• 08.04.2026, 12:50:32
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Grüne Wien/Berner: Kritik am Entwurf zur Novelle des Kinder- und Jugendhilfegesetzes

Wien (OTS) - 

„Was als großer Wurf für den Kinderschutz verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als unausgereifter Entwurf mit gravierenden Lücken“, kritisiert Ursula Berner, Familiensprecherin der Grünen Wien, den vorliegenden Gesetzesvorschlag zur Novellierung des Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetzes. In dem Entwurf liegt der Fokus auf Kontrolle, Verpflichtungen sowie einer engeren Zusammenarbeit mit der Polizei – zulasten von Prävention und qualitativer Arbeit. Außerdem ist eine weitere Deprofessionalisierung zu befürchen, wenn in Zukunft auch Personen in Ausbildung als Sozialpädagog:innen arbeiten dürfen sollen. Das kritisiert auch die Gewerkschaft younion. „Wer an der Qualifikation für das Personal spart, führt jedes Kinderschutzkonzept ad absurdum“, hält Berner fest: „Der Personalmangel lässt sich nicht durch niedrigere Qualifikationsstandards lösen, sondern nur durch bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, höhere Personalschlüssel und echte Entlastung im Alltag.“

Die Wiener Wiener Kinder- und Jugendhilfe steckt seit Jahren in einer Dauerkrise, die sich zuletzt zur akuten Notlage zugespitzt hat. Unter diesen Voraussetzungen scheint es unwahrscheinlich, dass echter Kinder- und Jugendschutz an allen Standorten Wiens sichergestellt werden kann: Die Gesetzesvorlage verankert weder Kinderschutzbeauftragte noch Evaluierungen, finanzielle Mittel für Hilfe von außen, oder Supervision und Dokumentation.

Die Grünen fordern einen Neustart der Kinder- und Jugendhilfe in Wien:

+ Bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung: Die Pädagog:innen brauchen endlich eine Bezahlung, die ihrer Verantwortung gerecht wird sowie die Einhaltung der Ruhe- und Erholungszeiten.
+ Entbürokratisierung & Handlungsspielräume: Professionelle Arbeit mit hochbelasteten Jugendlichen funktioniert nicht mit Aktenschränken, sondern mit Vertrauen, Zeit und guter Supervision.
+ Ausbau qualitativ hochwertiger ambulanter Angebote für Familien, sodass Sozialarbeiter:innen eine echte Wahl haben und nicht Kinder in die Krisenpflege nehmen, weil es keine ausreichenden ambulanten Unterstützungsangebote für Familien gibt.
+ Vorrang von Kleinstgruppenbetreuung statt Groß-WGs: Groß-WGs mit 8 bis 13 Jugendlichen sind aus der Zeit gefallen. Für besonders gefährdete Jugendliche braucht es Einzelbetreuung und individuell zugeschnittene Wohnformen.
+ Neuaufsetzung der Krisenzentren, denn die chronische Überbelegung mit angespannter Personalsituation kann den Ansprüchen der Betroffenen nicht mehr gerecht werden.

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