• 29.04.2026, 08:58:32
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Hohe Ausgaben bei hoher Leistung: Wo unser Gesundheitssystem wirklich steht

OECD-Bericht legt evidenzbasierte Basis für gesundheitspolitische Diskussion.

https://www.apa-fotoservice.at/galerie/39835 v.l.n.r.: Herwig
Ostermann, Cornelia Ertl, Ulrike Königsberger-Ludwig, Cornelia
Hagele, Peter McDonald, Johannes Steinhart, Michael Müller
Wien (OTS) - 

Mit einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung bei ebenso überdurchschnittlichen Ausgaben erntet das österreichische Sozial- und Gesundheitssystem hierzulande nicht nur Lorbeeren. Am 21. April stellten sich wichtige Akteur:innen der gesundheitspolitischen Landschaft Österreichs im Rahmen des Gesundheitspolitischen Forums „Health Profile Austria“ daher der Frage „wo steht Österreich wirklich?“. Auf Einladung der Karl Landsteiner Gesellschaft wurde dabei vor vollem Haus über die Stärken und Schwächen des österreichischen Gesundheitssystems, dessen Zugänglichkeit sowie notwendige Maßnahmen im Kleinen, als auch im großen Kontext debattiert.

Im Festsaal des Bundesamtsgebäudes rückte das neuausgerichtete Gesundheitspolitische Forum (GPF) vergangenen Dienstag eine zentrale Debatte in den Mittelpunkt: Wo muss man im österreichischen Gesundheitssystem genau hinsehen? Wie sind die europäischen Daten im österreichischen Kontext wirklich zu interpretieren? Auch in dieser Ausgabe bot das GPF eine Plattform für eine faktenbasierte, multidisziplinäre und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Gesundheits- und Sozialsystems. Vertreter:innen von Bundes- und Landesregierung, Sozialversicherung und Ärzteschaft sowie Experten der OECD* und Gesundheit Österreich GmbH lieferten unter engagierter Beteiligung des Publikums eine ehrliche, durchwegs hitzige aber respektvolle und konstruktive Debatte.

Oft überdurchschnittlich – nicht immer positiv

Nach einer Begrüßung durch die Gastgeberin Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig legte die erste Keynote den evidenzbasierten Rahmen: Michael Müller, Health Policy Analyst der OECD*, lieferte mit seiner Vorstellung des Länderberichts „Austria: Country Health Profile 2025“ Zahlen und Fakten und stellte Österreich in den Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Der von der EU-Kommission beauftragte, alle zwei Jahre erscheinende Bericht für jedes EU-Mitgliedsland, vergleicht in einem Leistungscheck die Gesundheitssysteme der Mitgliedsstaaten. In der Lebenserwartung, der Ärzte- und Pflegedichte sowie der Zugänglichkeit des Systems liegt das Land beispielsweise über dem EU-Schnitt. „Nicht ganz so gut“ steht Österreich jedoch im Umgang mit gesundheitlichen, gesellschaftsbezogenen Risikofaktoren da. „Überdurchschnittlich hoch sind Tabakkonsum, Alkoholkonsum sowie der Anteil an Übergewichtigen – und zwar sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen. Rund ein Viertel der jährlichen Todesfälle sind mit diesen verhaltensbedingten Risiken verbunden“, so der Health Policy Analyst Müller. Auch die hierzulande starke Fokussierung auf den Krankenhaussektor war am Beispiel der hohen Zahl an Knie- und Hüftgelenkersatzoperationen (50- bzw. 40% größere Zahlen als der EU-Schnitt) Thema des Vortrags.

An diese Einordnung knüpfte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit einer Reflexion des Reports an und hob mit den vermeidbaren Todesursachen und der hohen Zahl an Eingriffen Steuerungsbedarf der Akteur:innen hervor: „Hierfür brauchen wir Regulierung in Anbetracht einer sektorenübergreifenden Nutzerorientierung im System – auch zwischen dem privaten und öffentlichen Bereich.

Reformen mit gemeinsamer Kraft

Dass die in den Vorträgen dargestellten Aufgaben keine Indikation für Einzelgänge sein sollen, strich die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Ulrike Königsberger-Ludwig hervor, denn „unser gemeinsames Ziel ist es, das Gesundheitssystem konsequent im Sinne der Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln“. Außerdem verwies sie auf die fortwährende Pflicht der Entscheidungsträger:innen: „Politik darf nicht nur bis zur nächsten Wahl denken – wir tragen die Verantwortung, unser Solidarsystem langfristig zu sichern.

