- 16.04.2026, 12:43:02
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SPÖ-Kampus ruft Gesundheitsnotstand für Graz aus
Bei mehr als 80 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Graz reicht die E-Card nicht

Im Rahmen einer Pressekonferenz in einer aufgelassenen Arztpraxis hat die SPÖ Graz rund um Spitzenkandidatin Doris Kampus den Gesundheitsnotstand in Graz ausgerufen. Immer weniger Kassenärztinnen und -ärzte stehen einer wachsenden Bevölkerung gegenüber mit spürbaren und zunehmend belastenden Folgen für die Menschen in der Stadt.
Lange Wartezeiten, fehlende Termine und steigende Kosten prägen bereits heute den Alltag vieler Patientinnen und Patienten. Die medizinische Versorgung droht damit immer stärker zur Frage der finanziellen Möglichkeiten zu werden. Die Situation in der steirischen Landeshauptstadt ist ernst und erfordert rasches Handeln.
Nur mehr 19% aller niedergelassenen Ärzt:innen in Graz haben einen Kassenvertrag, bei 81% müssen die Menschen extra zahlen. Bei den Fachärzten ist es noch schlimmer: Hier reicht bei 85% die E-Card nicht und die Geldbörse entscheidet über Termin und Behandlung. Die Zukunft wird noch schlechter: Fast die Hälfte der Ärzt:innen in Graz geht in den nächsten 10 Jahren in Pension.
In einzelnen Fächern ist die Entwicklung dramatisch: So stehen z.B. für ganz Graz nur 7 Urologen zur Verfügung, im Bereich der psychischen Gesundheit sind es nur 3 Psychiater. Auch in den anderen Fächern sieht es nicht besser aus. Egal, ob bei Kindern, HNO oder Frauen: Graz ist dramatisch unterversorgt.
Deutliche Kritik an der Stadtpolitik
In diesem Zusammenhang wird auch Kritik an Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer laut. Zwar liegen zentrale Zuständigkeiten bei Land Steiermark und Österreichischer Gesundheitskasse, dennoch müsse die Stadt ihre Möglichkeiten konsequent nutzen und aktiv gegensteuern.
„Wir haben einen echten Gesundheitsnotstand in Graz. Wenn bei 85 Prozent aller Fachärzte die E-Card nicht mehr ausreicht, wird Gesundheit zur Frage der Geldbörse. Diesen Zustand können und dürfen wir nicht akzeptieren“, betont Doris Kampus.
Bericht aus der Praxis
Allgemeinmediziner Dr. Max Mairinger, Kassenarzt in Graz, gab Einblick in die Herausforderungen seines Berufs und der Situation des Gesundheitsnotstandes. „Es passiert mir leider immer wieder, dass ich keine zeitgerechten Kassen-Facharztbehandlungen für meine Patientinnen und Patienten bekomme. Das ist in manchen Fällen, wie etwa bei Krebspatienten, eine echte Katastrophe. Man kann also durchaus von einem Gesundheitsnotstand in Graz sprechen.“
Bevölkerung soll eingebunden werden
Um die Dringlichkeit der Situation stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, plant die SPÖ Graz in den kommenden Wochen umfassende Informationsmaßnahmen.
„Graz braucht jetzt entschlossenes Handeln und eine aktive Gesundheitspolitik, bevor sich die Versorgungslage weiter verschärft“, so Kampus.
Konkrete Lösungsansätze
- Ein Gesundheitszentrum in jedem Grazer Bezirk
Moderne Einrichtungen, in denen Hausärzt:innen, Fachärzt:innen und therapeutische Angebote sowie Sozialarbeiter:innen gebündelt werden. Dadurch sollen sowohl Spitäler als auch der niedergelassene Bereich spürbar entlastet werden. - Einrichtung eines stadteigenen Welcome Centers für Ärzt:innen
- Zielgerichtete Unterstützung bei der Ansiedelung in Graz: von der Ordinations- und Wohnungssuche über Kinderbetreuung bis hin zu Jobs für Partner:innen sowie Hilfe bei bürokratischen Abläufen.
Abschließend betont Doris Kampus: „Wir wollen 1 Gesundheitszentrum in jedem Grazer Bezirk und ein Welcome Center für Ärztinnen und Ärzte schaffen, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern und langfristig die Trendwende einzuleiten. Dafür braucht es eine klare politische Verantwortung und ein Gesundheitsressort, das mit voller Kraft an Lösungen arbeitet."
Zahlen, Daten und Fakten zum Gesundheitsnotstand:
Alarmierende Zahlen zeigen die Realität und verdeutlichen das Ausmaß der Krise:
- Nur mehr 19 % der Grazer Ärzt:innen verfügen über einen Kassenvertrag
- 81 % der niedergelassenen Ärzt:innen sind Wahlärzte – die E-Card allein reicht nicht mehr aus (1.168 Ärzt:innen insgesamt, davon 229 Kassenärzte und 939 Wahlärzte)
Besonders dramatisch ist die Situation bei Fachärzten:
Nur mehr 15 % sind Kassenfachärzte, 85 % Wahlärzte (774 Fachärzt:innen, davon 116 Kassenärzte und 658 Wahlärzte)
Auch der Blick in die Zukunft gibt Anlass zur Sorge:
44 % der niedergelassenen Ärzt:innen gehen in den nächsten 10 Jahren in Pension (517 von 1.168). Eine ausreichende Nachbesetzung ist derzeit nicht absehbar
Für rund 345.000 Grazerinnen und Grazer wird es damit zunehmend unmöglich, eine Behandlung bei Kassenärzt:innen zu erhalten.
Versorgungslücken in zentralen Fachbereichen
- Urologie: 7 Kassenärzte
- Gynäkologie: 15 Kassenärzte
- Orthopädie: 7 Kassenärzte
- Innere Medizin: 14 Kassenärzte
- Augenheilkunde: 14 Kassenärzte
- Kinderheilkunde: 15 Kassenärzte
- Dermatologie: 10 Kassenärzte
- Psychiatrie: 3 Kassenärzte
- HNO: 7 Kassenärzte (davon 6 kurz vor der Pension)
- Pneumologie: kein einziger Arzt im Grazer Westen
Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist die Lage besonders kritisch: In ganz Graz stehen lediglich drei Kassenpsychiater zur Verfügung – das entspricht einem Arzt für rund 100.000 Menschen.
Weitere Informationen unter operation-graz.at
Rückfragen & Kontakt
SPÖ Graz
Patrick Trabi
Telefon: +43664/5138366
E-Mail: [email protected]
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