- 06.05.2026, 09:14:02
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TFA im Trinkwasser: GLOBAL 2000 korrigiert ÖVGW-Darstellung
Quellschutz-Bekenntnis wird begrüßt, Aussagen zu Verbreitung, Konzentration und Dringlichkeit greifen jedoch zu kurz
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) hat sich gestern öffentlich zu TFA im Trinkwasser geäußert und sich dabei zum Schutz der Wasserressourcen an der Quelle bekannt. GLOBAL 2000 begrüßt dieses Bekenntnis, es liegt im Interesse der Kundinnen und Kunden der österreichischen Wasserversorger. Bedauerlicherweise enthält die Stellungnahme jedoch mehrere Aussagen, die den wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht korrekt abbilden und das tatsächliche Ausmaß der TFA-Belastung im österreichischen Trinkwasser relativieren. GLOBAL 2000 stellt diese im Folgenden richtig.
Zur Trinkwasserqualität in Österreich
Die ÖVGW verweist auf eine Parameterwert-Erfüllungsrate von 98,7–99,7 % im österreichischen Trinkwasser. Dieses erfreuliche Bild gilt jedoch ausdrücklich nicht für TFA: Da TFA bislang nicht als regulierter Parameter in der Trinkwasserverordnung erfasst ist, scheint die Substanz in dieser Statistik schlicht nicht auf. Würde TFA – wie für relevante Pestizid-Metaboliten im Grundwasser üblich – auch im Trinkwasser mit einem Parameterwert von 0,1 µg/l bewertet, läge die Erfüllungsrate für diesen Stoff nur mehr bei 2–7 % der untersuchten Proben. Darauf hat GLOBAL 2000 in der am 5. Mai veröffentlichten Studie „TFA im Trinkwasser“ hingewiesen (Seite 14, Abb. 3).
Zur Verbreitung von TFA
Die ÖVGW schreibt, TFA „kann“ in der Umwelt weit verbreitet sein, und suggeriert eine „punktuelle“ Nachweisbarkeit. Tatsächlich ist TFA nicht punktuell nachweisbar – es ist flächendeckend nachweisbar. Die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) hat sie in 93 % von 331 behördlich untersuchten Proben und GLOBAL 2000 in 98 % der Proben gefunden. Die ubiquitäre Präsenz von TFA in Wasserressourcen ist wissenschaftlich klar belegt.
Zur Einordnung der gemessenen Konzentrationen
Die ÖVGW legt nahe, die Nachweisbarkeit von TFA sei vor dem Hintergrund moderner Analysemethoden „nicht überraschend“ – als wäre der Nachweis von TFA der Optimierung der analytischen Messgenauigkeit geschuldet. Das trifft nicht zu. TFA tritt in den höchsten Konzentrationen einer menschengemachten Chemikalie in Wasserressourcen weltweit auf. Im österreichischen Trinkwasser liegen die gemessenen Werte im Durchschnitt um eine Größenordnung über dem EU-Schwellenwert von 0,1 µg/l für relevante Pestizid-Metaboliten im Grundwasser. Das ist kein Messproblem – das ist ein Kontaminationsproblem.
Zur Dringlichkeit und zur Benennung der Verursacher
GLOBAL 2000 begrüßt ausdrücklich das Bekenntnis der ÖVGW zur Vermeidung von Einträgen von TFA-Vorläufersubstanzen in die Umwelt. Die Stellungnahme lässt jedoch in zwei wesentlichen Punkten Konkretes vermissen.
Erstens die Wortwahl „mittelfristig“: Die europäische Dachorganisation der Wasserversorger EurEau, die nationale Verbände aus 33 Ländern vertritt und der auch die ÖVGW angehört, fordert einen raschen – nicht mittelfristigen – Ausstieg aus PFAS-Pestiziden. Jedes Jahr weiterer Einträge bedeutet Jahrzehnte weiterer Belastung. „Mittelfristig“ ist keine angemessene Antwort auf eine Ewigkeitschemikalie.
Zweitens vermeidet die ÖVGW-Stellungnahme die Benennung der wissenschaftlich belegten Haupteintragsquellen für TFA im Grundwasser: PFAS-Pestizide und fluorierte Gase (F-Gase). EurEau hat diese bereits ausdrücklich benannt und fordert ein Verbot aller PFAS-Pestizide sowie die rasche Umsetzung des REACH-Beschränkungsvorschlags für F-Gase. Wer den Quellschutz ernst meint, muss auch benennen, welche Quellen zu schließen sind.
GLOBAL 2000 bleibt an konstruktivem Dialog interessiert
GLOBAL 2000 hat die österreichischen Wasserversorger von Beginn an transparent über seine Untersuchungsergebnisse informiert und dabei zahlreiche Rückmeldungen erhalten, die den Einsatz für rasche und konkrete Maßnahmen zur Reduktion von TFA-Vorläufersubstanzen unterstützen. Das Bekenntnis des ÖVGW zum Quellschutz, so unvollständig es in den genannten Punkten auch bleibt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. GLOBAL 2000 möchte diesen Weg gemeinsam mit der österreichischen Wasserwirtschaft, der Politik und europäischen Partnern konsequent weitergehen.
Rückfragen & Kontakt
Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34
[email protected]
Christoph Gerhardt
Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 26
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