Bürokratieabbau als Schlüssel der Versorgungssicherung

Ebendiesem solidarischen Gesundheitssystem verschrieb sich auch Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien sowie der Österreichischen Ärztekammer: „Ich bin ein überzeugter Anhänger der solidarischen Finanzierung. Unser Ziel muss es sein, den Wert dieses Systems langfristig zu erhalten.“ Um dem Berufsstand zu ermöglichen, die Patient:innen dabei in den Mittelpunkt stellen zu können, müsse jedoch der Verwaltungsaufwand reduziert werden. „Wir müssen Ärztinnen und Ärzte von Bürokratie entlasten, denn wenn diese überhandnimmt, leidet die Versorgung“ führte Steinhart aus.

Prävention als Entlastung: von Kindheit an

Gesundheitsförderung beginnt im Kindesalter: Bewegung und gesunde Ernährung gehören in Kindergärten und Schulen – sie sind die Basis für Konzentration, Leistungsfähigkeit und ein gutes Miteinander. Wir als Bund und Länder müssen diese Programme unterstützen“, betonte Cornelia Hagele, Landesrätin in Tirol für Gesundheit, die wichtige Rolle der öffentlichen Hand in Bezug auf die präsentierten Statistiken zum österreichischen Umgang mit vermeidbaren Risikofaktoren als Teil des Lebensstils. Denn „bewegte Kinder werden zu bewegten Erwachsenen“ betonte Hagele weiter. Sie sprach auch den Stellenwert von Prävention im Bereich der Mundgesundheit an: „In der Zahngesundheit machen flächendeckende Vorsorgeprogramme und mobile Angebote den Unterschied. Es geht nicht nur um Kariesprävention – wir wollen Gesundheitskompetenz vom ersten Milchzahn an fördern.

Hohe Inanspruchnahme eines leistungsstarken Systems

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse, Peter McDonald, plädierte für ein Umdenken bei der Eigenverantwortung: „Wer aktiv in seine Gesundheit investiert, soll dafür eine Anerkennung erhalten. Nach dem Leitsatz: nicht nur Betroffener, sondern Beteiligter.“ Wichtig war McDonald auch, „dass wir uns nicht alles schlecht reden. Menschen, die in Österreich leben und medizinische Unterstützung benötigen, haben dazu auch Zugang“ unterstrich er die Zugänglichkeit des Systems. „Gleichzeitig sehen wir auch eine enorme Inanspruchnahme mit sehr vielen Arztkontakten pro Kopf. Da müssen wir uns schon fragen, wie eine vernünftige Patientenlenkung aussieht“ gab McDonald zu bedenken.

Gesundheitssystem als gesellschaftliche Zukunftsfrage

Die Beiträge aus dem Publikum und der nachfolgende Austausch mit dem Podium hat erneut gezeigt, wie wichtig das Gesundheitspolitische Forum als Plattform für Debatten zu Grundsatzfragen wie auch tagesaktuelle Herausforderungen für unser Gesundheitssystem ist.“ unterstrich Jan Oliver Huber, Leiter des Gesundheitspolitischen Forums der Karl Landsteiner Gesellschaft, die Bedeutung des neu ausgerichteten Forums. Es braucht klare und große Weichenstellungen für die Zukunft, um verlässliche Rahmenbedingungen für die nächste Generation zu schaffen.
Das GPF versteht sich dabei als Ort des Austauschs und als Impulsgeber für die nachhaltige Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems.

Das Gesundheitspolitische Forum:

Das Gesundheitspolitische Forum ist ein wissenschaftsbasiertes, unabhängiges Diskussionsformat mit langer Tradition – seit 2008 wurden rund 150 Veranstaltungen umgesetzt. Ziel ist es, kontroverse Positionen sichtbar zu machen, Brücken zwischen Sektoren zu bauen und den Transfer innovativer Ideen in das Gesundheits- und Sozialwesen unter Berücksichtigung der Realitäten zu ermöglichen. Das Gesundheitspolitische Forum ist eine Veranstaltung der Karl Landsteiner Gesellschaft in Kooperation mit FINE FACTS Health Communication. Die Partner des Gesundheitspolitischen Forums sind: Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, die Gesundheit Österreich GmbH, die Österreichische Gesundheitskasse, die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und der Österreichische Apothekerverband.

Mehr Informationen zum Gesundheitspolitischen Forum

OECD-Publikation „Austria: Country Health Profile 2025

*Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Weitere Bilder in der APA-Fotogalerie

Rückfragen & Kontakt

FINE FACTS Health Communications GmbH
Luis Neuhold, BA
PR & Projektassistenz
M: +43 660 8511300
[email protected]

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