten Pflegeprozess verantwortlich – von der Einschätzung bis zur Evaluation. Wenn diese fachliche Steuerung fehlt, steigen Komplikationen, verlängern sich Aufenthalte und das System wird ineffizienter“, so Potzmann.

Blockierte Kompetenzen bremsen das System

Besonders kritisch sieht der ÖGKV das politische Nichthandeln bei der Arzneimittelverschreibung durch Pflegefachpersonen. Obwohl gesetzlich vorgesehen, fehlt weiterhin die entsprechende Verordnung. Dabei zeigt die Umfrage: Rund zwei Drittel der Bevölkerung unterstützen die Idee, dass Pflegekräfte bestimmte Medikamente verschreiben dürfen, und ähnlich viele vertrauen darauf, dass dies verantwortungsvoll erfolgt. „Hier werden vorhandene Kompetenzen nicht genutzt – das bremst Innovation, verhindert Entlastung und frustriert eine hochqualifizierte Berufsgruppe“, betont Potzmann.


Weniger Qualifikation verursacht langfristig höhere Kosten


Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die aktuelle Entwicklung nicht nachhaltig. Wird qualifizierte Pflege zurückgedrängt, entstehen an anderer Stelle höhere Kosten im System, etwa durch vermeidbare Komplikationen wie Stürze, Infektionen, Druckgeschwüre oder Medikationsfehler. Diese können zu längeren Aufenthalten und häufigeren Wiederaufnahmen führen. „Was hier passiert, ist ein klassisches Fehlanreizproblem: Entscheidungen orientieren sich an kurzfristigen Budgetzielen, während die Folgekosten im Gesamtsystem anfallen. Qualifikation ist in der Pflege kein Kostenfaktor, sondern eine Voraussetzung für Effizienz“, sagt Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.

Der ÖGKV fordert daher ein klares Umdenken:

  • Nutzung und Freigabe vorhandener Kompetenzen
  • ausgewogener Personaleinsatz nach Versorgungsbedarf
  • nachhaltige Investitionen in qualifizierte Pflege
  • Umsetzen der Arzneimittelverschreibung durch DGKP


„Wer die Pflege stärkt, stärkt das gesamte Gesundheitssystem. Wer sie schwächt, riskiert Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit“, so Potzmann abschließend.

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