• 10.04.2026, 11:27:32
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Leitbetriebe Austria & BMEIA: Zu viel Bürokratie bremst den Standort

Wo die Ursachen wachsender Komplexität liegen – und warum jetzt entschlossen gegengesteuert werden muss

Veranstaltung "Business meets Diplomacy" mit Staatssekretär Sepp
Schellhorn
Wien (OTS) - 

Bürokratie wächst nicht zufällig. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Regulierung, Umsetzung und Kontrolle, folgt dabei einer eigenen Dynamik. Genau diese Zusammenhänge standen im Zentrum der Veranstaltung „Business meets Diplomacy“, die Leitbetriebe Austria gemeinsam mit dem Unternehmensservice des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) im Rahmen der Initiative ReFocus Austria veranstalteten. Im Austausch zwischen österreichischer Wirtschaft, Politik und europäischer Ebene wurde analysiert, wo diese Dynamiken entstehen und wie bestehende Systeme effizienter gestaltet werden können.

Diplomatie als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik

Vor diesem Hintergrund wurde auch die Rolle der wirtschaftsorientierten Diplomatie als verbindendes Element zwischen Wirtschaft und Politik hervorgehoben. Leitbetriebe Austria arbeitet seit dem Start des Unternehmensservice im BMEIA eng mit diesem zusammen.

Staatssekretär Sepp Schellhorn betonte die Bedeutung dieses Austauschs und lud die Wirtschaft ein, sich aktiv einzubringen: „Wir sind auf konkrete Rückmeldungen aus der Praxis angewiesen. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihre Themen frühzeitig kommunizieren – idealerweise verbunden mit machbaren Lösungsansätzen. Nur so können wir gezielt Verbesserungen erreichen und den Standort nachhaltig stärken. Denn zu viel Bürokratie entsteht dort, wo Regeln an der Praxis vorbeigehen. Genau deshalb holen wir uns Rückmeldungen direkt aus den Unternehmen – und setzen sie konsequent um. Weniger Bürokratie heißt am Ende mehr Tempo, mehr Investitionen und mehr Wettbewerbsfähigkeit.“

Rahmenbedingungen müssen praktikabel und wirksam sein

Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, machte deutlich, worauf es aus Sicht der Unternehmen ankommt: „Entbürokratisierung ist ein entscheidender Hebel für unternehmerischen Erfolg und faire Leistungsfähigkeit. Es braucht Rahmenbedingungen, die klar, verständlich und vor allem im Alltag umsetzbar sind. Gute Regulierung zeigt sich daran, dass sie wirkt und nicht daran, wie komplex sie ist.“

Komplexität entsteht im Zusammenspiel der Ebenen

Die Diskussion zeigte, dass Bürokratie häufig nicht durch einzelne Regelungen entsteht, sondern durch das Zusammenspiel von europäischen Vorgaben, nationaler Ausgestaltung und administrativer Durchführung.

Dabei wurde auch das Subsidiaritätsprinzip als wichtiger Orientierungsrahmen genannt, also die klare Frage, welche Aufgaben auf welcher Ebene am sinnvollsten gelöst werden. In der Praxis wird dieses Prinzip jedoch nicht immer konsequent angewendet, was zusätzliche Komplexität hervorruft.

Realisierung als entscheidender Erfolgsfaktor

Ein zentrales Ergebnis des Expertengesprächs: Erkenntnisse zum Bürokratieabbau liegen seit Jahren vor. Die Herausforderung liegt in der durchgängigen Ausführung.

Viktor Wagner, Geschäftsführer REIWAG, sieht darin eine besondere Chance: „Der Staatssekretär muss unterstützt werden – wir haben jetzt eine historische Chance zur Deregulierung. Wenn es gelingt, hier zielstrebig anzusetzen, ist das enorm wertvoll für ganz Österreich.“

Vergangene Initiativen seien oft an zu komplexen Strukturen, fehlender Priorisierung oder mangelnder Verbindlichkeit gescheitert. Daraus gelte es zu lernen.

