• 06.05.2026, 08:30:03
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Sachprogramm Windenergie Steiermark: Ungeeigneter Standort soll als Windkraft-Eignungszone verordnet werden

Geplante Windkraft-Zone im Liesingtal: Bewohner und Waldeigentümer äußern massive Bedenken zu Standortwahl und Entscheidungsgrundlagen.

VertreterInnen der Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“
starten Petition gegen Windkraft-Eignungszone Steineck-Kammern
Kammern im Liesingtal (OTS) - 

Das Land Steiermark plant eine Eignungszone für bis zu 15 Windkraftanlagen am Bergkamm von Kammern im Liesingtal und Traboch über St. Michael in Obersteiermark bis St. Stefan ob Leoben, in Südlage und mit Abständen von nicht einmal 2 Kilometern zu den Ortszentren des Liesingtals. Diese Eignungszone Steineck-Kammern ist in der Novelle des Sachprogramms Windenergie der Steiermärkischen Landesregierung vorgesehen; die Begutachtungsfrist läuft bis 8. Juni 2026.

Ungeeigneter Standort soll zur Eignungszone werden – Petition dagegen läuft

Aufgrund des ungeeigneten Standorts hat sich die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“ formiert, innerhalb von nur eineinhalb Wochen wurden mehr als 900 Unterschriften gesammelt. Ein Info-Abend der Initiative am 5. Mai 2026 in Kammern zog mehr als 200 Interessierte aus der ganzen Region an.

„Die Standortwahl zeigt, dass keine nähere Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort erfolgt sein kann: Durch die starke Siedlungsnähe und die südliche Ausrichtung der geplanten Zone wären die mit Windrädern verbundenen Auswirkungen auf die Bewohner massiv verschärft, etwa durch Schattenwurf in den Wintermonaten sowie durch Schall“, erklärt Jürgen Blematl, Sprecher der Bürgerinitiative.

Christophorus 17 und Flugplatz Timmersdorf: Längere Flugzeiten, mehr Lärmbelastung

Nicht berücksichtigt worden sein dürfte auch die Tatsache, dass sich zwei Flugeinrichtungen in unmittelbarer Nähe befinden:

  • Der Flugplatz Timmersdorf, ein regional stark frequentiertes Zentrum für Motor- und Segelflug, befindet sich ca. 2,1 Kilometer entfernt.
  • Der Stützpunkt für den Rettungshubschrauber Christophorus 17 in St. Michael ist
    ca. 2,7 Kilometer entfernt.

Beide Flugeinrichtungen müssten Flugrouten anpassen, was längere Flugzeiten bzw. eine steigende Lärmbelastung in den Siedlungsgebieten zur Folge hätte.

Wenige hundert Meter zum Naturschutzgebiet „Niedere Tauern, Ostausläufer“

Nicht zuletzt befindet sich die geplante Eignungszone nur wenige hundert Meter von einem bedeutenden Naturschutzgebiet entfernt. Felix Mayr-Melnhof-Saurau, Geschäftsführer der MM-Forstbetriebs Leims GmbH in Kammern erklärt: „Die geplante Windkraft-Eignungszone ist aus Naturschutzsicht sehr besorgniserregend. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet Niedere Tauern, Ostausläufer, das vom Land Steiermark erst 2015 zum Schutz sensibler Arten und bedeutender innenalpiner Vogelzugrouten ausgewiesen wurde – und wäre nun, ebenso wie angrenzende, ökologisch sensible Bereiche, massiv bedroht.“

Gefahr von Windschäden durch Rodungen im Hochwald

Brigitte Sachs-Schaffer, Eigentümerin der Schafferalm und des Gebiets in der geplanten Eignungszone am Steineck, äußert forstwirtschaftliche Bedenken: „Unsere Alm besteht seit mehr als 300 Jahren. Wir haben die 90 ha Forstwirtschaft erfolgreich in einen resilienten Mischwald mit klimafitten Baumarten umgewandelt. Alle schätzen die Ruhe und den Erholungswert – Windkraftanlagen wären eine unwiederbringliche Zerstörung dieses Naturraums und unserer wichtigsten Ressource gegen den Klimawandel: des gesunden Waldes! Großflächige Rodungen würden auch bei umliegenden Wäldern zu mehr Windschäden führen, in einer ohnehin von Sturm betroffenen Region.“

Eignungszonen: Reale Widmungsbefugnis für Gemeinden fraglich

Der zuständige Landesrat Stefan Hermann verweist auf die Widmungsbefugnis der Gemeinden, die in Eignungszonen gelte. Jürgen Blematl, Sprecher der Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“, hält dagegen: „Mit der Eignungszone erfolgt eine strategische Festlegung durch das Land, hier sollen ‚raumordnungsfachlich geeignete Standorte‘ gesichert werden. Bundesgesetze wie das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz oder das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz setzen darauf auf und können bei Eignungsflächen die örtliche Raumplanung erheblich einschränken.“

„Ungeeigneter Standort ohne ausreichende Prüfung“

Die Initiative „Für ein lebenswertes Liesingtal“ richtet eine Petition an das Land Steiermark, die eine Neubewertung der Situation im Liesingtal und ein klares Absehen von der geplanten Eignungszone Kammern-Steineck fordert. In nur eineinhalb Wochen wurden mehr als 900 Unterschriften gesammelt, bis 1. Juni 2026 kann man online unter www.liesingtal.info sowie u.a. in den örtlichen Gemeindeämtern unterschreiben. Zudem ist jeder aufgefordert, seine begründeten Bedenken zur geplanten Eignungszone an die Steiermärkische Landesregierung bis zum 8. Juni 2026 (Ende der Begutachtungsfrist) zu übermitteln: https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/13013100/74836203/

„An einem Standort mit derart vielen negativen Auswirkungen sollte seitens Land Steiermark eine Windkraft-Eignungszone gar nie in Betracht gezogen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein ungeeigneter Standort ohne ausreichende Prüfung per Verordnung zur ‚Eignungszone‘ wird. Man kann hier nicht ohne Rücksicht auf Bewohner, Lebensraum und Naturschutz entscheiden“, so Blematl.

Nein zur Windkraft-Eignungszone Steineck-Kammern

Rückfragen & Kontakt

Verein „Für ein lebenswertes Liesingtal“
Telefon: +43 676 933 9130
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.liesingtal.info/

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