- 05.05.2026, 11:00:39
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TFA im Trinkwasser: Erste österreichweite Daten zeigen flächendeckende Belastung
GLOBAL 2000, Umweltmedizin und EU-Wasserversorger orten Handlungsbedarf
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat im Rahmen eines Citizen-Science-Ansatzes Leitungswasserproben aus ganz Österreich auf die Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) untersuchen lassen.
Das Ergebnis: 54 von 55 untersuchten Proben enthalten TFA. Die Proben wurden insgesamt 44 Wasserversorgungsanlagen zugeordnet, die zusammen rund 3,9 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen. Die gemessenen Konzentrationen reichen von 0,05 bis 4,6 µg/l. Alle untersuchten Proben liegen zudem über dem aus dem Pestizidrecht abgeleiteten Vorsorgeschwellenwert von 0,1 µg/l für relevante Metaboliten im Grundwasser.
„Die Trinkwasseranalysen zeigen deutlich: Mit TFA hat sich eine Ewigkeitschemikalie im Wasserkreislauf festgesetzt. Die Konzentrationen, die wir gefunden haben, stellen alles in den Schatten, was behördliche Trinkwasseruntersuchungen bisher an Pestzid- oder PFAS-Belastungen gezeigt haben. Das ist aus Vorsorgeperspektive ein klares Warnsignal“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000.
Die Ergebnisse im Überblick
Ein europaweit harmonisierter Trinkwassergrenzwert für TFA existiert derzeit nicht. Der in den Niederlanden und Belgien/Wallonien geltende Vorsorgeleitwert von 2,2 µg/l – der derzeit niedrigste Trinkwasserleitwert für TFA – wurde in drei Fällen überschritten. Der deutlich höhere deutsche Leitwert von 60 µg/l wird hingegen von keiner Probe erreicht.
Auffällig sind regionale Unterschiede: Höhere Belastungen wurden vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark gemessen. Die niedrigsten Werte finden sich in Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Kärnten sowie im Wiener Hochquellwasser. Auch im Burgenland zeigen die untersuchten Stichproben vergleichsweise moderate TFA-Belastungen. Burtscher-Schaden: “Die Daten zeigen trotz begrenzter Stichprobengröße ein konsistentes Muster: Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung weisen tendenziell höhere Konzentrationen auf als alpine Regionen.”
Keine akute Gesundheitsgefahr, aber Vorsorge notwendig
TFA ist ein extrem langlebiges Abbauprodukt von PFAS-Pestiziden und fluorierten Gasen. Die Substanz ist in der Umwelt sehr stabil, weltweit verbreitet und lässt sich aus dem Trinkwasser technisch kaum entfernen. Auch wenn Trinkwasser nicht die wichtigste Aufnahmequelle für TFA ist, trägt es zur Gesamtbelastung bei.
Umweltmediziner Hans Peter-Hutter: „Nach derzeitigem Kenntnisstand stellen die gemessenen TFA-Konzentrationen im Trinkwasser kein unmittelbares Gesundheitsrisiko dar. Aufgrund der extremen Persistenz und der zunehmenden Belastung ist Vorsorge jedoch entscheidend – und das heißt, die Einträge dieser Stoffe rasch zu reduzieren. TFA wird als reproduktionstoxisch bewertet; zudem gibt es Hinweise auf hormonelle und immunologische Wirkungen. Da die Umweltbelastung seit Jahren zunimmt – vor allem durch PFAS-Pestizide und fluorierte Gase –, ist ohne Gegenmaßnahmen mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Aus ärztlicher Sicht gilt es, das zu verhindern.“
Wasserverbände in Europa fordern Ausstieg aus TFA-Vorläufersubstanzen
Zahlreiche europäische Wasserverbände sprechen sich bereits klar für ein konsequentes Vorgehen aus. Der europäische Dachverband EurEau fordert Verboten für PFAS-Pestizide, F-Gase und andere TFA-Vorläufersubstanzen. Auch nationale Verbände wie DANVA (Dänemark), Vewin (Niederlande) oder die deutsche Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft drängen auf einen Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und eine rasche Umsetzung des europäischen PFAS-Beschränkungsvorschlags.
Gemeinsame Forderung: Einträge stoppen, Grenzwerte festlegen
GLOBAL 2000 und die Ärzt:innen für eine gesunde Umwelt fordern von Umweltminister Totschnig, rasch Maßnahmen zur Eindämmung von TFA und zum Schutz der Wasserressourcen in Österreich zu ergreifen und sich auch auf europäischer Ebene entsprechend einzubringen:
- Ausstieg aus fluorierten Gasen, PFAS-Pestiziden und vergleichbaren TFA-Vorläufersubstanze
- rasche Festlegung eines europaweit harmonisierten, vorsorgeorientierten Grenzwerts für TFA im Trinkwasser
- verpflichtendes Monitoring sowie transparente Veröffentlichung der Messdaten
- keine Abschwächung bestehender Schutzstandards im Bereich Pestizide
„TFA verschwindet nicht. Wenn wir die Einträge nicht stoppen, wird die Belastung weiter steigen – im Wasser, in Lebensmitteln und letztlich im Menschen“, so Burtscher-Schaden abschließend.
Weitere Details zur Methodik und zu den Einzelergebnissen finden Sie hier.
Rückfragen & Kontakt
Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34
[email protected]
Christoph Gerhardt
Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 26
[email protected]
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