Europäische Ebene und nationale Verantwortung gemeinsam denken

Auch die europäische Perspektive wurde differenziert beleuchtet. Michael Wimmer, Direktor für Vereinfachung, Implementierung und Durchsetzung des EU Rechts, aus dem Generalsekretariat der Europäischen Kommission betonte, dass die Europäische Union offensiv daran arbeite, Regelwerke zu vereinfachen. Allein 2025 wurden Vorschläge vorgelegt, durch die laufende Verwaltungskosten um schätzungsweise 15 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Dazu kommen einmalige Entlastungen von 6 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Arbeitsprogramms für 2026 verfolge ein Vereinfachungsziel, wobei ein wesentlicher Teil der Verantwortung bei der gesetzgeberischen Mitentscheidung und in der nationalen Umsetzung liege. „Entscheidend ist, bestehende Spielräume gezielt zu nutzen und zusätzliche Belastungen – etwa auch in Form von ‚Gold Plating‘ – zu vermeiden.“

Praxisfeedback systematisch nutzen

Christoph Gärner, Fachreferent im Kabinett des Staatssekretärs, verwies auf die Notwendigkeit, Bürokratie konsequent an den Bedarfen und Möglichkeiten der Praxis auszurichten: „Regulatorik hat zumeist ihren Nutzen. Entscheidend ist, dass sie verständlich und realisierbar bleibt. Die Rahmenbedingungen sind dann gelungen, wenn sie zuverlässig praktikabel sind.“

Mit dem Beteiligungstool SEDA steht nun eine offene Plattform zur Verfügung, über die Unternehmen konkrete Anliegen inklusive Lösungsansätzen einbringen können. Ziel ist es, diese Rückmeldungen systematisch in Gesetzgebungs- und Reformprozesse zu integrieren. Zu diesem Zwecke wurde ein regelmäßiger Austausch innerhalb der Bundesregierung, zwischen Bund, Ländern und Gemeinden wie auch zwischen dem BMEIA und der Europäischen Union etabliert.

Fazit: Weniger Komplexität, mehr Wirkung

Die Veranstaltung machte deutlich: Entbürokratisierung ist ein wesentlicher Treiber für unternehmerischen Erfolg und einen leistungsfähigen Standort. Der wichtigste Faktor liegt in der disziplinierten Ausführung, klaren Zuständigkeiten und einem stärkeren Fokus auf Wirkung statt Komplexität. Gefordert sind alle Ebenen von der europäischen Gesetzgebung über die nationale Implementierung bis hin zur Verwaltung.
Entscheidend wird sein, vorhandene Erkenntnisse ‚endlich‘ umzusetzen und den Mut für strukturelle Reformen aufzubringen.
Leitbetriebe Austria wird diesen Prozess weiterhin aktiv als Plattform für Austausch, Bewusstseinsbildung und zielgerichtete Lösungen begleiten.

Weitere Informationen:

Über Unternehmerservice

Die Abteilung für Unternehmensservice im Außenministerium, seit 2018 von Ulrike Ritzinger verantwortet, ist die zentrale Anlaufstelle für österreichische Unternehmen. Das Unternehmensservice des BMEIA unterstützt österreichische Unternehmen bei der Wahrung ihrer Interessen im Ausland. Neben der aktiven Betreuung österreichischer Unternehmen bewirbt das Unternehmensservice auch Österreich als Wirtschafts- und Forschungsstandort, als Tourismusdestination und als Industrie-Hotspot. Dies geschieht etwa im Rahmen der Wirtschaftsinitiative „ReFocus Austria“, der Veranstaltungsreihe „Business meets Diplomacy“ oder dem internationalen Besuchsprogramm „ALPS – Austrian Leadership Programs“. www.bmeia.gv.at/unternehmensservice


Über SEDA

Mit 26. Oktober 2025 nahm die Servicestelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA) im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten ihren Betrieb auf. Seit ihrer Einrichtung sind dort mehr als 4500 Vorschläge zu Entbürokratisierung und Deregulierung, großteils von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen, eingegangen. Ein Teil dieser Vorschläge wurde beim ersten Entbürokratisierungspaket im Dezember 2025 aufgegriffen, das sich derzeit in der Umsetzung befindet. Parallel dazu laufen aktuell die Vorbereitungen für das nächste Entbürokratisierungspaket, das sich erneut auch auf Vorschläge aus SEDA stützen wird. www.bmeia.gv.at/SEDA


Über Leitbetriebe Austria

Leitbetriebe Austria repräsentiert die Vorbildunternehmen der heimischen Wirtschaft und bietet eine einzigartige Plattform zur Positionierung als Vorzeigeunternehmen, exklusives Beziehungsmanagement und vertrauensvollen Wissenstransfer. Leitbetriebe sind Unternehmen, die abseits vom wirtschaftlichen Erfolg auch gesellschafts-, umwelt- und sozialpolitische Verantwortung übernehmen. Eine Zertifizierung als Leitbetrieb erfolgt nach erfolgreicher Durchführung des speziell entwickelten Qualifikationsverfahrens. www.leitbetriebe.at

Rückfragen & Kontakt

Leitbetriebe Austria
Sandra Dietzl
Telefon: +43 664 88388764
E-Mail: [email protected]
Website: https://leitbetriebe.at

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